VonJuliane Gutmannschließen
Immer mehr Menschen fühlen sich einsam. Die Bundesregierung legt nun einen Plan vor, der das gesellschaftliche Problem lösen soll.
Jeder vierte Bundesbürger fühlt sich sehr einsam. Darüber informiert die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Das Ergebnis beruht auf einer Befragung von 5.196 Personen zwischen 18 und 69 Jahren im September 2023. Wer bei einsamen Menschen an Personen denkt, die keine sozialen Beziehungen pflegen, der irrt. Die Umfrage zeigte, dass das Erleben von Einsamkeit zu einem großen Teil unabhängig ist von der Anzahl der Sozialkontakte.
Die Coronapandemie, eine veränderte Arbeitswelt hin zu mehr Belastung für den Einzelnen, damit einhergehend weniger Energie für sozialen Ausgleich, Verlust von geliebten Menschen: Die Ursachen hinter dem Fakt, dass sich immer mehr Menschen einsam fühlen, sind unterschiedlich. Die Bundesregierung will das Thema Einsamkeit jetzt mit einem Strategiepapier in den Fokus rücken. Am 13. Dezember wurde es auf den Weg gebracht. Das Ziel der sogenannten Einsamkeitsstrategie: Vereinsamung vorbeugen und bekämpfen durch verschiedene Maßnahmen, dazu zählen:
- Regelmäßige öffentliche Aktionen oder jährliche Aktionswochen
- Forschung zu den gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit stärken
- Lokale Projekte zur Vorbeugung und Linderung von Einsamkeit unterstützen
- Wartezeiten auf Therapieplätze verkürzen
Bin ich einsam? Test zeigt, ob Sie gefährdet sind
Wer alleine lebt und viel alleine unterwegs ist, muss nicht unbedingt einsam sein. Beide Begrifflichkeiten werden aber oft im gleichen Kontext genannt. Doch einsam sein macht auf Dauer krank, alleine sein ist für viele Menschen eine Wohltat. So soll eine berühmte Schauspielerin einst gesagt haben:
Ich muss oft Zeit allein verbringen. Ich wäre ziemlich glücklich, wenn ich von Samstagabend bis Montagmorgen allein in meiner Wohnung wäre. So tanke ich wieder auf.
Wer sich einsam fühlt, fühlt sich innerlich isoliert. Das Gefühl dieser fehlenden Zugehörigkeit kann auch dann bestehen, wenn man sich in Gesellschaft befindet. Diplom-Psychologin Dr. Eva Wlodarek erklärt im Interview mit Zeit Online, warum Einsamkeit dem Menschen so sehr zusetzt: „In der menschlichen Evolution war es überlebenswichtig, zu einer Gruppe zu gehören, denn Einzelgänger hatten bei den vielfältigen Gefahren kaum Überlebenschancen“. Diese Prägung sei noch bis heute wirksam und erzeuge physische Schmerzen, so die Expertin.
Der Malteser Hilfsdienst führt auf, welche Folgen Einsamkeit langfristig auf Körper und Psyche hat. Nicht nur Depressionen, auch körperliche Leiden wie Bluthochdruck würden gefördert werden. Als Ursache hierfür wird unter anderem ein dauerhaft hoher Cortisolspiegel diskutiert. Das Stresshormon führt dazu, dass der Körper Entzündungen nicht mehr so effektiv bekämpfen kann, wodurch Herz-Kreislauf-Leiden begünstigt werden. Wie der Malteser Hilfsdienst weiter informiert, löst ein erhöhter Cortisolspiegel dauerhaft zu hohen Blutdruck und zu hohe Blutzuckerwerte aus und fährt das Immunsystem herunter.
Bin ich einsam? Einsamkeitsskala gibt erste Anhaltspunkte
Der sogenannte UCLA-LS (University of California at Los Angeles Loneliness Scale) erfasst das Ausmaß der erlebten Einsamkeit. Die Einsamkeitsskala findet Anwendung in der Forschung und kann erste Warnsignale offenlegen. Durch 20 Fragen wird ermittelt, wie stark gefährdet der Teilnehmer ist, in die Einsamkeit abzurutschen oder ob bereits Einsamkeit vorliegt. Wer etwa folgende neun Fragen mit einem eindeutigen „stimmt völlig“ oder „stimmt ziemlich“ beantworten kann, sollte aktiv werden, Angehörige einbeziehen oder sich vom Arzt oder Therapeuten beraten lassen.
- Ich habe niemanden, an den ich mich wenden kann.
- Ich fühle mich allein.
- Ich fühle mich niemandem nah.
- Ich fühle mich ausgeschlossen.
- Meine Freundschaften sind oberflächlich.
- Niemand kennt mich wirklich.
- Ich fühle mich von den anderen isoliert.
- Ich bin zu viel allein.
- Die Menschen haben es schwer, an mich heranzukommen.
Weitere Informationen und alle Fragen der UCLA Einsamkeitsskala finden Sie hier.
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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
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