Psyche

Resilienz: Sieben Dinge, die mental starke Menschen nicht tun

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Das Leben stellt uns immer wieder vor Herausforderungen, die mental starke Menschen in der Regel besser meistern, indem sie bestimmte Verhaltensmuster meiden. So werden Sie widerstandsfähiger.

Trotz heftiger Schicksalsschläge in ihrem Leben hat Amy Morin nie aufgegeben, ist immer wieder aufgestanden und hat weitergemacht. Als die amerikanische Psychotherapeutin und Buchautorin 23 Jahre alt war, verstarb ihre Mutter ganz plötzlich an einem Gehirnaneurysma. Drei Jahre später – an demselben Wochenende, als sie mit ihrer Familie Lincoln den dritten Todestag ihrer Mutter beging – wurde sie Witwe. Ihr Ehemann verstarb plötzlich mit nur 26 Jahren. Wie sie es dennoch schaffte, mental stark zu bleiben und was sie nicht nur ihren Klienten in schwierigen Lebensphasen rät, hat sie in ihrem Buch „13 Dinge, die mental starke Menschen NICHT tun“ aufgeschrieben. Im Folgenden finden Sie sieben der wertvollen Tipps.

Psyche: Sieben Dinge, die mental starke Menschen nicht tun 

Mental starke Menschen versinken nicht in Selbstmitleid. Stattdessen arbeiten sie an einer aktiven Problemlösung.

„Die dreizehn Dinge nicht zu tun, lässt Sie ihre Trauer nicht überwinden. Sie nicht mehr zu tun, wird Ihnen aber dabei helfen, die mentale Stärke zu entwickeln, die Sie benötigen, um sich den kleinen und großen Problemen Ihres Lebens zu stellen“, schreibt Morin im Vorwort zu ihrem Buch. So stellte sie aufgrund ihrer Erfahrungen, die sie in ihrem Leben bereits machen musste, fest, dass es Verhaltensweisen gibt, die uns vielmehr schaden als, dass sie uns nutzen würden. Um mental stark durch das Leben zu gehen, empfiehlt sie deshalb, auf diese besser zu verzichten und sie nicht zu tun.

Mental starke Menschen bemitleiden sich nicht selbst

Schmerz und Trauer gehören zu unserem Leben dazu. Jeder Mensch hat in seinem Leben wohl bereits Phasen durchlebt, in denen er getrauert oder Schmerz empfunden hat. Obwohl Traurigkeit eine normale und auch gesunde Empfindung ist, hält Morin es für selbstzerstörerisch, wenn man zu lange leidet und unglücklich ist. Denn Selbstmitleid hat noch niemanden weiter gebracht.

Im Gegenteil: Laut Morin schafft Selbstmitleid nur neue Probleme und kann ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. In Selbstmitleid zu zerfließen, hält einen zudem davon ab, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Es strengt mental an und unterstützt keineswegs dabei, die Situation zu verändern. Stattdessen rät die Psychotherapeutin, realistisch zu überprüfen, wo man steht, um nicht zu übertreiben. Außerdem hilft es, eine aktive Problemlösung zu suchen und daran zu arbeiten, die Situation zu verbessern. Treten Sie dem Selbstmitleid überdies mit Dankbarkeit entgegen. Seien Sie jeden Tag für etwas dankbar.

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Mental starke Menschen haben keine Angst vor Veränderungen

Viele Menschen scheuen sich laut Morin vor Veränderungen, da sie diese für zu risikoreich oder zu unbequem halten. Wenn man sich allerdings Veränderungen nicht stellt, dann kann dies ernsthafte Folgen, beispielsweise für die Gesundheit, haben. Deshalb warnt die Autorin davor, nichts zu verändern: So wird sich vermutlich das Leben nicht verbessern, man wird nicht gesünder leben und von anderen Menschen überholt werden.

Sie empfiehlt deshalb, sich auf Veränderungen gut vorzubereiten, indem man einen Plan erstellt. In diesem sollten Sie festhalten, was Sie wie verändern möchten und sich daran halten. Anhand des Plans können Sie schrittweise vorgehen und kleine Erfolge feiern. Zudem ist es hilfreich, sich bereits so zu verhalten, wie man werden möchte. „Wenn es Ihr Ziel ist, offener zu werden, dann verhalten Sie sich anderen gegenüber freundlich“, schreibt Morin.

