Neuer Vorschlag

Führerschein-TÜV für Senioren: Kommen bald verpflichtende „Rückmeldefahrten“ für 100 Euro?

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Feedbackfahrten für Senioren unter Leitung von Fahrschülern. Die Unfallforschung bringt diese Rückmeldefahrten für Menschen ab 75 ins Spiel.
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Nach der Debatte um Gesundheitschecks gibt es einen neuen Vorschlag zum Führerschein für Menschen ab 75 Jahren. Die Senioren-Union wittert Altersdiskriminierung.

Geht es nach einigen EU-Politikern, sollten ältere Autofahrer künftig zum verpflichtenden Gesundheitscheck. Nach großer Kritik vor allem aus Deutschland verwarf das EU-Parlament seine ursprünglichen Pläne jedoch: Den Mitgliedsstaaten steht es weiter frei, ob und für wen sie Gesundheitstests einführen oder nicht.

In 14 EU-Staaten gibt es solche Checks bereits. Hierzulande ist Bundesverkehrsminister Volker Wissing entschieden dagegen. Auch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) lehnt diese Tests ab. Die neue Leiterin der UDV, Kirstin Zeidler, hat allerdings einen anderen Vorschlag: verpflichtende Rückmeldefahren für alle Autofahrer ab 75 Jahren. 45 Minuten sollen diese dauern, unter Aufsicht von Fahrlehrern oder Verkehrspsychologen. In diesen Fahrten werde den Senioren dann unverbindliches Feedback zu ihrem Fahrverhalten gegeben, so die Idee.

„Ältere Fahrer haben ein ähnlich hohes Unfallrisiko wie Fahranfänger“

„Das ist keine klassische Fahrprüfung mit Abfrage der Verkehrsregeln“, sagt Zeidler im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. „Die kennen die Älteren natürlich.“ Vielmehr stünden Reaktionsvermögen und Aufmerksamkeit im Fokus. Anschließend gebe es Rückmeldung vom Fahrlehrer. Mögliches Feedback könne sein: „Fahren Sie Ihre bekannten Strecken“ oder „Fahren Sie nur noch tags und nicht nachts oder außerhalb der Stoßzeiten“. Die Rückmeldung sei vertraulich und hat keine Auswirkungen auf den Führerschein. „Unsere Erfahrung zeigt aber, dass das eine Wirkung in der Realität haben kann und der Senior die Empfehlungen bestenfalls auch umsetzt.“

Dadurch könne die Verkehrssicherheit gestärkt werden. Denn der Blick auf die Unfallzahlen zeige: „Die älteren Fahrer ab 75 Jahren haben gemessen an ihrer Fahrleistung ein ähnlich hohes Unfallrisiko wie die Fahranfänger von 18 bis 24 Jahren“, sagt Zeidler. Die Ursachen seien unterschiedlich. Fahranfänger hätten eine mangelnde Fahrerfahrung und zudem eine größere Risikobereitschaft. Ältere Menschen zwar eine höhere Fahrerfahrung, allerdings ein Nachlassen kognitiver Fähigkeiten. „Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktion fallen niedriger aus“, sagt Zeidler. „Das ist ein schleichender und ganz natürlicher Alterungsprozess.“ Diese Fähigkeiten seien aber unerlässlich für eine sichere Fahrt mit dem Auto. „Die kann man nicht beim Arzt überprüfen, sondern nur, wenn man wirklich im realen Verkehrsgeschehen mit dem Auto unterwegs ist.“

Kritik von Senioren-Union: „Wer bei klarem Verstand ist, soll selbst entscheiden“

Wie kommen diese Vorschläge bei der älteren Generation an? Die Senioren-Union hält nichts von Rückmeldetests: „Unsere Rentnerinnen und Rentner verdienen Vertrauen – und keine staatliche Bevormundung“, sagt der Bundesvorsitzende Fred-Holger Ludwig unserer Redaktion. „Eigenverantwortung und Freiheit zeichnen seit je her unser Menschenbild aus.“ Das bedeute fürs Autofahren: „Wer bei klarem Verstand ist, der kann und soll selbst entscheiden, ob er seine Fahrerlaubnis altersbedingt abgeben will oder nicht. Diese obligatorischen Rückmeldefahrten lehnen wir daher entschieden ab.“

Warum solle der Test überhaupt verpflichtend sein? „Wenn wir das freiwillig machen, kommen nur die Senioren, die ohnehin schon sensibel mit dem Thema umgehen“, meint Zeidler. „Deswegen sprechen wir uns dafür aus, das verpflichtend zu machen.“

100 Euro für Senioren-TÜV: „Das müsste dann natürlich selbst übernommen werden“

Ein mögliches Problem für Senioren: Der Feedback-Test müsste wohl selbst bezahlt werden. „Eine 45-minütige Fahrt kostet ungefähr 100 Euro“, schildert Zeidler. „Das müsste dann natürlich vom Senior oder der Seniorin übernommen werden.“

Für die Senioren-Union wäre das „einfach unzumutbar“, wie Ludwig sagt. „Und all das nur, um zu beweisen, dass sie einer Fähigkeit nachgehen können, die viele von ihnen jeden Tag unter Beweis stellen. Für uns grenzt das an Altersdiskriminierung. Die Unfallforschung entgegnet: „Wir halten das für eine angemessene Maßnahme. Wenn man sich einmal überlegt, wie viel eine Tankfüllung kostet, ist das durchaus gut investiertes Geld, da es der Person eine gewisse Sicherheit über die eigenen Fähigkeiten gibt und Unfälle vermeidet.“ (as)

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