Eltern verzichten auf Mahlzeiten

Neue Studie zeigt: Bürgergeld reicht Millionen Menschen nicht zum Satt-Werden

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Millionen Bürgergeld-Empfänger kämpfen mit finanziellen Engpässen. Viele müssen auf Essen verzichten, um andere Ausgaben zu decken. Experten warnen vor Kürzungen.

Eine aktuelle Studie sorgt für Schlagzeilen: Millionen Bürgergeld-Empfänger in Deutschland können sich laut eigener Aussage nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgen. Mehr als jeder dritte Betroffene muss regelmäßig auf Essen verzichten, um andere Grundbedürfnisse zu decken. Besonders alarmierend: Über die Hälfte der Eltern gibt an, zugunsten ihrer Kinder auf Mahlzeiten zu verzichten. Die Ergebnisse werfen ein Schlaglicht auf die soziale Realität vieler Betroffener – und heizen die Debatte über die Höhe des Bürgergelds erneut an.

Neue Studie zeigt: Bürgergeld reicht in vielen Haushalten nicht für ausreichend Lebensmittel

Millionen Haushalte in Deutschland beziehen Bürgergeld vom Staat. Die Höhe der ausgezahlten Beträge unterscheidet sich dabei je nach Bundesland teils erheblich. Was viele dieser Haushalte jedoch gemeinsam haben: Das Geld reicht nicht für ausreichend Lebensmittel. In einer aktuellen Studie gab mehr als die Hälfte der Befragten an, nicht genug Geld zur Verfügung zu haben, um alle im Haushalt regelmäßig satt zu bekommen.

69 Prozent halten den Regelsatz für zu niedrig, um eine gesunde Ernährung zu sichern. Über ein Drittel der Bürgergeld-Empfänger verzichtet laut Umfrage auf Essen, um andere notwendige Ausgaben zu decken. Besonders betroffen: 54 Prozent der Eltern geben an, zugunsten ihrer Kinder auf Mahlzeiten zu verzichten.

Kritik an Bürgergeld-Debatte: Verein Sanktionsfrei widerspricht Aussagen von Bundesarbeitsministerin

Angesichts der Studienergebnisse übt der Verein Sanktionsfrei, der die Untersuchung in Auftrag gegeben hat, deutliche Kritik an Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Diese hatte jüngst Maßnahmen gegen den Missbrauch von Bürgergeld angekündigt und in einem Interview auf ausbeuterische Strukturen hingewiesen, bei denen Menschen aus anderen EU-Ländern mit Mini-Verträgen nach Deutschland gelockt würden.

Helena Steinhaus, Gründerin des Vereins Sanktionsfrei, stellt jedoch klar: Sozialleistungsbetrug sei laut ihrer Einschätzung „kein strukturelles Problem“ – vielmehr brauche es mehr soziale Unterstützung statt weiterer Restriktionen, schreibt die dpa.

Bürgergeld reicht laut Studie nicht für ein würdevolles Leben – Experten warnen vor Kürzungen

Laut der aktuellen Studie empfinden 72 Prozent der Befragten den monatlichen Regelsatz von 563 Euro als nicht ausreichend, um ein würdevolles Leben führen zu können. Der Verein Sanktionsfrei betont: Die große Mehrheit der Bürgergeld-Empfänger wolle arbeiten, sehe jedoch kaum Chancen auf eine existenzsichernde Beschäftigung.

Zudem gaben 42 Prozent an, sich für den Bezug von Bürgergeld zu schämen. Weitere 72 Prozent äußerten die Sorge vor künftigen Verschärfungen der Regelungen. Vor diesem Hintergrund warnt DIW-Präsident Marcel Fratzscher (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) vor einer Politik der Kürzungen.

Wer zu wenig verdient, kann zusätzlich Bürgergeld bekommen.

Einsparungen beim Bürgergeld schadeten nicht nur den Betroffenen, sondern auch der Wirtschaft, betonte er – selbst bei gering Qualifizierten herrsche bereits ein spürbarer Arbeitskräftemangel. Eine bessere Lösung seien gezielte Fördermaßnahmen statt weiterer Einschränkungen.

Bürgergeld: Viele Betroffene sind Kinder, Aufstocker oder gesundheitlich eingeschränkt

Von den rund 5,5 Millionen Menschen, die derzeit Bürgergeld beziehen, sind ein Drittel Kinder und Jugendliche – also Personen, die gar nicht erwerbsfähig sind. Hinzu kommen etwa 800.000 sogenannte Aufstocker, deren Löhne zum Leben nicht ausreichen. Die Zahl derjenigen, gegen die nach wiederholten Pflichtverletzungen Sanktionen verhängt werden, liegt bei lediglich 16.000 – ein verschwindend geringer Anteil im Gesamtbild.

Von den rund 1,7 Millionen erwerbsfähigen Bürgergeld-Empfängern verfügen viele über keine ausreichende Qualifikation, zudem leiden zahlreiche Betroffene an gesundheitlichen Einschränkungen. Diese Faktoren erschweren den Zugang zum regulären Arbeitsmarkt erheblich.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Bihlmayer

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