Mental starke Menschen wollen es nicht allen recht machen

Es immer allen recht machen zu wollen, kann sich negativ auf alle Bereiche des Lebens auswirken und verhindern, dass man seine Ziele erreicht. „Sie können ein netter und großzügiger Mensch sein, auch ohne jedem gefallen zu müssen“, schreibt Morin deshalb. Meistens steckt hinter dem Allen-gefallen-wollen nämlich die Angst vor Zurückweisung und vor Konflikten. Da diese in der Regel unangenehm sind, gehen Menschen ihnen gerne aus dem Weg.

Verhält man sich so, dass man es allen anderen recht macht, geraten die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund. Dies kann jedoch negative Folgen sowohl für einen selbst als auch für seine Umgebung haben. Wer also nicht zu allem ja sagt, wird dadurch sein Selbstbewusstsein steigern, sich weniger gestresst fühlen, gesündere Beziehungen führen und mehr Zeit und Energie für die eigenen Ziele haben. Morin empfiehlt deshalb, seine eigenen Werte zu erkennen und danach zu leben. Sagen Sie außerdem ganz einfach nein, wenn Sie etwas nicht tun möchten und üben Sie sich darin, die mit Konflikten einhergehenden unangenehmen Gefühle auszuhalten.

Mental starke Menschen leben nicht in der Vergangenheit

Empfindungen wie anhaltende Wut, Scham- und Schuldgefühle halten Menschen in der Vergangenheit fest. Gleichzeitig kann auch die Angst vor der Zukunft dazu führen, dass man mehr in der Vergangenheit lebt als im Hier und Jetzt. Indem man in der Vergangenheit verweilt, lenkt man sich allerdings von Problemen in der Gegenwart nur ab. Das Festhalten an der Vergangenheit kann laut Morin dazu führen, dass die Gegenwart an einem vorbeizieht und keine Veränderungen oder Verbesserungen möglich sind. Im Extremfall kann es, ähnlich wie eine bestimmte Ernährung, sogar zu Depressionen führen und der Gesundheit schaden.

Die Therapeutin weiß, dass mental starke Menschen diese Verhaltensweisen vermeiden. Sie rät deshalb, es sich fest vorzunehmen, nicht in der Vergangenheit zu leben. Ihr Rat ist es, sich Ziele für die Zukunft zu setzen oder bewusst an etwas anderes zu denken. „Machen Sie sich einen Plan, der Ihnen dabei hilft, über etwas anderes nachzudenken“, schreibt Morin. Zudem hilft es, im Leben nach vorne zu schauen, auch wenn dies manchmal schmerzhaft ist. Trauer gilt es zudem aktiv zu verarbeiten. Nur dann kann man sich auf die Gegenwart konzentrieren und für die Zukunft planen. Finden Sie außerdem Wege, um mit Ihrer Vergangenheit abzuschließen.

Mental starke Menschen machen nicht immer wieder denselben Fehler

Es ist menschlich, dass Fehler teilweise immer wieder gemacht werden. Um gut durch das Leben zu kommen, sind Wiederholungsfehler allerdings nicht ratsam. Stattdessen sollten wir aus Fehlern lernen, indem wir Fehlentscheidungen analysieren. Stellen Sie sich hierfür Fragen wie „Was ist schiefgelaufen?“, „Was hätte ich besser machen können?“ und „Was kann ich beim nächsten Mal anders machen?“. Denn aus Ihren Fehlern zu lernen, wird Sie stärken.

Laut Morin hilft es deshalb, persönliche Verantwortung für jeden Fehler zu übernehmen. Halten Sie außerdem einen Plan schriftlich fest, um denselben Fehler nicht zu wiederholen. Lernen Sie zudem, Auslöser und Warnzeichen für alte Verhaltensmuster zu erkennen und üben Sie sich in Selbstdisziplin.

Mental starke Menschen sind nicht neidisch auf andere

Neid ist ungesund. Stattdessen rät Morin, sich auf den eigenen Erfolgsweg zu konzentrieren, ohne auf den Wohlstand anderer neidisch zu sein. Neid basiert oft auf einem tiefverwurzelten Gefühl von Unsicherheit, schreibt Morin. „Die Annahme, andere hätten das Glück, das sie eigentlich verdient haben, wird sie verbittern lassen“, meint die Therapeutin. Missgunst kann somit das ganze Leben beherrschen. Neidische Menschen werden demnach nie mit dem zufrieden sein, was sie besitzen. Sie werden außerdem ihre eigenen Fähigkeiten und Talente nicht wahrnehmen und können sogar Beziehungen zerstören.

