Sogar als Siebensitzer

Kolossaler Elektro-SUV im Praxis-Check – erste Ausfahrt im Kia EV9

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Mit dem EV9 bringt Kia einen elektrischen Super-SUV, der fast alles kann. Der 7-sitzige Koloss will über 500 Kilometer Reichweite schaffen. Fahrtest.

Ein Van? Ein SUV? Ein Bus? Der brandneue EV9 von Kia hat von allem etwas. Doch ist er nur ein fader Kompromiss – oder kann uns die elektrische Großraumlimousine trotzdem überzeugen? Beim ersten Zusammentreffen fährt uns allerdings erst mal der Schreck in die Glieder: Der EV9 ist wirklich ein Koloss von einem Auto. Da kann auch die so himmlisch leicht wirkende Ocean Blue-Lackierung nicht darüber hinwegtäuschen. Kantig und mächtig steht er da, der Van-SUV-Bus der Koreaner. Und irgendwie schaut er unfahrbar aus. Kurzer Blick in die technischen Daten – so kann man sich täuschen. Mit fünf Metern Länge ist er nicht größer als ein neuer Fünfer-BMW oder der nächste VW Passat Variant. Mit 1,98 Breite ohne Spiegel rangiert er im Mittelfeld. Und auch die knapp 1,80 Meter Höhe sind in aller Regel tauglich für Tiefgaragen aller Art.

Die Autos der Promis: Zehn Modelle, die in den Garagen der Stars stehen

Papst-Lamborghini versteigert für fast 900 000 Euro Erlös
Dieser schnittige Lamborghini gehörte keinem Geringeren als Papst Franziskus. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche versteigerte den Luxuswagen mit einem Erlös von fast 900.000 Euro. © L‘Osservatore Romano/dpa
Oldtimer Messerschmitt Kabinenroller KR 200.
Ein dreirädriger Messerschmitt 200 gehörte seiner Zeit auch in die Autosammlung des „King of Rock ’n’ Roll“. Auch wenn es sich dabei nicht um sein größtes Auto handelt, der US-amerikanische Sänger Elvis Presley soll mitunter auch auf drei Rädern unterwegs gewesen sein. © McPHOTO/Imago
Fleetwood Sixty Special Cadillac
Und auch den extravaganten Fleetwood Sixty Special Cadillac verbinden wohl nicht wenige Menschen mit dem „King of Rock ’n’ Roll“ Elvis Presley. Seinen Cadillac fuhr die Ikone damals in einem hübschen Rosa lackiert durch die Gegend. © Pond5 Images/Imago
Ein Commuter Tango T600.
Nein, das ist keine optische Täuschung. Der Tang T600 von Commuter Cars ist in der Tat nur 99 Zentimeter breit. Dennoch hat es der 120.000-Dollar-Flitzer in die Sammlung der internationalen Schauspielgröße George Clooney geschafft. Nach einem Raubzug in der Ocean‘s-Reihe wäre er in diesem Gefährt wohl nicht gestoppt worden. © Commuter Cars
Ferrari 458 Italia
Wer fährt diesen schicken Ferrari 458 Italia in knalligem Rot? Die US-amerikanische Pop- und Country-Sängerin Taylor Swift. Mit nur 34 Jahren zählt die erfolgreiche Amerikanerin neben dem roten Ferrari noch einige weitere Traumautos in ihrer Garage.  © Pond5 Images/Imago
Bentley Continental GT Supersports (2017)
Der klassische Bentley Continental GT Supersports (2017) gehört zu FC Bayern München-Star Harry Kane. Der 30-jährige Fußballspieler ist gebürtiger Engländer und Kapitän der englischen Nationalmannschaft. Für den FCB spielt der Stürmer erst seit August 2023. Zuvor schnürte er für die Tottenham Hotspurs die Schuhe. © Pond5 Images/Imago
Amerikanischer Oldtimer Cadillac Eldorado
Mit einem Cadillac Eldorado fährt das US-amerikanische Model Kendall Jenner durch die Staaten. Bekannt geworden ist sie durch ihre Auftritte in der berühmten Reality-TV-Show „Keeping Up with the Kardashians“.  © Imagebroker/Imago
Fisker Karma
Der kanadische Pop-Sänger Justin Bieber fährt weitaus mehr als nur ein Auto durch die Gegend. Zu der Sammlung des 29-Jährigen gehört mitunter ein seltener Fisker Karma. © Pixsell/Imago
Fiat 500e
Diesen niedlichen Fiat 500e sieht man häufiger auf den Straßen. Als erfolgreicher US-amerikanischer Schauspieler, Regisseur, Produzent könnte man sich wahrscheinlich etwas Kostspieligeres für seine Sammlung leisten. Doch der mittlerweile 93-jährige Clint Eastwood fährt ihn trotzdem gerne durch die Gegend. © PanoramiC/Imago
Mercedes G55 AMG
Der sehr elegante Mercedes G55 AMG findet sich auch in mindestens einer amerikanischen Garage wieder. Nämlich der von Popsängerin Britney Spears. Dabei findet die erfolgreiche Amerikanerin in dem geräumigen Wagen Platz für die ganze Familie. © Pond5 Images/Imago

