Kein Ärger mit dem Chef

E-Autos zu Hause aufladen: So gelingt die Abrechnung ohne Ärger

Den Firmenwagen zu Hause aufladen und den Strom verrechnen? Scheint einfach, ist aber oft eine Herausforderung! Es gibt allerdings Lösungen für diese Schwierigkeit.

Einer der großen Vorzüge des Elektroautos ist die Möglichkeit, zuhause Energie zu tanken. Für Fahrer von Dienstwagen kann das aber zu Problemen führen: Wie lässt sich der privat geladene Strom mit dem Arbeitgeber abrechnen? Das ist nicht immer so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Tankkosten abrechnen – beim Verbrenner ein Leichtes

Wer einen Dienstwagen mit Verbrennungsmotor fährt, erhält häufig auch eine Tankkarte von Dienstleistern wie DKV, UTA oder einer der großen Mineralölkonzerne. Ist Spritnachschub nötig, wird sie an der Tankstellenkasse vorgelegt – und einmal im Monat erhält der Arbeitgeber eine Sammelrechnung.

Mit dem Booster Air 3 will Juice die Strom-Abrechnung von E-Dienstwagen erleichtern.

Häufig spielt der Tankkartenanbieter die Nutzerdaten auch gleich in die Fuhrparksoftware ein. Der Arbeitgeber spart Zeit und Mühe, in vielen Fällen erhält er zudem Rabatte. Dem Angestellten ist es auch recht, schließlich muss er keine Spritkosten vorstrecken.

Stromzapfen in der eigenen Garage: Lösungen für E-Dienstwagenfahrer

Auch beim elektrischen Dienstwagen, die von der Bundesregierung gefördert werden, kann der Arbeitgeber eine Ladekarte ausgeben, die an öffentlichen Ladern und an den Wallboxen auf dem Firmenparkplatz funktioniert. Zwar haben mittlerweile auch große Tankkarten-Anbieter wie Aral und Shell Ladesäulen in ihr Abrechnungssystem aufgenommen. Doch was ist beim Stromzapfen in der eigenen Garage? Für viele E-Dienstwagenfahrer ist das die attraktivste Option: „Das Laden zuhause bleibt unserer Meinung nach auch in Zukunft zentral, weil es immer der günstigste und praktischste Weg ist, Strom ins Auto zu bekommen“, sagt Christoph Erni, CEO des schweizerischen Ladegerät-Spezialisten Juice Technology. Er will einen besonders einfacheren Weg gefunden haben, wie Arbeitgeber und Angestellte ihre Stromkosten verrechnen.

Aktuell ist das Abrechnen des Haushaltsstroms beim Arbeitgeber zwar möglich, aber tendenziell kompliziert, weil die örtlichen Gegebenheiten bei allen Angestellten unterschiedlich sind. Der eine hat Wallbox A, der nächste Modell B und der dritte nur eine CEE-Steckdose. Umso größer die Dienstwagenflotte ist, umso unübersichtlicher werden Abrechnung und Verbuchung. Natürlich könnten Unternehmen ihren Angestellten auch eine einheitliche Wallbox in Garage oder Carport installieren – doch das kann für Folgeprobleme bei Firmenaustritt oder Umzug sorgen. Hinzu kommt: Ist noch ein weiteres E-Auto im Haushalt, ist eine strikte Trennung der Ladevorgänge nötig.

