VonJuliane Gutmannschließen
Einsamkeit ist ein starkes Gefühl, das selten wahrgenommen kein Problem darstellt. Dauerhafte Einsamkeit dagegen ist gefährlich. Forscher suchen nach einem Mittel dagegen.
Von Einsamkeit sind nicht nur ältere Menschen betroffen, die ihren Partner in hohem Alter verloren haben. Auch junge Personen können sich krankhaft einsam fühlen. Die Zahlen belegen, wie verbreitet das Problem ist. So informiert die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention, dass sich jeder vierte Bundesbürger sehr einsam fühlt. Das Ergebnis beruht auf einer Befragung von 5.196 Personen zwischen 18 und 69 Jahren im September 2023. Ein erstaunliches Ergebnis der Erhebung: Das Erleben von Einsamkeit ist zu einem großen Teil unabhängig von der Anzahl der Sozialkontakte.
Bin ich einsam? Test gibt Aufschluss
Typisch für Betroffene ist, dass sie sich allein und isoliert fühlen. Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Angstzustände, Schlafstörungen und sogar körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen und Magen-Darm-Probleme können auftreten. Sie haben den Verdacht, betroffen zu sein? Der sogenannte UCLA-LS (University of California at Los Angeles Loneliness Scale), zeigt an, wann Betroffene handeln sollten.
Soziale Kontakte stärken, neues Hobby suchen, professionelle Hilfe vom Therapeuten in Anspruch nehmen: Es gibt viele Möglichkeiten, den Weg aus der Einsamkeit zu finden. Forscher suchen aktuell auch nach Rezepturen für Anti-Einsamkeit-Medikamente. Das Universitätsklinikum Bonn hat dabei erste Erfolge erzielt.
„Kuschelhormon“ Oxytocin in Nasenspray gegen Gefühle der Einsamkeit
Ein Team um Dr. Jana Lieberz vom Universitätsklinikum Bonn (UKB) und Professor Dirk Scheele von der Ruhr-Universität Bochum hatte untersucht, wie sich das sogenannte „Kuschelhormon“ Oxytocin in Nasenspray auf Studienteilnehmer auswirkt, die akut von Einsamkeit betroffen sind. 78 Frauen und Männer wurden im Rahmen der kontrollierten Studie, an der auch die Universitäten Oldenburg, Bochum, Freiburg und Haifa (Israel) beteiligt waren, untersucht.
Wie es in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Bonn weiter heißt, lag der Fokus der Studie auf der Frage, ob das Bindungshormon Oxytocin helfen könnte, die Effektivität einer Gruppentherapie gegen Einsamkeit zu stärken. Die Studienteilnehmer haben fünf wöchentliche Gruppentherapiesitzungen durchlaufen, die durch die Gabe von Oxytocin in Form eines Nasensprays ergänzt wurden. Eine Kontrollgruppe erhielt ein Placebo-Präparat. Während des Studienzeitraums von drei Monaten bewerteten die Probanden mehrmals ihr Einsamkeitsgefühl.
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Oxytocin-Gabe könnte helfen, während der Therapie am Ball zu bleiben
„Die psychologische Intervention war in allen Behandlungsgruppen mit einer verringerten Stresswahrnehmung und einer Verbesserung der generellen Einsamkeit verbunden, was auch bei der Nachuntersuchung nach drei Monaten noch sichtbar war“, so Studienautorin Lieberz. Zwar hatte Oxytocin keinen signifikanten Einfluss auf die generell empfundene Einsamkeit, die Lebensqualität oder den wahrgenommenen Stress. Im Vergleich zu Placebo berichteten die Teilnehmenden, die Oxytocin erhalten hatten, jedoch ein verringertes akutes Gefühl der Einsamkeit nach den Sitzungen, heißt es in der Pressemitteilung der Uniklinik. Zusätzlich hätte die Oxytocin-Gabe auch eine positive Bindung zwischen den Gruppenmitgliedern gefördert.
„Das ist eine sehr wichtige Beobachtung, die wir gemacht haben – Oxytocin konnte die positive Beziehung zu den anderen Gruppenmitgliedern stärken und von Beginn an die akuten Einsamkeitsgefühle reduzieren. Es könnte daher hilfreich sein, Patientinnen und Patienten zu Beginn einer Psychotherapie damit zu unterstützen. Denn wir wissen, dass sich Patientinnen und Patienten anfangs – sobald Probleme benannt werden – auch erst einmal schlechter als vor Beginn einer Therapie fühlen können. Durch die beobachteten Effekte der Oxytocin-Gabe könnten Betroffene wiederum besser am Ball bleiben und weitermachen“, erläutert Dr. Jana Lieberz.
Mögliche Ursachen, die zu Einsamkeit führen
Die Auslöser von Einsamkeit sind ebenso vielfältig wie die Symptome. Häufig spielen Lebensereignisse wie Umzüge, der Verlust eines geliebten Menschen oder der Eintritt in den Ruhestand eine Rolle. Darüber hinaus können auch soziale Ängste, Schüchternheit oder mangelnde soziale Kompetenzen zu Einsamkeit führen.
Mehr Informationen zur Studie „Oxytocin-Augmented Modular-Based Group Intervention for Loneliness: A Proof-Of-Concept Randomized Controlled Trial“
Veröffentlichungsdatum: 16. Mai 2024
Veröffentlicht in der Fachzeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics
Umfang: 78 Studienteilnehmer
Studienautoren: Forscherteam um Dr. Jana Lieberz vom Department of Psychiatry and Psychotherapy an der Universität Bonn
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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