Raumgefühl wie im Reisebus – der Kia EV9 bietet reichlich Platz

Auffällig ist der lange Radstand von 3,10 Metern – nicht nur auf dem Papier, sondern auch bei der Sitzprobe. Vorne hat man ein Raumgefühl wie im Reisebus, und auch in der zweiten Reihe lautet das Motto: Platz ist der wahre Luxus – und den hat der EV9 reichlich. Auf Wunsch gibt es sogar einen dritten Rang und sieben Sitze. Echte Holzklasse, aber hier sitzen auch nicht Oma und Opa, sondern die jüngsten Familientaxi-Gäste auf dem Weg zum nächsten Sport-Ereignis. Erwähnenswert hier: Das Gestühl in der zweiten Reihe gibt es drehbar: Ein Segen für Mütter oder Väter, die ohne halb am Boden zu knien ihren Kindersitz einbauen können. Ältere Menschen mit leichter Mobilitätsbehinderung dürften die Drehsitze ebenfalls schätzen. Und noch ein Grund, warum man in der zweiten Reihe so sitzt wie in der ersten: Alle Sessel sind kühl- und beheizbar.

Bietet viel Platz für Kind und Kegel, der Laderaum des Kia EV9 ist bis auf knapp 2.400 Liter erweiterbar. Unser Autor Rudolf Bögel hat sich davon überzeugt.

Unfassbar, was der Kofferraum des Kia EV9 alles fasst

Mit einem Kofferraumvolumen von bis zu fast 2.400 Liter ist der EV9 ein echtes Großmaul, zumal er seine Ladung völlig eben in Empfang nimmt. Alle Sitze flachlegen, einen Topper hinten hineinlegen – und schon hat man ein halbes Wohnmobil. An der 230-Volt-Steckdose im Heck lässt sich sogar das Handy laden oder die Espressomaschine anstecken. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Und: Der Elektro-SUV kann 2,5 Tonnen ziehen – und auch bei der Stützlast zeigt sich der Koreaner stark. 125 Kilo schultert er, macht drei Elektro-Bikes.

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Die Instrumententafel besteht aus drei Bildschirmen, das Layout ist übersichtlich, schon fast nüchtern, aber sehr bedienungsfreundlich.

Allradvariante spurtet in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 – mit einem Gewicht von 2,7 Tonnen

Dazu braucht es allerdings die (teurere) Allrad-Variante. Vorne ein Motor, auf der Hinterachse ebenfalls eine Elektro-Maschine. Das haben die Kias aus Korea beim EV6 GT zur performanten Perfektion getrieben, im EV9 liefern sie die zivile Variante ab. Na ja – als GT-Line spurtet der Van-SUV-Bus auch schon in 5,3 Sekunden von 0 auf 100. Das sind Sportwagen-Werte – mit einem 2,7-Tonner! Der sich aber glücklicherweise nicht so anfühlt. Im Gegenteil: Der EV9 windet sich auch durch enge Straßen souverän und zackig. Kein Sportwagen, okay, aber agil. Als wir knapp zwei Kilometer im Rückwärtsgang zurücklegen müssen, weil die Müllabfuhr partout nicht Platz machen will, erledigt der EV9 diese Aufgabe mit Bravour: Dank Kameras und 360-Grad-Sicht.

