VonVivian Wergschließen
Die Rückerhöhung der Mehrwertsteuer verdirbt vielen Deutschen den Appetit auf einen Restaurantbesuch. Die Gäste konsumieren weniger oder essen lieber zu Hause.
München – Anhaltende Inflation, hohe Kosten für Energie, Personal und Lebensmittel, haben die Preise für Speisen und Getränke in vielen Restaurants deutlich ansteigen lassen.
Mit der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer im Gastgewerbe überlegen sich viele das Auswärtsessen derzeit zweimal. Zu Beginn der Corona-Krise war die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent gesenkt worden. Jetzt zahlen Gäste wieder deutlich mehr. Wie sich das auswirkt, zeigt eine Auswertung des Statistischen Bundesamt. Die Preise in Restaurants haben nach der Rückkehr zum regulären Satz von 19 Prozent spürbar angezogen. Das bleibt für viele Gastronomen nicht ohne Folgen.
Restaurant-Besitzer besorgt um ihre Umsätze: Gäste konsumieren zurückhaltender
Viele Gastronomen beklagen einen deutlichen Besucherrückgang. Das bestätigt auch eine Umfrage der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung. Die vom Bayerischen Zentrum für Tourismus beauftragte Umfrage zeigte, dass die Mehrheit der Deutschen wegen der erhöhten Preise seltener in Restaurants essen geht.
Angesichts steigender Preise wollen viele Menschen Sparen, halten ihr Geld zusammen. Für viele Menschen ist ein Restaurant-Besuch ein Luxus geworden oder finanziell schlichtweg nicht stemmbar. Das Bestellverhalten der Gäste sei nach Aussagen einer Kellnerin verhaltener geworden. „Die Leute bestellen weniger. Die Umsätze gehen auch deshalb zurück, weil Gäste keine Vorspeisen oder Desserts mehr bestellen“, so die Servicekraft gegenüber dem Nachrichtenmagazin Focus Online.
Restaurant-Besucher zeigen Veränderung ihres Ausgehverhaltens
Nach Aussagen des Gastronomen Steven Schmager aus Bad-Tölz habe sich aber auch das Ausgehverhalten der Gäste verändert. Er nennt dem Nachrichtenmagazin folgende Beobachtungen:
- Gäste verweilen nicht mehr länger im Restaurant, sondern gehen direkt nach dem Essen.
- Beim Essen wird häufig auf das zweite Getränk verzichtet.
- Lange Öffnungszeiten lohnen sich nicht mehr. Dies sei allerdings weniger der wirtschaftlichen Lage verschuldet, sondern mehr der Nachwirkungen von Corona. Viele Gäste bestellen ihre Gerichte mittlerweile lieber zum Mitnehmen.
Insbesondere bei Eltern mit Kindern sei das Bestellverhalten auffällig. „Da gibt es Familien – zwei Erwachsene, zwei Kinder – die bestellen zwei Portionen. Die Kinder bekommen jetzt nichts Eigenes“, so die Beobachtung von Tung Truong, Geschäftsführer eines Cafés im beliebten Urlaubsort Scharbeutz an der Ostsee.
Restaurants kämpfen um ihre Existenz
Weniger Kundschaft und sinkende Umsätze stürzten viele Restaurantbesitzer bereits in den Corona-Jahren in eine Krise. Seit 2020 haben in der Gastronomie bundesweit rund 48.000 Betriebe geschlossen. Bereits 2023 hat jede zehnte Gaststätte in Deutschland laut der Studie von Creditreform aufgegeben.
Da Gäste bei einem Restaurant-Besuch jetzt tiefer in die Tasche greifen müssen, überlegen viele, ob Trinkgeld überhaupt noch nötig ist. Gästen in einem schwedischen Restaurant war die Rechnung offenbar zu hoch – sie prellten die Zeche und ließen eine 7300 Euro-Rechnung zurück. (vw)
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