Nur 1963 Exemplare

Porsche 911 S/T im Fahrtest: Pures Vergnügen zum Monster-Preis

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Porsche krönt den 911er und will mit dem neuen S/T den ultimativen Elfer auf die Straße schicken. Anspruch und Wirklichkeit – der Fahrtest.

Oft wird man den Porsche 911 S/T nicht zu Gesicht bekommen, gebaut wird er nämlich nur genau 1963 Mal. Fast schon ein Muss für verrückte Sammler. Die Zahl ist kein Zufall: Im September 1963 stand der erste Sportwagen, der das magische Kürzel trug, auf der Frankfurter IAA. Damals ahnte keiner, dass das die Geburtsstunde einer Legende war. Es folgten nicht nur sieben weitere Generationen, sondern auch eine Modellvielfalt, wie sie kein anderer Hersteller hat. 27 Derivate gibt es von der aktuellen Baureihe 992. Vom puristischen 911er T bis hin zum voll geländetauglichen Dakar. Die neue Nummer 27 trägt das Kürzel S/T. Restlos überzeugt davon ist die Rallye-Legende Walther Röhrl. Er ist zwar Markenbotschafter von Porsche, aber auch bekannt dafür, dass er auch unbequeme Aussagen über seinen Brötchengeber ausspricht. Umso mehr wiegt sein Wort: „Der S/T ist das beste Straßenauto, das ich jemals gefahren bin. Er vereint alles, was Fahrspaß für mich ausmacht. Leichtbau, Drehfreude und sogar Handschaltung. Eigentlich müsste das Auto Porsche 911 Walter Röhrl heißen!“

Porsche 911 S/T: Wie macht man einen perfekten Sportwagen?

Der perfekte Sportwagen, das beste Straßenauto – wie kann man einen 911er, der immer den Anspruch hat, den Vorgänger zu übertrumpfen, noch toppen? Andreas Preuninger, Entwicklungsleiter der GT-Fahrzeuge, hat auf diese Fragen drei Antworten: „Leichtbau, Fahrdynamik und Purismus.“ Man nehme zunächst einmal ein Spenderfahrzeug. In diesem Fall den Porsche GT3 touring. Dazu kommt der extrem hochdrehende Sechszylinder-Sauger aus dem GT3 RS mit seinen 525 PS – und dann ging die Arbeit erst so richtig los. Gewichtsreduktion heißt das Zauberwort. Also Leichtbau. Deshalb hat der S/T auch einen eigenen Kotflügel aus Kohlefaser bekommen. Wer genau hinsieht, merkt, dass der 911er dadurch markanter wirkt. Auch bei der Technik haben die Entwickler Schweres leicht gemacht. Die Kupplung: minus zehn Kilo, die Magnesiumfelgen bringen noch mal das Gleiche. Und wenn das alles noch nicht ausreicht, dann lässt man einfach etwas weg. Dämmung zum Beispiel oder die Hinterachslenkung. In der Summe schraubten die Ingenieure das Gewicht des S/T dadurch auf 1.380 Kilogramm herunter.

Von den elf Rippen auf dem Heck sind nur zwei übrig geblieben beim Sondermodell S/T. Die Elf liegt genau über dem Auspuff-Doppelrohr, das ebenfalls im Leichtbau gefertigt wurde.

Die meiste Arbeit haben die Entwickler aber in die Fahrdynamik gesteckt.  Der frei saugende 4.0-Liter-Boxer aus dem GT3 RS musste ja definitiv nicht verbessert werden. „Das ist ja schon ein reinrassiger Rennsport-Motor“, meint Preuninger. Aber dafür haben sie an der Lenkung gefeilt, das Getriebe schärfer gemacht, die Gänge kürzer übersetzt und die Dämpfer neu abgestimmt. Und zwar nicht auf der Rennstrecke, denn der S/T sollte ja ein astreiner Sportwagen für die Straße werden. Holger Bartels und sein Team, zuständig für die Fahrdynamik, jagten die Vorserienmodelle deshalb über ihre gewohnten Hausstrecken in der schwäbischen Alb oder über die A8 von Stuttgart nach München. „Immer und immer wieder, bis wir wirklich restlos zufrieden waren“, sagt Bartels. Und natürlich haben auch die endlos vielen, engen und nur wenig befahrenen Haarnadelkurven in Kalabrien eine große Rolle gespielt: Das ist auch der Grund, warum Porsche zu den ersten Testfahrten hier mitten in die Apenninen einlädt. So mancher 911er hat hier in den Straßen zum Nationalpark Silla seinen Ritterschlag bekommen.