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Lademeister Kia EV9: 250 Kilometer Reichweite in einer Viertelstunde

Bei den Motorisierungen bietet Kia neben der AWD-Variante mit seinen 385 PS auch noch den reinen Heckantrieb (RWD) mit 204 PS an. Da erreicht das Drehmoment dann nicht mehr solch schwindelerregende Höhen von 700 Nm. Aber schon die 350 Nm fühlen sich gut an. Dafür braucht der Hecktriebler aber schon fast zehn Sekunden von 0 auf 100. Ist auch kein Problem, passt zum Reisebus-Feeling. Apropos Buzz. Im Gegensatz zum VW-ID-Produkt hat der EV9 eine recht ordentliche Reichweite. Beide Modelle sollen mindestens 500 Kilometer schaffen, der RWD sogar über 700, wenn er im Stadtbetrieb unterwegs ist. Da dürfte so mancher Taxifahrer aufhorchen. Nach unseren Testfahrten halten wir das für durchaus möglich. 20 kW Verbrauch auf 100 Kilometern mit einer 99,8 kWh großen Batterie dürfte funktionieren, wenn ordentlich Energie zurückgeholt wird. Wenn der Akku zur Neige geht – auch kein Problem: Kia kann bekanntermaßen schnell laden. In einer Viertelstunde schafft der Hecktriebler 223 Kilometer Reichweite, das Allradmodell knapp 250. Selbstredend, dass die Batterie auf optimale 20 bis 25 Grad temperiert wird.

Digitale Seitenspiegel am Kia EV9 als Option: Im Grunde überflüssig

Geärgert haben wir uns auch: Leider gibt es keine Schnelltaste, um den neuen Tempowarnungsunfug aus Brüssel (Piepsen schon ab 1 km/h Überschreitung) auszuschalten. Man muss immer über das Menü und dann ins Untermenü gehen. Ansonsten ist die neueste Version des Kia-Infotainmentsystems bedienungsfreundlich. Und vor allem übersichtlich. Hat ja auch drei nebeneinanderliegende Bildschirme: zweimal 12,3 Zoll (Tacho und Infotainment) und einmal 5,3 Zoll in der Mitte für die Klimaeinstellungen. Witzig: Unterhalb des Navi-Bildschirms gibt es unsichtbare Tasten, die erst bei der Annäherung erscheinen. Fast schon in die Kategorie Unfug fallen die (optionalen) digitalen Seitenspiegel, weil die Displays in der Türinnenseiten wie nachträglich reingeschraubt aussehen und zweitens, weil die Kameras an langen Plastikauslegern montiert sind, die das Auto genauso breit machen wie mit einem ordentlichen Seitenspiegel. Kann man sich sparen.

Technische Daten Kia EV9 AWD GT_Line (6-Sitzer)

  • Motoren: 2 permanenterregte Synchronmaschinen
  • Leistung: 283 kW (385 PS)  
  • Drehmoment: 700 Nm  
  • Antrieb: Allrad
  • Batterie: 99,8 kWh
  • Verbrauch kombiniert: 22,8 kWh / 100 km
  • Reichweite: 505 km
  • Ladezeit:    9 h 5 min bei 10,5 kW (dreiphasig) AC
  •                     1 h 23 min bei 50 kW DC (10 – 80 %)
  •                     24 min bei 240 kW DC (10 – 80 %)
  • Beschleunigung: (0-100 km/h): 5,3 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
  • Abmessungen: (L/B/H): 5,02 / 1,98 / 1,78 m
  • Radstand: 3,10 m
  • Wendekreis: 12,4 m
  • Kofferraum: 828 – 2.393 l
  • Gewicht / Zuladung: 2.648 – 2.749 / 542 kg
  • Anhängelast (gebr.) / Stützlast: 2.500 / 125 kg
  • Preis: 82.380 Euro

Unser Fazit zum Kia EV9

Der EV9 ist eine eierlegende Wollmilchsau auf vier Rädern. Er bietet reichlich Platz für die ganze Familie. Von der elektrischen Reichweite her ist sogar die Urlaubsfahrt mit Kind und Kegel drin. Vor allem, weil der EV9 auch schnell aufgeladen werden kann. Die Bedienung ist leicht und logisch und wer auf die Tube drücken will, der kann mit der GT-Line beim Kavaliersstart an der Ampel so manchen Gegner ausschalten. Das alles hat seinen Preis: Schon die Basis (RWD) kostet ab 72.490 Euro. Aber dafür bekommt man auch ziemlich viel Auto. Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © Kia

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