Mehrere hundert Millionen

Konkurrenz für Netflix und Co.? ARD und ZDF treiben Streaming-Pläne voran – „Wird enorm viel Geld kosten“

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ARD und ZDF treiben die Pläne für ein gemeinsames Streaming-Portal weiter voran. ARD-Chef Gniffke will unter anderem dafür „mehrere hundert Millionen Euro“ investieren.

München – Netflix, Disney+ und Amazon Prime Video sind hierzulande seit Jahren die vorherrschenden Portale, was das Streaming von Filmen, Serien und Dokumentationen angeht. Doch die Öffentlich-Rechtlichen möchten dem nun offenbar Konkurrenz machen. Mit ihren eigenen Mediatheken konnten ARD und ZDF bereits große Zuschauerzahlen erreichen. So gelangen dem ZDF mit den Serien „Der Schwarm“ und „Gestern waren wir noch Kinder“ im Jahr 2023 bereits beeindruckende Erfolge. Schon seit rund eineinhalb Jahren, ist es nun geplant, mit einem gemeinsamen Streaming-Portal von ARD und ZDF eine Konkurrenz für bestehende Portale zu werden.

ARD und ZDF planen Streaming-Portal: Mehrere hundert Millionen sollen investiert werden

Jetzt hat sich der ARD-Vorsitzende Kai Gniffke bei einer Konferenz in Tutzing zu den Plänen geäußert. Unter anderem BR24 berichtet darüber. Der Intendant des SWR erklärte, man wolle „in den kommenden Jahren mehrere hundert Millionen Euro in die Entwicklung von Technologie investieren.“ Dabei gehe es zunächst um den Aufbau einer gemeinsamen Streaming-Plattform mit dem ZDF.

Hier stellt sich nun die Frage nach der Finanzierung. Der Rundfunkbeitrag, bei dem es 2023 eine wichtige Änderung gab, liegt derzeit 18,36 Euro. „Das wird enorm viel Geld kosten“, erklärte Gniffke. „Diese notwendigen Ressourcen werden wir nicht einfach obendrauf kriegen. Da bin ich nicht weltfremd.“ Gniffke hat einen anderen Plan für die Finanzierung. Zusätzliches Geld möchte er durch mehr Arbeitsteilung einsparen. „Es muss nicht jeder alles machen. Sondern jeder macht nur noch das, was er am besten kann“, so der SWR-Intendant. Als Beispiel nannte er Text-Roboter, die in Zukunft einfache Aufgaben im Alltag übernehmen könnten, um Kapazitäten freizubekommen für journalistische Tätigkeiten wie aufwendige Recherche.

Netflix und Co. Konkurrenz machen, das sollen die öffentlich-rechtlichen in den nächsten Jahren erreichen.

Beteiligung von privat finanzierten Medien: „Der Nukleus für etwas Größeres“

Doch nicht nur Inhalte der öffentlich-rechtlichen Medien sollen in einem gemeinsamen Streaming-Portal Platz finden. Auch private Medien könnten sich einbringen. Das neue Streaming-Portal könne „der Nukleus für etwas noch viel Größeres“ sein, erklärte Gniffke. „Ein Marktplatz für alle deutschen Medien“. Es gehe darum, eine Medieninfrastruktur zu schaffen, die „die Chance hat, die Macht der Social Networks und der großen Plattformbetreiber zu brechen“, führte er weiter aus.

Im Interview mit BR24 äußerte sich allerdings Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, kritisch zu diesen Plänen. Inhalte von öffentlich-rechtlichen Medien und privaten Medienhäuser zu bündeln, sehe er als unwahrscheinlich. Vor allem die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle seien hierfür ausschlaggebend.

Gemeinsames Streaming-Netzwerk von ARD und ZDF: Vernetzungen sind bereits in Arbeit

Einige Schritte für das gemeinsame Schaffen von ARD und ZDF in Sachen Streaming bestehen bereits. Wie auf der Seite des ZDF zu lesen ist, wird in den nächsten Wochen damit gestartet. Dann sollen Empfehlungen übergreifend über die verschiedenen Mediatheken gegeben werden – vorerst nur bei Dokumentationen und im Bereich der Kultur. Im Anschluss müssten die Ergebnisse des Tests ausgewertet werden und erst dann könne die Vernetzung auch auf die restlichen Genres wie Filme und Serien ausgeweitet werden, teilte der Sender mit. „Unser Ziel ist ein weitgehend schrankenlos verfügbarer Kosmos aus öffentlich-rechtlichen Inhalten, in den wir weitere Partner einladen wollen“, erklärte ZDF-Intendant Norbert Himmler.

Man habe bereits in den vergangenen Monaten Inhalte von unter anderem ARTE und Funk in die Mediatheken der beiden größten öffentlich-rechtlichen Sender eingefügt. Weitere Ziele seien eine gemeinsame Suche nach Inhalten auf den beiden Mediatheken, sowie ein gemeinsamer Login für die Portale. „Wir haben zusammen mit der ARD die technischen Voraussetzungen für einen Austausch der Inhalte geschaffen, ohne dafür neue kostenintensive Strukturen aufzubauen“, so Himmler. Er scheint sich also vorerst zurückhaltender über die neuen Pläne zu äußern. Im Gegensatz zu seinem ARD-Kollegen Gniffke, der bereits Kosten von mehreren hundert Millionen Euro in den Raum wirft.

Die Gehälter der Intendanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sorgten wiederholt für Aufsehen. So hoch sind die Zusatzeinnahmen der Intendanten.

ARD und ZDF: Ausmaß der tatsächlichen Zusammenarbeit bisher unklar

Wie sich die Zusammenarbeit von ARD und ZDF in den nächsten Jahren gestalten wird, scheint nicht abschließend geklärt zu sein. Sicher ist jedenfalls, dass eine engere Zusammenarbeit besonders bei digitalen Angeboten angestrebt wird und auch bereits in Arbeit ist. In welcher Form und in welchem Ausmaß, das wird sich erst noch zeigen. Doch eine Konkurrenz für Netflix und Co. zu werden, dürfte eine große Herausforderung darstellen. Nicht nur für die Öffentlich-Rechtlichen werden Netflix und Co. zum Problem. Auch die Kinos leiden unter den Streaming-Diensten.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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