Unterstützung schwindet

„Einfach absurd“: Reisende reagieren auf sechstägigen GDL-Streik bei der Bahn

  • schließen

Die GDL will die Bahn bestreiken – bereits zum zweiten Mal im noch jungen Jahr 2024. Die Reaktionen der Bahnreisenden sind eher negativ, doch es gibt auch Unterstützung.

München – Es ist für viele Bahnreisende in Deutschland inzwischen ein altbekanntes Szenario: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) streikt. In der Nacht zum Montag (22. Januar) verkündete die GDL um ihren Chef Claus Weselsky die nächste Arbeitsniederlegung.

Der GDL-Streik soll im Personenverkehr der Deutschen Bahn (DB) um 2.00 Uhr am Mittwoch (24. Januar) beginnen. Und ganze sechs Tage bis Montag (29. Januar) um 18.00 Uhr dauern. Das wären 136 Stunden Bahn-Streik – der bisherige „Streikrekord“ der Lokführergewerkschaft vom Mai 2015 hatte „nur“ 127 Stunden gedauert.

GDL plant Sechs-Tage-Streik: Bahnreisende reagieren verstimmt – „Verständnis irgendwann aufgebraucht“

Ein Tarifangebot der Deutschen Bahn lehnte die GDL ab. Womöglich auch aus diesem Grund erhält die Gewerkschaft offenbar immer weniger Unterstützung. GDL-Chef Weselsky meinte zwar: „Unsere Streiks sind rechtmäßig, verhältnismäßig und zulässig.“ Doch im Netz mehren sich inzwischen kritische Stimmen, die den GDL-Streik in seinem Umfang nicht mehr nachvollziehen können. Wir fassen Reaktionen zum GDL-Streik ab 22. Januar auf X (ehemals Twitter) für Sie zusammen.

Wenn wegen eines GDL-Streiks bei der Bahn fast nichts mehr geht, haben Reisende ein Problem.

Zwar gibt es für Bahnreisende im Fall eines Streiks Ticketrechte, die sie bei Zugausfall oder Verspätungen wahrnehmen können. Viele der X-User zeigen kein Verständnis für den neuerlichen Bahn-Streik der GDL:

  • „Das nervt langsam, wir Fahrgäste leiden darunter und außerdem kriegen die Lokführer schon genug Geld und wollen weniger arbeiten. Wie soll das gehen?“
  • „Täglich kommen Züge und Bahnen unpünktlich und fallen teilweise ganz aus. Leistet erstmal vernünftige Arbeit, bevor Ihr nach mehr fragt. Pendler leiden auch ohne Streik jeden Tag. Ihr riskiert fremde Jobs!“
  • „Sechs Tage Streik, überzogene und teils nicht umsetzbare Forderungen, keine Kompromissbereitschaft, einfach nur Machtdemonstration. Auch mein Verständnis ist irgendwann aufgebraucht (und ich habe eigentlich sehr, sehr viel davon).“
  • „Ich sage nicht, dass die Forderungen nicht verdient wären – sondern wirtschaftlich unrealistisch. Außerdem ist ein Streik, der sechs Tage dauert, einfach absurd. Und das im selben Monat, in dem ein vier-Tage-Streik stattgefunden hat.“

Ja zum Recht auf Streik, aber Forderung nach mehr Bereitschaft zu Verhandlungen bei GDL und Bahn

Bei einigen der X-User gibt es zwar klare Zustimmung für das Recht zu streiken, ihnen fehlt es aber an Verhältnismäßigkeit und Kompromissbereitschaft – teils auch bei der Bahn:

  • „Ich verstehe, wie streiken funktioniert. Aber: Ich verstehe auch, wie Verhandlungen funktionieren. Und da finden offenbar keine Dialoge statt. Dafür hab ich kein Verständnis. Sechs Tage Streik stehen für mich in keinem Verhältnis mehr.“
  • „Streik ist gut und richtig, aber wenn man wie GDL kein Interesse zeigt, sich zusammenzusetzen in großer Runde, ist das nicht mehr im Sinne von Streik, sondern auf dem Weg zur Erpressung.“
  • „Dass beispielsweise viel zu hohe Gehälter in der Verwaltung versickern, ist unstrittig. Die Bahn ist aber mit einem deutlich besseren Angebot auf die GDL zugegangen. Wieso ist die Antwort ein weiterer Streik, aber keine Verhandlungen? Man trifft sich in der Regel in der Mitte.“
  • „Beide Seiten stellen sich stur und keiner ist bereit, ernsthaft zu verhandeln. Aber ein sechs Tage Streik ist einfach nicht zu rechtfertigen. Stell dir vor, Krankenhauspersonal, Pflegekräfte (die übrigens teilweise beschissenere Bedingungen haben) würden sowas machen. Das wäre untragbar. Ein, zwei, auch noch drei Tage ok. Aber sechs ist einfach lächerlich.“

Auch Verständnis für Bahnstreik der GDL – trotz Rekordlänge

Es gab auch Stimmen, die trotz der Rekordlänge von sechs Tagen Verständnis für den GDL-Streik äußerten:

  • „Der Streik trifft die Bürger, weil die Bahn kein gutes Angebot liefert. Ich finde es unfair, dass alleine den Bahnmitarbeitern zuzurechnen.“
  • „Nach den Boni-Auszahlungen des DB-Bahn-Managements ist eigentlich fast jeder Streik der Mitarbeitenden zumindest nachvollziehbar.“

Streik-Form aus Japan und Australien: Personenverkehr fährt uneingeschränkt weiter – aber kostenlos

Ein User nannte unterdessen einen interessanten Ansatz als Lösungsvorschlag, wie die GDL ihr Streikrecht ausüben kann, ohne damit die Bahnkunden in ihren Reiseplanungen einzuschränken: „Vielleicht sollte man mal nach Asien schauen, wo bei Streiks die Kunden kostenlos ohne Ticket mitgenommen werden. Schadet der Bahn und sorgt vielleicht für mehr Unterstützung.“ Er bezog sich damit auf vergangene Streiks in Japan, bei denen der Personenverkehr nicht zum Erliegen kam – und sogar ohne Einschränkungen weiterging.

Laut einem Bericht von japantoday.com hatten im Mai 2018 Busfahrer in Stadt Okayama gestreikt. Die Fahrer kontrollierten dabei die Fahrgäste nicht und diese konnten somit umsonst die Busse nutzen. Besagter Teilstreik hatte also vor allem für das bestreikte Busunternehmen negative (finanzielle) Folgen. Ein vergleichbarer Streik hatte laut brisbanetimes.com.au 2017 auch in der australischen Millionenstadt Brisbane stattgefunden. Dies wäre laut einem Experten für Arbeitsrecht auch in Deutschland umsetzbar.

„Ja, das wäre rechtlich möglich“, sagte Rechtswissenschaftler Wolfgang Däubler dem Business Insider. „Das ist ein sogenannter Teilstreik, bei dem nicht die gesamte Arbeitsleistung verweigert wird, sondern nur ein Teil der Arbeit.“ Schadensersatzansprüche der Bahn gegenüber den Beschäftigten seien in einem solchen Fall nicht möglich, so der Experte. Allerdings sind längst nicht alle Zugbegleiter hierzulande Mitglieder der GDL und wären somit von einem Streik der Lokführergewerkschaft gar nicht betroffen. Ein Teilstreik der GDL, bei dem auf Ticketkontrolle verzichtet würde und Fahrgäste dadurch kostenlos fahren, erscheint also hierzulande kaum realistisch. (kh)

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

Kommentare