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Bin ich reich? Neuer Einkommensrechner zeigt Deutschlands Oberschicht

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In Deutschland gilt ein bestimmtes Einkommen als Eintritt in die Oberschicht. Die genaue Grenze variiert dabei je nach Familienstand und Anzahl der Kinder.

Ob jemand in Deutschland als finanziell unabhängig oder gar „reich“ gilt, hängt stark davon ab, wie viel Netto-Einkommen monatlich auf sein Konto fließt. Aber auch, ob etwa Miete gezahlt werden muss, Kapitaleinkünfte bezogen werden oder jemand in einem Eigenheim wohnt, entscheidet darüber, wie „flüssig“ eine Person ist und was man sich von dem Geld leisten kann.

Bin ich reich und gehöre zur Oberschicht? Ein neuer Einkommensrechner vom Institut der deutschen Wirtschaft hilft bei der Antwort.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln (Nordrhein-Westfalen) hat die unterschiedlichen Faktoren in seinen Einkommensrechner mit einfließen lassen und so die Oberschicht der Gesellschaft in Deutschland ermittelt.

Ab diesem Einkommen zählen Singles und Paare zur Oberschicht

Paare, bei denen keine Kinder im Haushalt leben und die mehr als 8.670 Euro netto monatlich zum Ausgeben haben, zählen in Deutschland zu den reichsten vier Prozent. Sind zwei Kindern unter 14 Jahren mit im Spiel, ist ein Haushaltseinkommen von mehr als 12.140 Euro notwendig, um zu den „relativ Einkommensreichen“ zu gehören.

Singles müssen mindestens 5.780 Euro aufbringen, um sich zur Oberschicht dazu zählen zu dürfen. Um Teil der Mittelschicht zu sein, braucht es ein Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 1850 Euro.

HaushaltstypUnterschichtMittelschicht Oberschicht
SinglesBis zu 1.390 Euro Bis zu 3.470 EuroAb 5.780 Euro
Paare ohne KinderBis zu 2.080 EuroBis zu 5.200 EuroAb 8.670 Euro
Paare mit KindernBis zu 2.910 EuroBis zu 7.280 EuroAb 12.140 Euro

Quelle: IW Köln

Die Daten wurden durch eine Umfrage der Europäischen Union im Jahr 2023 erhoben, dürften sich in den vergangenen zwei Jahren aber kaum signifikant verändert haben. Die Forscher haben für ihre Studie das Netto-Haushaltseinkommen betrachtet, was nach Abzug von Steuern, Abgaben und sonstigen Transferleistungen (Nettoeinkommen) übrig bleibt.

Mit 250 Prozent des Medianeinkommens gehören Deutsche zur Oberschicht – wie viele Menschen sind das?

Zwar gibt es keine einheitliche Reichtumsdefinition, statistisch gesehen gilt jemand generell als relativ reich an Einkommen, wenn er wer mehr als 250 Prozent des Medianeinkommens im Monat besitzt. Das trifft laut dem IW-Einkommensrechner auf die oberen vier Prozent der Bevölkerung zu. Unter Medieneinkommen wird genau das mittlere deutsche Einkommen im Haushalt verstanden – die eine deutsche Hälfte liegt darüber, die andere darunter, wie der Focus erklärt.

Aber egal, wie Forscher Reichtum definieren – die wenigsten sehen sich selbst der Oberschicht zugehörig. Nicht mal der wahrscheinlich neue Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der sich einst in einem Interview mit der Bild zur gehobenen Mittelschicht zählte – „zur sehr wohlhabenden Oberschicht in Deutschland hingegen mit Sicherheit nicht“.

Mit welchen Daten arbeitet der IW-Einkommensrechner?

Datengrundlage ist eine europäische Erhebung über Einkommen und Lebens­bedingungen aus dem Jahr 2023. Der Rechner bezieht Haushaltseinkommen nach Steuern, Abgaben und Transferleistungen (Nettoeinkommen) mit ein, die sich auf das Vorjahr 2022 beziehen. Neben den Arbeitseinkommen berücksichtigt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Renten, Kapital- und Vermögenseinkommen sowie die geschätzten Mietvorteile aus selbst-genutztem Wohneigentum unter Abzug von Instandhaltungsausgaben, Hypotheken und Steuern.

Andererseits schätzen viele Menschen den Anteil einkommensreicher Menschen an der Bevölkerung in Deutschland mit 25 Prozent als deutlich zu hoch ein. „Reich sind in der eigenen Wahrnehmung zumeist die anderen. Dass man als Paar ohne Kinder mit einem gemeinsamen Einkommen von über 8.670 Euro zu den einkommensreichsten vier Prozent der Bevölkerung zählt, überrascht viele“, erklärt IW-Forscherin Judith Niehues.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/Photographer: Askolds Berowskis

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