Bayerische Erfolgsgeschichte

Wie sich Netto zur nationalen Supermarktkette entwickelte

Die Geschichte von Netto, kurz für Netto Marken-Discount, zeigt, wie aus einem lokalen Großhandel und Zulieferer einer der größten Supermärkte des Landes wurde.

Maxhütte-Haidhof – Das Unternehmen Netto hat eine traditionsreiche Geschichte, die schon in der Vorkriegszeit beginnt. 1921 gründete Michael Schels seinen ersten Lebensmittelhandel in Regensburg. Damals noch als Großhandel und Zulieferer ausgerichtet, ist Netto heute die größte Supermarktkette im Discount-Bereich nach Aldi und Lidl und selbst international eine Größe im Lebensmitteleinzelhandel. Um dorthin zu gelangen, hat der Discounter-Betreiber viele Kooperationen geschlossen.

NameNetto
Gründung1921 in Regenburg
UnternehmensgrößeÜber 4300 Filialen
HauptsitzMaxhütte-Haidhof
Zugehörigkeit2005 eingegliedert in den Edeka-Verbund

Die Netto-Geschichte: Wer steckt dahinter?

Das Unternehmen von Michael Schels konnte im Jahr 1953 zum Beginn der Wirtschaftswunderzeit bereits 100 Mitarbeiter beschäftigen. Bis zum Jahr 2018 wuchs die Zahl der Beschäftigten von Netto auf knapp 75.000. Von den einstigen Anfängen in Bayern hat sich das Verbreitungsgebiet der Supermarktkette vom Freistaat aus stetig erweitert.

Während die Geschichte als Lebensmittelgroßhandel begann, wurde 1971 zunächst die erste Filiale für den Lebensmitteleinzelhandel in Beilngries unter dem Namen SuDi (Supermarkt Discount) eröffnet. Bis 1983 wurden weitere Filialen von SuDi eröffnet und das Netto-Konzept erarbeitet. 1983 erfolgte dann die sukzessive Umbenennung und später die Integration der SuDi-Discounter in das neue Konzept.

Markantes Markenzeichen: Das Logo von Netto gibt es deutschlandweit zu sehen.

Der Name Netto etablierte sich erst im Jahr 1983. 2005 wurde Netto in den Edeka-Verbund eingegliedert. Im Jahr 2009 wurden nach Übernahme-Verhandlungen mit Tengelmann 2300 Filialen der Marke Plus übernommen. Aktuell umfasst das Netz mehr als 4300 Filialen. Das Sortiment bietet neben Lebensmitteln und Drogeriewaren auch Aktionswaren und Haushaltsartikel.

Nach der Wiedervereinigung entstehen neue Märkte in Ostdeutschland

Ab 1990 konnte Netto sein Verbreitungsgebiet auf die neuen Bundesländer ausweiten. Neben vielen neuen Filialen und der Übernahme bestehender Konsum-Märkte wurden auch neue Logistikzentren geschaffen, um dem erhöhten Bedarf gerecht werden zu können. Daneben wurden zu dieser Zeit 120 Filialen der Kette Prima übernommen. Unter anderem entstand auch eine neue Netto-Niederlassung in Guteborn.

Aufgrund der größten Expansion in der Geschichte des Unternehmens, die mit der Übernahme der Plus-Märkte ab 2009 über ganz Deutschland hinweg ging, wurden neuen Niederlassungen und Logistikzentren notwendig. Heute finden sich diese Niederlassungen neben der weiterhin bestehenden Zentrale in Maxhütte-Haidhof in Dettingen, Essen, Ganderkesee, Guteborn, Hodenhagen, Worms, Thiendorf, Coswig/Anhalt, Kitzingen, Bad Wünnenberg, Berlin, Bottrop, Hamm, Kerpen, Tuningen, Wörth am Rhein, Krefeld, Erharting, Erfurt und Henstedt-Ulzburg. Seit 1992 ist Netto in Maxhütte-Haidhof ansässig. Bis dahin hielt das Unternehmen am ursprünglichen Hauptsitz des Gründers Michael Schels in Regensburg die Fäden in der Hand.

Übernahme und schließlich Verkauf an EDEKA

Nach der Geschichte mit vielen eigenen Übernahmen überraschte im Jahr 2004 das französische Unternehmen Les Mousquetaires-ITM Entreprises S. A. mit dem Kauf von Netto. Der Konzern ging damit vollständig in dem Unternehmen auf, das die damaligen Spar-Supermärkte betrieb und heute noch für Intermarché bekannt ist. 2005 wurde Netto an die EDEKA-Gruppe weiterverkauft. EDEKA konnte damit zur Nummer eins im Lebensmitteleinzelhandel aufsteigen. Die Unternehmenszentrale von Netto verblieb weiterhin in Maxhütte-Haidhof.

Wie viele Filialen gibt es heute?

Über 4300 Filialen werden mittlerweile unter dem Namen Netto betrieben. Neben den bekannten Discounter-Märkten finden sich in den Innenstädten auch kleine Verkaufsstellen des Lebensmitteleinzelhandels in Bürogebäuden. Aufgrund des kleineren Platzangebots finden sich hier nur Lebensmittel und Haushaltswaren im Sortiment. Netto schließt hiermit eine Versorgungslücke in Innenstädten, die durch den großen Flächenbedarf eines normalen Supermarkts entstehen. Außerdem etablierte der Markt diverse Eigenmarken, wie zum Beispiel Schokoliebe, Gut Ponholz, BioBio und VivaVital.

Mit Eigenmarken wie Biobio kann Netto auf dem deutschlandweiten Markt punkten.