Top 10: Das sind die beliebtesten Dienstwagen der Deutschen

Ein Polestar 2
Platz 10 – Polestar 2 (1,33 %): Nur ein reines Elektroauto hat es in die Top 10 der beliebtesten Dienstwagen der Deutschen des Jahres 2022 geschafft – von einer relativ jungen Marke: der Polestar 2. Neben der Tatsache, dass es sich um einen Stromer handelt, ist auch die Karosserieform im Dienstwagen-Ranking außergewöhnlich: Es handelt sich weder um ein SUV und noch einen Kombi. © Polestar
Ein VW Golf Variant
Platz 9 – VW Golf Variant (1,35 %): Während viele Autokäufer inzwischen lieber zum SUV greifen, stehen Kombis bei Dienstwagenfahrern noch immer hoch im Kurs. Den neunten Platz im Ranking belegt daher die „praktische“ Version des VW Golf mit dem Namenszusatz „Variant“. © VW
Ein Skoda Kodiaq
Platz 8 – Skoda Kodiaq (1,52 %): Lange Zeit waren Dienstwagen eine nahezu reine Kombi-Domäne – doch auch hier haben sich die Zeiten geändert. Den achten Rang hat sich der Skoda Kodiaq gesichert, der seit dem Jahr 2017 auf dem Markt ist. © Skoda/Hans-Dieter Seufert
Ein Seat Leon Sports Tourer
Platz 7 – Seat Leon Sports Tourer (1,53 %): Nach dem Golf Variant und dem Skoda Kodiaq ist der Seat Leon Sports Tourer auf Platz 7 im Dienstwagen-Ranking bereits das dritte Fahrzeug aus dem VW-Konzern. Der spanische Kompaktwagen kam 1999 auf den Markt – inzwischen wird er in der vierten Generation produziert. © Seat
Ein Opel Insignia Sports Tourer
Platz 6 – Opel Insignia Sports Tourer (1,55 %): Der einzige Opel in der Top-10-Liste der Dienstwagen rangiert auf dem sechsten Platz. Es dürfte übrigens das letzte Mal gewesen sein, dass der Name Insignia in dem Ranking auftaucht: Die Baureihe der Rüsselsheimer wird eingestellt. Angeblich arbeitet man aber schon an einem Nachfolger im selben Segment. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Skoda Octavia
Platz 5 – Skoda Octavia Combi (2,04 %): Ein weiteres Fahrzeug aus dem VW-Konzern sichert sich den fünften Rang im Dienstwagen-Ranking. Der Octavia kam 1996 auf den Markt, inzwischen wird die vierte Generation des tschechischen Mittelklasse-Wagens gebaut. © Skoda
Ein Skoda Superb Combi
Platz 4 – Skoda Superb Combi (2,07 %): Der Superb rangiert nicht nur in der Positionierung eine Klasse über dem Octavia – sondern auch einen Platz im Dienstwagen-Ranking. Seit 2001 wird der Superb bereits produziert, inzwischen ist die dritte Generation auf dem Markt. © Skoda
Ein Ford Kuga
Platz 3 – Ford Kuga (2,91 %): Zwei SUV haben es unter die zehn beliebtesten Dienstwagen der Deutschen im Jahr 2022 geschafft: eines davon immerhin auf Rang drei – der Ford Kuga. Inzwischen ist bereits die dritte Generation des im Jahr 2008 in Produktion gegangenen Kompakt-SUV auf dem Markt © Ford
Ein Ford Focus Turnier
Platz 2 – Ford Focus Turnier (3,38 %): Auch auf dem zweiten Platz der Dienstwagen-Rangliste hält weiter ein Vertreter der Kombi-Gattung die Stellung. Das große Plus beim Turnier ist der geräumige Fond. Smartes Extra: Beim Öffnen der Seitentüren schmiegt sich ein beweglicher Gummischutz automatisch um den am meisten exponierten Teil der Türblechkante, was Lackschäden in engen Parklücken verhindern soll. Bald müssen sich Dienstwagenfahrer aber anderweitig umschauen: Die Produktion des Ford Focus endet im Jahr 2025. © Ford
Ein VW Passat Variant
Platz 1 – VW Passat Variant (5,47 %): Auch wenn viele Familien inzwischen lieber zum SUV greifen – bei den Dienstwagen ist mit dem VW Passat Variant immer noch ein Kombi König. Fragt sich nur: wie lange noch? © Volkswagen

Mobiles Ladegerät sorgt dank Stromzähler für Transparenz

Juice will nun das Chaos auf deutschen Dienstwagen-Stellplätzen lichten. Wichtigstes Produkt der Schweizer ist eine mobile Wallbox mit Internetanschluss, der sogenannte Juice Booster Air3. Mit knapp 1.000 Euro ist das transportable Ladegerät zwar vergleichsweise teuer, dafür robust, variabel und sicher. Einige Autohersteller bieten es mittlerweile als offizielles Zubehör an. Vor allem für Kunden, die in der vielleicht angemieteten Garage keine feste Wallbox installieren wollen oder die oft auf Reisen sind und flexible Anschlüsse brauchen. Denn mobile Ladegeräte bieten in der Regel Adapter für unterschiedliche Stromquellen – von der Haushalts-Steckdose über die Camping- bis zur Drehstrom-Steckdose, wie man sie aus Gewerbebetrieben oder von Baustellen kennt.

