Arbeit und Grundsicherung

Mehr als 800.000 Bürgergeld-„Aufstocker“ kosten Staat sieben Milliarden Euro

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Menschen mit geringem Einkommen können zusätzlich Bürgergeld erhalten. Die Zahl der Empfänger, die darauf zurückgreifen, steigt. Dem Staat entstehen Milliardenkosten.

Vielen Menschen in Deutschland reicht das Einkommen zu einem Leben in Würde nicht. Rund 14 Prozent zählen mit ihrem Nettoverdienst zur Unterschicht. Besonders Senioren, Niedriglöhner und Eltern mit vielen Kindern müssen nicht selten finanzielle Abstriche machen. Gesellschaftliche Teilhabe ist für diese Personengruppen oftmals ohne staatliche finanzielle Hilfe unmöglich.

Nach Regierungsangaben mussten im vergangenen Jahr rund 826.000 Erwerbstätige zusätzlich Bürgergeld beziehen, weil ihr Einkommen nicht zum Leben reichte. Die Kosten lagen bei rund sieben Milliarden Euro, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Cem Ince hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Demnach ist die Zahl der sogenannten Aufstocker erstmals seit 2015 wieder gestiegen. 

Bürgergeld: Zahl der Aufstocker steigt deutlich – hilft Anhebung von Mindestlohn?

Damals wurde in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn eingeführt, zunächst mit 8,50 Euro die Stunde. Danach sank die Zahl der Aufstocker von gut 1,2 Millionen kontinuierlich auf rund 796.000 Menschen im Jahr 2023. Für 2024 weist die Statistik nun erstmals wieder nach oben. Echo24.de erklärt, wie viel Geld Erwerbstätige trotz Bürgergeldbezug behalten dürfen.

Der Mindestlohn liegt inzwischen bei 12,82 Euro. Derzeit berät die Mindestlohnkommission über mögliche Erhöhungen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine Anhebung auf 15 Euro im Jahr 2026 als erreichbar und wünschbar bezeichnet. Die Arbeitgeber halten das für viel zu viel.

Hunderttausende Bürgergeld-Aufstocker „trotz Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen“

Der Linken-Abgeordnete Ince sieht die Zahlen zu Aufstockern als Argument für eine deutliche Erhöhung. „Es kann nicht sein, dass Hunderttausende trotz Arbeit auf staatliche Hilfe angewiesen sind“, sagte er der dpa. „Wir unterstützen damit niedrige Löhne und halten die Ausbeutung der Arbeitskraft aufrecht, anstatt in Pflege- und Kitaplätze zu investieren, die vielen Menschen den Weg aus der Teilzeitfalle ermöglichen würden“.

Wer zu wenig verdient, kann zusätzlich Bürgergeld bekommen.

Die staatlichen Ausgaben für das ergänzende Bürgergeld wuchsen nach Angaben des Sozialministeriums von 6,19 Milliarden Euro 2023 auf 6,99 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Sogenannte Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem Aufstocker – also etwa Familien oder Paare – wurden 2024 mit insgesamt 11,61 Milliarden Euro vom Staat unterstützt, wie aus den Daten weiter hervorgeht.

Aufstocker im Bürgergeld sind sehr oft Minijobber

Aufstocker sind sehr oft Minijobber, wie die Bertelsmann Stiftung vor einigen Jahren in einer Studie schrieb. Diese könnten sich womöglich nach einem Jobwechsel umsehen: echo24.de berichtet, für welche Minijobs es 2025 am meisten Geld gibt.

Knapp die Hälfte der erwerbstätigen Personen, die zusätzlich Bürgergeld bekommen, seien geringfügig beschäftigt. Rund zwei Drittel der Aufstocker haben einen weit unterdurchschnittlichen Lohn.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Bihlmayer

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