Geldsorgen im Alter

Private Rentenversicherungen unter der Lupe: Welches Alter man erreichen muss, damit sie sich lohnen

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Private Vorsorge zusätzlich zur Rente wird oft empfohlen – sind private Rentenversicherungen sinnvoll? Das Urteil von Stiftung Warentest ist geteilt.

München – Den Ruhestand ohne finanzielle Sorgen genießen – diese Hoffnung haben viele Menschen in Deutschland. Doch die gesetzliche Rente reicht dafür oftmals nicht aus. Eine mögliche Alternative, um zusätzlich fürs Alter adäquat vorzusorgen, sind private Rentenversicherungen. Die Stiftung Warentest hat diese jetzt unter die Lupe genommen – die Resultate sind wenig überzeugend.

Private Rentenversicherungen: Stiftung Warentest prüft 14 Anbieter – das Ergebnis ist durchwachsen

Laut Stiftung Warentest wurden insgesamt 14 klassische Rentenversicherungen getestet: Das Ergebnis geriet wegen oftmals hoher Kosten ziemlich durchwachsen. „Die garantierten Renten fallen äußerst mäßig aus. Sehr gute Tarife gibt es nicht, nur drei gute“, erklärten die Experten der Stiftung Warentest am Mittwoch (14. Mai). Ein Kritikpunkt: In einigen Fällen liegt die garantierte Rente unter dem vom Versicherungskunden eingezahlten Betrag.

Zur Veranschaulichung wurde von der Stiftung Warentest ein Beispiel herangezogen: Wenn ein 37-jähriger Kunde 30 Jahre lang 200 Euro monatlich in seine private Rentenversicherung einzahlt, kommt er bis zu seinem bis zum 67. Geburts­tag auf eine Einzahlungssumme von 72.000 Euro. Während fünf der getesteten Versicherer weniger als diese Summe als Auszahlung garantieren, zahlen drei genau den vollen Betrag.

Nicht immer reicht die gesetzliche Rente im Ruhestand aus – dann können private Vorsorgemaßnahmen helfen.

Bei der mit „gut“ bewerteten Hannoverschen gibt es mit 79.966 Euro immerhin 111 Prozent des eingezahlten Betrags als Auszahlungssumme. Trotz des höchsten Garantiewerts landete die Hannoversche wegen Schwächen bei Flexibilität und Transparenz nur auf Platz zwei. Der Testsieger Europa überzeugte die Warentester indes mit niedrigen Kosten. „Das ist gut für die Rendite“, erklärte die Stiftung Warentest.

Kunden von privaten Rentenversicherungen müssen „selbst mit gutem Tarif mehr als 90 Jahre alt werden“

Die Stiftung Warentest konkretisiert auf ihrem Portal test.de: „Zahlen die Versicherer am Ende nicht mehr als die garan­tierte Rente aus, müssen die Kunden sehr alt werden, bis sie ihre einge­zahlten Beiträge wieder heraus haben. Unser Modell­kunde muss selbst mit einem guten Tarif aus unserem Vergleich mehr als 90 Jahre alt werden, bis es so weit ist.“ Der Kunde im Modellfall müsste bei der Hannoverschen beispielsweise 92 Jahre alt werden, damit er seine eingezahlten Beiträge wieder ausgezahlt bekommt.

Viele Menschen entscheiden sich aber ohnehin für die Auszahlung des gesamten Kapitals. Nach Angaben der Stiftung Warentest bestand in allen der 14 untersuchten Tarife die Möglichkeit, sich zwischen einer lebens­langen monatlichen Rente oder einer einmaligen Kapitalzahlung zu entscheiden. Die garan­tierte Kapitalzahlung erhalten Kunden der getesteten privaten Rentenversicherungen zu Beginn ihrer Rente – der gesetzlichen Variante könnte derweil eine Revolution blühen.

Für das Beispiel der Stiftung Warentest heißt das: Der zu Beginn des Versicherungszeitraums 37-Jahre alte Kunde erhält je nach Anbieter zu Rentenbeginn eine Einmalzahlung zwischen knapp 80 000 Euro und rund 67 700 Euro. Auch hier stellte die Stiftung Warentest erhebliche Unterschiede bei den überprüften Angeboten an privaten Rentenversicherungen fest. Derweil räumte ein Experte jüngst mit einem verbreiteten Renten-Irrtum auf. (kh)

Rubriklistenbild: © C3 Pictures/imago

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