VonCeline Kühnschließen
Die Welt des Online-Datings birgt mehr als nur das Risiko, plötzlich ignoriert zu werden. Auch das sogenannte „Curving“ kann einem passieren. Die Betroffenen leiden oft lange darunter.
Kassel – Viele Menschen suchen heutzutage in der digitalen Welt ihr Liebesglück. Doch die Nutzung von Online-Dating-Plattformen birgt auch die Gefahr großer Enttäuschungen, und das nicht nur aufgrund typischer Fehler beim Online-Dating.
Ghosting, das plötzliche und unerklärliche Verschwinden eines Kommunikationspartners, ist eine weit verbreitete Unart des Gegenübers beim Online-Dating. Eine Studie der Dating-Plattform Parship aus dem letzten Jahr zeigt, dass bereits ein Drittel der 18- bis 29-Jährigen diese Erfahrung machen musste. Doch nun gibt es ein neues Phänomen, das die Betroffenen noch stärker belastet.
Betroffene leiden oftmals lange unter Auswirkungen von „Curving“
Das Phänomen des „Curving“ hinterlässt oft tiefe Narben bei den Betroffenen. Die Absicht hinter „Curving“ ähnelt dem Ghosting: Laut dem digitalen Magazin für psychische Gesundheit, Gedankenwelt, soll durch dieses Verhalten dem Gegenüber signalisiert werden, dass man keinen Kontakt mehr wünscht, ohne es direkt aussprechen zu müssen.
„Curving“ ist bereits weit verbreitet. Laut der Parship-Studie haben 15 Prozent der 1000 befragten Singles es bereits selbst erlebt. Besonders betroffen ist die Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren, ähnlich wie beim Ghosting.
Das steckt hinter Ghosting beim Online-Dating
Der Begriff Ghosting beschreibt das Phänomen, dass Menschen, mit denen man glaubte eine gute Verbindung zu haben, sich plötzlich augenscheinlich in Luft auflösen. Die Person lässt ihr Gegenüber links liegen und geht weder auf Nachrichten noch auf Anrufe ein. Betroffene haben das Gefühl, als hätten sie mit einem Geist kommuniziert. So beschreibt es die Journalistin Tina Solimann in einem Interview mit dem Fachblatt Psychologie heute.
Das „Curving“ bezeichnet das subtile Ignorieren oder Zurückweisen einer anderen Person, oft ohne dass diese es bemerkt. Dieser Umstand macht die Situation für die Betroffenen noch unangenehmer, so das Magazin Gedankenwelt. Die Kommunikation verläuft dabei nicht direkt und geradlinig, sondern ausweichend und windend, daher der Name „Curving“. Laut Gedankenwelt ist dies für die Betroffenen besonders belastend.
„Curver“ ignorieren gezielt die Nachrichten der Betroffenen
In der Praxis zeigt sich „Curving“ oft durch das gezielte Ignorieren von Nachrichten. Der Kommunikationspartner liest die Nachrichten, antwortet aber nicht oder erst nach Tagen oder Wochen. Und wenn eine Antwort kommt, signalisiert sie oft Desinteresse, so das Mental-Health-Magazin Gedankenwelt.
Die Parship-Studie aus dem Jahr 2023 hat „Curving“ besonders im Hinblick auf das häufigste Verhalten untersucht: das Vermeiden eines Treffens. Das Phänomen wird so definiert, dass der Gesprächspartner einem Treffen im realen Leben ohne ersichtliche Begründung ausweicht. Laut dem Nachrichtenmagazin Focus kommt es also nicht zu einem einmaligen Kontaktabbruch, wie beim Ghosting, sondern zu sich ständig wiederholenden Enttäuschungen.
Betroffene geraten durch wiederholtes „Curving“-Muster in eine Spirale
Durch gelegentliches Zeigen von Interesse wird die betroffene Person immer wieder ermutigt, die Konversation fortzusetzen und gerät so tiefer in die Spirale. Laut dem Magazin Gedankenwelt rechtfertigen die Täter ihr Verhalten damit, dass sie die andere Person nicht verletzen wollen. Doch „Curving“ kann nicht nur in romantischen Beziehungen auftreten, auch in Freundschaften ist das Phänomen nicht selten, berichtet das Lifestyle-Magazin Brigitte.
Erik Hegmann, Paartherapeut, plädiert in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland für offene Kommunikation beim Dating. Jeder sollte offen sagen, wenn es nicht passt. Dabei sollte man immer im Hinterkopf behalten, wie man selbst behandelt werden möchte.
„Curver“ zeigen immer wieder ein gewisses Verhaltensmuster
Es gibt Verhaltensmuster, an denen Betroffene „Curving“ erkennen können. Brigitte definiert die Merkmale wie folgt:
- Die Person kommt nur selten auf einen zu, man muss ständig selbst den ersten Schritt machen.
- Auf eine Antwort der Person muss man ungewöhnlich lang warten, manchmal sogar wochenlang.
- Die Person weigert sich ein Treffen zu vereinbaren. Sie meidet das Thema oder ignoriert es ganz.
- Überzeugend redet sich die Person aus der Situation, so dass man schnell verzeiht.
Besonders sollte man darauf achten, ob die Person ausweicht, wenn es um ein Treffen geht. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, rät das Magazin Focus dazu, den Kontakt abzubrechen, um weitere Enttäuschungen zu vermeiden. Menschen, die „Curving“ erleben, suchen laut Brigitte oft den Fehler bei sich selbst und nehmen dadurch schweren Schaden. Auch das ständige Hoffen und Enttäuschtwerden belastet die Betroffenen stark und lässt sie schließlich „Dating-müde“ werden.
Um sich vor Betrügern auf Dating-Plattformen zu schützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Im Zweifelsfall kann die Polizei weiterhelfen.
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