VonAdrian Kilbschließen
Neben der Haushaltszusammensetzung ist der Erwerbsstatus dafür entscheidend, wer zu Mittelschicht zählt. Welches Einkommen Singles und Paare dafür erzielen müssen.
Viele Menschen in Deutschland zählen sich zur Mittelschicht dazu, obwohl sie finanziell eher der Unterschicht angehören. Andere wiederum unterschätzen ihren Einkommensstatus. Wer einen neuen Vergleichsrechner des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) heranzieht, könnte deshalb überrascht sein, welches Ergebnis dieser zutage fördert.
In einer sozialwissenschaftlichen Umfrage (ALLBUS) sortierten sich im Jahr 2023 mit 55,5 Prozent über die Hälfte der Befragten in der Mittelschicht ein. Damit waren einige Bürger etwas zu optimistisch, da sich nach der IW-Rechnung nur knapp 48 Prozent zur Einkommensmittelschicht dazu zählten. Doch welches Haushaltsnettoeinkommen müssen Menschen dafür aufbringen?
Neuer IW-Einkommensrechner zeigt: Mit diesem Gehalt zählt man zur Mittelschicht
Das jetzt veröffentlichte IW-Tool gibt mit einer interaktiven Grafik Aufschluss darüber, wo man selbst innerhalb der gesamten Bevölkerung oder im Vergleich mit einer speziellen Gruppe der Gesellschaft steht. Die Daten beruhen auf einer Umfrage der Europäischen Union. Sie wurde bereits im Jahr 2023 erhoben, dürften sich in den vergangenen zwei Jahren aber kaum signifikant verändert haben.
| Haushaltstyp | Unterschicht | Mittelschicht | Oberschicht |
| Singles | Bis zu 1.390 Euro | Bis zu 3.470 Euro | Ab 5.780 Euro |
| Paare ohne Kinder | Bis zu 2.080 Euro | Bis zu 5.200 Euro | Ab 8.670 Euro |
| Paare mit Kindern | Bis zu 2.910 Euro | Bis zu 7.280 Euro | Ab 12.140 Euro |
Quelle: IW Köln
Entscheidend, um eine bestimmte Schicht eingeordnet werden zu können, ist neben dem Erwerbsstatus die sogenannte Bedarfsgewichtung, die sich nach der Zahl der Familienmitglieder, die im eigenen Haushalt leben, richtet. Berücksichtigt wird hierbei, dass Kinder weniger Geld benötigen als Erwachsene.
Single und Paare mit Kindern: Mit welchem Haushaltseinkommen sie zur Mittelschicht gehören
Laut der Erhebung liegt das mittlere deutsche Einkommen pro Haushalt derzeit bei 2312 Euro. Die eine Hälfte der deutschen Haushalte verdient monatlich mehr als diese Summe, die andere Hälfte weniger, erklärt der Focus.
Singles mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 1850 Euro und höchstens 3.470 Euro dürfen sich laut neuer IW-Studie bereits zur Mittelschicht dazu zählen. Berücksichtigt sind hier auch Nettomietvorteile, wenn die Wohnung oder da eigene Haus bewohnt werden. Ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren muss dafür hingegen schon eine Summe von 3880 Euro im Monat erzielen. Nach oben hin liegt die Einkommengrenze bei 7280 Euro, bevor der Sprung in die Oberschicht erfolgt.
Kinder als Armutstreiber? Wie sie sich auf die Schicht-Zugehörigkeit auswirken
Nach IW-Definition müssen Beschäftigte auf ein Haushaltsnettoeinkommen zwischen 80 Prozent und 150 Prozent des mittleren Einkommens der Gesellschaft (Median) kommen, um Teil der Mittelschicht in der Bundesrepublik zu sein. Gute Voraussetzungen, um mindestens bei der dieser Einkommengruppe dabei zu sein, haben offensichtlich kinderlose erwerbstätige Paare, die zusammenleben. Ein Drittel dieser Gruppe darf sich zur oberen Mittelschicht dazu zählen, knapp 12 Prozent sogar zu den relativ Einkommensreichen.
Mit welchen Daten arbeitet der IW-Einkommensrechner?
Datengrundlage ist eine europäische Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen aus dem Jahr 2023. Der Rechner bezieht Haushaltseinkommen nach Steuern, Abgaben und Transferleistungen (Nettoeinkommen) mit ein, die sich auf das Vorjahr 2022 beziehen. Neben den Arbeitseinkommen berücksichtigt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Renten, Kapital- und Vermögenseinkommen sowie die geschätzten Mietvorteile aus selbst-genutztem Wohneigentum unter Abzug von Instandhaltungsausgaben, Hypotheken und Steuern.
Paarhaushalte mit Kindern, in denen beide Elternteile arbeiten, sind dagegen mit einem Anteil von knapp 58 Prozent in der Mittelschicht fest verankert und sogar deutlich überrepräsentiert. Arbeitet nur ein Elternteil, steigt das durchschnittliche Armutsrisiko von unter vier auf rund 15 Prozent.
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