Hacker hilft auf Twitter

Tesla kappt Akku-Kapazität nachträglich und will Geld – nach neun Jahren

  • schließen

Ein neun Jahre altes Tesla Model S kommt mit deutlich weniger Reichweite aus der Werkstatt zurück – darum forderte der Hersteller plötzlich Geld vom Besitzer.

Kaufen, bezahlen, behalten: Dieses Prinzip, das vom Bäcker bis zum Möbelhaus seit Ewigkeiten funktioniert, hat sich auch bei Autos bewährt. Zwar gibt es dort manche Sonderformen wie Leasing und mittlerweile auch Abonnements, doch viele Kunden schätzen das Prinzip „Ware gegen Geld“ nach wie vor.

A propos Abo: Genau dieses Geschäftsmodell, dem Kunden alternativ zum einmaligen Preis eine monatliche Gebühr abzuverlangen, setzt sich auch bei eigentlich klassischen Autos für zusätzliche Extras durch. Tesla gilt nicht nur bei Elektroautos, sondern auch bei diesem Prinzip als Pionier. Im Falle des Navigationssystems fordern die Texaner sogar nach Jahren plötzlich den Abschluss eines Abos. Technische Basis für diesen späten Eingriff in die Ware bietet auch die Software, die dem Hersteller nicht nur in der Werkstatt, sondern auch „over the air“ (OTA), also aus der Distanz, den Zugriff auf das vernetzte Auto ermöglicht.

Ein Tesla Model S kam mit verringerter Reichweite aus der Werkstatt. (Symbolbild)

Tesla kappt Akku-Kapazität nachträglich und will Geld – nach neun Jahren

Eine besonders skurrile nachträgliche technische Änderung machte nun der Tesla-Hacker Jason Hughes publik. Er genießt in der Szene den Ruf, nicht abonnierte Extras freischalten zu können.

Noch mehr spannende Auto-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

In dem geschilderten US-Fall konnte er freilich auch nicht weiterhelfen. Der Käufer eines Tesla Model S hatte schon vor Jahren in der Werkstatt den defekten Akku mit 60 Kilowattstunden auf Garantie tauschen lassen. Da nur noch ein größerer Stromspeicher mit 90 kWh verfügbar gewesen war, baute Tesla eben diesen ein. Der Kunde genoss die kulanterweise um 130 Kilometer erhöhte Reichweite, später verkaufte er den Wagen aus dem Jahr 2013 weiter.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Tesla kappt Akku-Kapazität nachträglich im Service-Center

Der dritte Besitzer schließlich, der Jahre später guten Glaubens ein gebrauchtes Model S mit großem Akku erstanden hatte, traute dann seinen Ohren nicht: Nach einem Besuch in einem Service-Center rief ihn ein Mitarbeiter an – und informierte ihn darüber, dass die Akku-Kapazität per Software-Modifikation auf die ursprünglichen 60 kWh zurückgesetzt worden war. Um die ursprünglichen 90 kWh wieder zu aktivieren, forderte Tesla tatsächlich 4.500 US-Dollar.

So schildert der Hacker den Fall auf Twitter:

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

Immerhin wurde Tesla nach der Veröffentlichung dann wohl doch noch bewusst, wie kleinkariert die Nachforderung für ein neun Jahre altes Auto wirken musste. Und schaltete die volle Akku-Kapazität schließlich wieder frei.

Rubriklistenbild: © Tesla

Kommentare