Mental starke Menschen hingegen erkennen die Leistungen anderer an und freuen sich über den Erfolg von anderen. Die Autorin rät deshalb dazu, herauszufinden, was Erfolg für Sie persönlich bedeutet und Ihre eigene Definition von Erfolg aufzuschreiben. Ersetzen Sie außerdem negative Gedanken durch rationale und lernen Sie, die Leistungen anderer anzuerkennen. Konzentrieren Sie sich gleichzeitig auf Ihre eigenen Stärken und kooperieren Sie mit anderen, anstatt sich mit ihnen zu messen und sich in einem Konkurrenzkampf zu sehen.

Mental starke Menschen fürchten sich nicht vor dem Alleinsein

Für viele Menschen ist der Gedanke, Zeit alleine zu verbringen, nicht verlockend. Es geht sogar so weit, dass manche regelrechte Angst davor haben und beinahe unter einer Art Einsamkeitsphobie leiden. „Uns täglich unseren Verbindlichkeiten und Beziehungen zu stellen, kann seinen Tribut fordern, wenn wir uns keine Zeit zur Besinnung nehmen“, warnt allerdings Morin in ihrem Buch. Alleinsein hat viele Vorteile: Es kann die Empathie erhöhen, die Kreativität steigern und kommt der mentalen Gesundheit zugute.

Mental starke Menschen vermeiden es deshalb nicht, sich immer wieder Zeit nur für sich zu nehmen und diese alleine zu verbringen. Gewöhnen auch Sie sich daran, öfter mal alleine zu sein und üben Sie es, Stille nicht nur zu ertragen, sondern sie sogar willkommen zu heißen. Es hilft schon, jeden Tag nur ein paar Minuten lang, alleine mit seinen Gedanken zu sein. Verabreden Sie sich außerdem wenigstens einmal im Monat mit sich selbst und üben Sie Fähigkeiten der Achtsamkeit, um sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Resilienz: Wenn Menschen auf Probleme mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren

Häufig liest man auch den Begriff Resilienz im Zusammenhang mit mentaler Stärke. Er meint die Anpassungsfähigkeit von Menschen und den Prozess, in dem sie auf Probleme und Veränderungen mit Anpassung ihres Verhaltens reagieren. „Wenn Menschen gewisse Widerstandsressourcen haben, zum Beispiel Wissen und Intelligenz, Ich-Identität, Selbstwertgefühl, sowie starke soziale Bindungen und Unterstützungsmöglichkeiten, starke religiöse oder philosophische Überzeugungen, ein Leben in kultureller Stabilität oder materielle Ressourcen, dann sind sie oftmals resilienter als andere“, weiß auch Dipl.-Psychologin und Systemische Einzel-, Paar- und Familientherapeutin Esther Berke aus München gegenüber 24vita.de von IPPEN.MEDIA.

Dabei spielt laut der Therapeutin das sogenannte Kohärenzgefühl eine wichtige Rolle. Dieses bestehe aus den drei Komponenten Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit im Leben. „Menschen mit einem hohen Gefühl der Kohärenz sind besser in der Lage, schwierige Situationen im Leben zu bewältigen und die dazu notwendigen Ressourcen auszuwählen. Menschen mit einem niedrigen Kohärenzgefühl haben dagegen öfter Schwierigkeiten, die Belastungen in ihrem Leben zu bewältigen“, so Dipl.-Psychologin Berke. Menschen, die ein starkes Kohärenzgefühl haben, seien demnach besser in der Lage, schädliche Verhaltensweisen „sein zu lassen“. Sie haben eher das Gefühl, die auf sie zukommenden Probleme bewältigen zu können, und sehen einen Sinn darin, diese anzuwenden. Außerdem können sie es für sich verstehbar machen, dass sie dadurch ihr Leben zu einem besseren wandeln können. „Aus meiner Sicht brauchen Menschen erst dieses Gefühl von Sicherheit, erst dann sind sie wirklich in der Lage, diese Verhaltensweisen sein zu lassen.“