Erni hat nun einen weiteren Adapter mit zwei Typ-2-Anschlüssen entwickelt, der den Booster vom Ladegerät zum Stromzähler mit Internetanschluss macht. So lässt sich das Gerät zwischen Auto und private Wallbox schalten, um die getankte Strommenge zu registrieren, zu speichern und an eine Cloud zu senden. Im Gehäuse finden sich zu diesem Zweck ein sogenannter MID-Zähler, der mit hinreichender Genauigkeit den Stromfluss erkennt und ein WLAN-Modul, das sich ins private Netz einklinkt. Sollte das nicht bis in die Garage reichen, kann auch ein Ad-hoc-Netz des Mobiltelefons genutzt werden. Das Problem unterschiedlicher Wallboxen mit unterschiedlichen Zählern und Dateisystemen lässt sich so umgehen. Und auch wenn nur eine Haushaltssteckdose an der Wand ist, funktioniert das Modell. Dann eben als Ladegerät mit integriertem Zähler.

Nicht nur Juice bietet Ladelösung mit Stromzähler

Die Cloud, in der die Daten landen, betreibt Juice selbst. Die Schweizer bieten Unternehmen das Sammeln und Aufbereiten der Stromverbräuche ihrer Angestellten an, die Kosten pro Fahrzeug und Monat betragen laut Erni zwischen 5 und 10 Euro. Er glaubt, dass einfache Abrechnungs-Modalitäten den E-Dienstwagen attraktiver machen. Und somit auch die E-Mobilität insgesamt: „Der Flottenmarkt ist gerade in Deutschland der wichtigste Hebel für den Hochlauf der E-Mobilität. Zwei von drei Neuwagen werden gewerblich zugelassen.“ Aus diesem Grund ist Juice auch lange nicht der einzige Anbieter von Ladelösungen zuhause. Wallbox-Hersteller wie Keba beispielsweise bieten spezielle Dienstwagen-Editionen ihre Wandladegeräte an, Wettbewerber Amperfied rüstet seine Connect.Business-Serie standardmäßig mit einem MID-Zähler aus und Energieversorger wie EnBW werben mit Komplettpaketen für Flottenmanager.

Es gibt auch Wallboxen, die einen Stromzähler integriert haben.

Erni hofft vor diesem Hintergrund auf großen Zuspruch für seinen frisch gestarteten Dienst. Auch, weil der Juice Booster in seinen Augen noch viel mehr Potenzial hat. „Wir haben den Booster von Anfang an so konzipiert, dass er Raum für künftige intelligente Funktionen bietet. Ab dem kommenden Jahr wollen wir beispielsweise auch bidirektionales Laden ermöglichen. Je nachdem, was das Auto hergibt, kann es dann zum Laden eines E-Bikes oder für die Stromversorgung des Haushalts genutzt werden.“

Pauschalrechnung als Alternative zur smarten Wallbox

Wer die smarten Lösungen des Fahrstromproblems zu aufwendig findet, beispielsweise weil der Fuhrpark sehr klein ist und bleibt, kann auch einfachere Wege gehen. Am unkompliziertesten dürfte die Pauschalregelung sein: Wie viel der Arbeitgeber zahlt, richtet sich dabei nach der Fahrzeugart und hängt auch davon ab, ob zusätzlich auf dem Firmenparkplatz geladen werden kann. Im letzteren Fall erhalten Arbeitnehmer mit E-Auto 30 Euro pro Monat, Nutzer eines Plug-in-Hybriden 15 Euro. Das reicht grob gerechnet zirka für rund 100 beziehungsweise 50 Kilowattstunden, also für rund 500 beziehungsweise 250 Kilometer rein elektrische Fahrt.

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Gibt es auf der Arbeit keine Lademöglichkeit, steigt die Pauschale auf 70 beziehungsweise 35 Euro. Dann wären für E-Autofahrer rund 1.100 Kilometer im Monat und 13.200 Kilometer im Jahr drin. Je nach Fahrprofil und Fahrzeug auch noch mehr. Trägt der Arbeitnehmer die Kosten lieber selbst, kann alternativ der geldwerte Vorteil aus der Privatnutzung des Fahrzeugs vermindert werden. Genaues Nachrechnen lohnt sich. (Holger Holzer/SP-X)

Rubriklistenbild: © Juice

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