Neben den bekannten Verkaufsstellen hat Netto einen Online-Handel aufgebaut, der über die Homepage und über die App abgerufen werden kann. Zu dem bekannten Sortiment wurde eine breite Palette aus dem Non-Food-Bereich hinzugefügt. So finden sich im Online-Handel von Netto unter anderem Gartenartikel von der Deko bis zum Gartenhaus, Bauwaren und Möbel bis hin zu eigenen Reiseangeboten. In der Sparte Netto-Reisen bedient man sich mehrerer Reiseanbieter wie der trendtours Touristik GmbH oder 1AVista Reisen GmbH. Hier werden hauptsächlich Rundreisen und Kreuzfahrten angeboten.

Netto in den Sozialen Medien

2011 war Netto einer der ersten Beteiligten im Lebensmitteleinzelhandel, der eine eigene App auf den Markt brachte. Mit der Netto-App können Kunden Sparcoupons einlösen, online bezahlen oder Angebote einsehen. Außerdem kann der Kunde seine Einkaufsliste in der App führen. Seit 2016 betreibt Netto einen eigenen Facebook-Account, auf dem Interessierte regelmäßig zu Aktionen und Neuerungen beim Discounter informiert werden und an Gewinnspielen teilnehmen können.

Seit 2018 ist Netto auf Instagram zu finden. Hier fällt das Unternehmen durch prägnante Sharepics und Statements auf. Auf der Homepage von Netto können Kunden im Blog Wissenswertes rund um die Firmengeschichte, über Gründer Michael Schels und Aktionen im Supermarkt oder über Waren aus dem Sortiment lesen.

Soziales Engagement von Netto

Netto ist Sponsor des SSV Jahn Regensburg und zeigt damit seine Verbundenheit mit dem ehemaligen Gründungsort. Außerdem sammelt Netto Spenden für „Die Tafeln“ ein. Der Kunde kann am Flaschenpfandautomaten im Supermarkt entscheiden, ob er das Pfandgeld ausgezahlt bekommt, oder ob er das Geld den Tafeln spenden möchte. Des Weiteren kann der Kunde an der Kasse im Discounter seinen Endbetrag aufrunden und die Differenz spenden.

Netto unterstützt die Peter Maffay-Stiftung.

Mit dem Tabaluga-Sortiment unterstützt Netto die Peter Maffay-Stiftung für benachteiligte Kinder. Hierzu wurde eine Produktlinie im Obst-, Gemüse und Drogeriesortiment entwickelt, die sich speziell an Kinder richtet. 2011 geriet Netto wegen der Nichteinhaltung der Qualitätsstandards beim Fischfang in die Kritik der Umweltverbände. Daraufhin überarbeitete das Unternehmen seine Richtlinien und ging in Verbindung mit der EDEKA-Gruppe eine Kooperation mit dem WWF ein. Mit der Aktion „Ein Herz für Erzeuger“ will der Markt der Entwicklung von Dumpingpreisen in der Landwirtschaft entgegentreten.

Netto in der Kritik

In der Geschichte des Markts wurde das Unternehmen oftmals für seine Mitarbeiter-Politik kritisiert. Zum allgemeinen Problem der Arbeitsbedingungen im Lebensmitteleinzelhandel kam bei Netto Kritik zum Führungsstil und Betriebsklima zum Tragen. Außerdem wurde das Unternehmen aufgrund seiner Lohnpolitik kritisiert. Vor Einführung des gesetzlichen Mindestlohns führte der Netto bereits Mindestlöhne und Tariflöhne unter anderem für Aushilfen im Supermarkt ein. Trotzdem wurde 2017 bekannt, dass das Unternehmen über Werkverträge weiterhin wenig Lohn betrieb. Über diese Werkverträge wurden Mitarbeiter zwar wie Festangestellte beschäftigt, die Bezahlung erfolgte allerdings weit unter dem vormals selbst festgesetzten Mindestlohn.

Durch den Fachkräftemangel im Einzelhandel, der auch den Lebensmitteleinzelhandel betrifft, wurde der Konzern zu einer Änderung seiner Beschäftigungsstrategie gezwungen. Das Unternehmen wirbt nun mit folgenden Benefits:

  • Gute Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten auch für Neu- und Quereinsteiger
  • Transparente Unternehmens- und Entscheidungshierarchie
  • Flexible Arbeitszeiten
  • Teilzeitausbildungsmodelle
  • Faire Entlohnung

Durch die gebündelten Maßnahmen konnte Netto mehrere Auszeichnungen von Focus Money und der Wirtschaftswoche erlangen. Das Unternehmen hat sich mit der Initiative Fair Company unter anderem verpflichtet, freie Stellen nicht mit Praktikanten, Studenten oder Schülern zu besetzen. Außerdem sollen Hochschulabsolventen nicht mit Praktika hingehalten und Praktikanten wiederum nicht mit der Aussicht auf eine feste Stelle gelockt werden.

Verwechslungsgefahr – mit oder ohne Hund?

Der Netto Marken-Discount wird oftmals mit dem dänischen Namenszwilling Netto verwechselt. Die Lebensmittel-Discounter lassen sich für den Kunden am besten durch das Markenzeichen des Lebensmitteleinzelhändlers aus Dänemark, den Hund mit dem Körbchen, unterscheiden. Die Supermärkte des dänischen Unternehmens sind mit ca. 350 Filialen hauptsächlich im Norden und Nordosten Deutschlands vertreten. Bis 2012 war die Edeka-Gruppe unter anderem auch an diesem Konzern beteiligt.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa

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