Psychische Gesundheit stärken: Zehn Tipps, die Balsam für die Psyche sind

Eine Frau hält ein Fernglas in der Hand.
Offenheit und Neugierde für neue Erlebnisse schaffen nicht nur Abwechslung im Leben, sondern regen auch die Lebensgeister an. Wer seiner Seele etwas Gutes tun möchte, bleibt dem Leben gegenüber deshalb neugierig und sorgt immer wieder für neue Herausforderungen und Erfahrungen. © Vasily Pindyurin/IMAGO
Eine Frau sitzt im Schneidersitz im Gras und meditiert.
Um Ihre psychische Gesundheit zu stärken, sorgen Sie für genügend Entspannung in Ihrem Leben. Dabei gibt es verschiedene Techniken, wie zum Beispiel Meditation oder Yoga, die Sie hier unterstützen können. Finden Sie die für Sie passende Entspannungsmethode und lassen Sie einfach mal los. © Daniel Ingold/IMAGO
Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und stützt ihren Kopf auf ihre Hände.
Stress und Überlastung im Job können Gift für die psychische Gesundheit sein. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie, wenn möglich, im beruflichen Alltag immer wieder kleine Pausen einlegen. Gehen Sie ein paar Schritte, atmen Sie tief ein oder aus oder schauen Sie einfach mal ein paar Minuten aus dem Fenster. Das wird Ihren Körper und Ihren Geist entspannen. © Rainer Berg/IMAGO
Eine Seniorin und ein junger Mann spielen zusammen Karten.
Wer anderen hilft, tut auch sich selbst etwas Gutes. Denn soziales Engagement fördert die Selbstwertschätzung und damit gleichzeitig die psychische Gesundheit. Seien Sie ehrenamtlich tätig und unterstützen Sie beispielsweise Senioren in ihrem Alltag. © Maskot/IMAGO
Freunde sitzen zusammen an einem Tisch.
Einsamkeit wirkt sich negativ auf die Psyche aus. Soziale Beziehungen und Freundschaften gehören zu einem guten Leben dazu. Deshalb sollten Sie diese pflegen und sich regelmäßig bewusst Zeit für Freunde und Familie nehmen. Wer zum Beispiel neu in einer Stadt ist und vor Ort noch keine Bekanntschaften hat, kann sich beispielsweise Vereinen oder Nachbarschaftstreffs anschließen, um Menschen kennenzulernen.  © IMAGO/Maskot
Eine Frau hält ein Bild in ihren Händen.
Malen, Zeichnen oder Schreiben: Künstlerisch oder kreativ tätig zu sein, wirkt sich bei vielen Menschen positiv auf ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden aus. Greifen Sie deshalb gerne mal zu Pinsel und Farbe und toben Sie sich auf einer Leinwand aus.  © Emma Innocenti/IMAGO
Eine Frau umarmt einen Mann
Vermeidung ist keine gute Strategie, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Anstatt sie zu verdrängen, holen Sie sich Unterstützung von anderen. Tauschen Sie sich zum Beispiel mit guten Freunden aus. Oder nehmen Sie eine Beratungsstelle in Anspruch, um Probleme anzugehen und Lösungen zu finden. Sich Hilfe zu holen, ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Sie beweisen damit Mut und Ehrlichkeit. © Maskot/IMAGO
Frau hält eine Tasse in der Hand und lacht.
Um sich wohlzufühlen, ist es wichtig, dass man seine ganz eigenen Bedürfnisse kennt. Trainieren Sie sich deshalb in Achtsamkeit sich selbst gegenüber. Nehmen Sie sich öfters Zeit nur für sich. Es empfiehlt sich dafür, das Handy einmal auszuschalten, um nicht gestört zu werden. Außerdem besteht dann weniger die Gefahr, dass man sich ablenken lässt. © "AntonioGuillem"/Imago
Eine Person trainiert an einem Sportgerät.
Sport kann ein guter Ausgleich zur Arbeit sein. Nebenbei macht er sogar noch glücklich. Schließlich schüttet der Körper Endorphine aus, bei denen es sich um die bekannten Glückshormone handelt. Dabei muss man nicht gleich Leistungssport betreiben. Auch andere Formen von Bewegung, wie etwa ein täglicher Spaziergang, unterstützen das Wohlbefinden. © Uwe Umstätter/IMAGO
Eine Person hält ein Fahrrad und eine Tasche mit Gemüse.
Wer allgemein auf einen gesunden Lebensstil achtet, der kann seine psychische Gesundheit damit positiv beeinflussen. Neben einer guten Ernährung gehören beispielsweise ein geregelter Tagesablauf, ausreichend Bewegung und genügend Schlaf und Erholung dazu. Außerdem sollten Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten. © IMAGO/David Munoz

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Rubriklistenbild: © Uwe Umstätter/IMAGO

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