Zehn Autos mit Verbrennungsmotor, die wir vermissen werden

Audi TT
Audi TT: Einst als Kernmodell der Marke Audi betrachtet, wird der als Coupé und Roadster gebaute Kompakt-Sportler keinen Nachfolger bekommen. Das liegt auch an der mittlerweile schleppenden Nachfrage für die Design-Ikone. Ein vergleichbarer Stromer wird völlig anders aussehen. Bis Ende des Jahres ist der TT aber noch ab 39.700 Euro bestellbar. © Audi AG
Mercdes-Benz A-Klasse
Mercedes A-Klasse: Der Kompaktwagen passt nicht mehr in das neue Konzept von Mercedes-Benz, vor allem hochpreisige Limousinen, SUV und Sportwagen anzubieten. Das überzeugende Konzept der frühen A-Klasse, möglichst viel Platz in einem kompakten Auto zu schaffen, würde dabei gut ins Elektro-Zeitalter passen – ist mittlerweile aber ohnehin verwässert. Noch gibt den Basis-Benz ab 28.393 Euro zu kaufen.  © Mercedes-Benz
Porsche 718 Boxster
Porsche 718 Boxster: Zwar kämpft Porsche weiterhin für den Verbrennungsmotor, aber überleben wird der langfristig wohl nur im 911. Boxster und Cayman werden 2025 erst auf Wunsch, später wohl grundsätzlich elektrifiziert. Dabei bieten gerade die Versionen mit Sechszylinder-Boxer fast schon elektrische Tugenden wie Laufruhe und Durchzugskraft – bei (für Sportwagen) hoher Reichweite und geringem Gewicht. Aktueller Preis: ab 60.061 Euro. © Daniel Wollstein/Porsche
Jeep Wrangler
Jeep Wrangler: Als purer Verbrenner ist die Off-Road-Ikone schon jetzt nicht mehr lieferbar. Der Plug-in-Hybrid wird so lange laufen, wie er darf, aber den Sprung in die Elektro-Ära nicht schaffen. Ein Nachfolger mit Akku dürfte ähnlich modernisiert daherkommen wie der aktuelle Land Rover Defender, aber dank seiner E-Motoren immerhin überragende Gelände-Eigenschaften bieten. Mit 77.500 Euro ist der Klassiker mittlerweile zum Luxus-Auto geworden. © Stellantis
VW Golf Cabrio
VW Golf Cabrio: Im Grunde vermissen wir ihn jetzt schon, nämlich seit 2016. Der offene VW T-Roc kann den Charme des offenen Kompaktwagens, der seine Karriere als „Erdbeerkörbchen“ mit Henkeln startete, nicht ersetzen. Das wird wohl auch für ein elektrisches Cabrio auf Basis des VW ID.3 gelten – wenn ein solches überhaupt kommt, was angesichts der schwächelnden Nachfrage für offene Autos eher zweifelhaft ist. © VW
Fiat 500
Fiat 500: Während die aktuelle Version des Kleinwagens ausschließlich als Elektroauto produziert wird, ist auch der etwas kleinere Vorgänger derzeit noch bestellbar. Im Stellantis-Konzern ist dessen Aus aber beschlossen. Dabei ist gerade die sparsame Hybrid-Version mit 70 PS ein ökologisch sinnvolles Angebot etwa für jene, die partout kein Elektroauto möchten – etwa Städter, die keine schnelle Lade-Möglichkeit haben. Noch ist der Verbrenner ab 15.501 Euro bestellbar. © Stellantis
Mercedes-Benz SLC 300
Mercedes SLC: Der kompakte Roadster startete – als erstes Cabrio mit Falt-Hardtop – unter dem Namen SLK. Nun beendete nicht der Elektro-Boom, sondern die Nachfrage-Flaute seine Karriere als Frauenversteher. Im künftigen Luxus-Stromer-Portfolio von Mercedes sind solche gerade noch bezahlbaren Fahrspaß-Modelle schon gar nicht vorgesehen.  © Mercedes-Benz
Lamborghini Huracan
Lamborghini Huracán: Die italienische VW-Tochter sperrte sich lange gegen die Elektrifizierung, aber kommt natürlich auch nicht drumherum. Der pure, weder von Hybrid noch Turbo verwässertre V10-Saugmotor des Huracán wird seinen Platz als einer der Höhepunkte des Verbrenner-Zeitalters bekommen. Seine 640 PS würden Elektromotoren zwar mit deutlich weniger Aufwand erreichen, aber sei´s drum: Dass es solche Autos nicht mehr geben wird, ist ebenso vernünftig wie schade. Preis: ab 190.274 Euro. © Charlie Magee
BMW Z4
BMW Z4: Ja, er lebt noch! Anders als Mercedes-Benz führt BWM seinen Mittelklasse-Roadster weiter, eine Kooperation mit Toyota machts möglich. Doch auch wenn BMW weiter Verbrenner bauen will, ist ein Nachfolger alles andere als gesichert. Wenn wir uns irren und es künftig einen Z4 mit (wie bei BMW üblich) Verbrenner- und Elektro-Option geben wird: umso besser. Wer sich darauf nicht verlassen mag, muss mindestens 46.200 Euro investieren. © BMW
Tina Ruland auf Opel Manta
Opel Manta: Eigentlich hatten wir den Manta ja schon als Eighties-Unikum abgehakt. Dann weckte Opel mit der Ankündigung eines elektrischen Mantas die Fantasie: Ein zweitüriges, leichtes Coupé, mit genügend Reichweite für den Ausflug in die Diskothek (so hießen Clubs früher) und zum Baggersee, das wäre doch ein schönes Stück Anarchie zwischen all den effizienten, vernünftigen Stromern. Doch heraus wird wieder nur das übliche Akku-SUV kommen, an das ein Marketing-Genie den Manta-Schriftzug klebt. Umso mehr werden wir den Echten vermissen. © Rights Managed/Imago

Ungehemmt und ungezügelt – so klingt es aus den Auspuffrohren

Aber grau ist alle Theorie, wir halten es lieber mit dem bayerischen Motto: Probiert's es, dann gspürt's es! Übersetzt heißt das so viel wie: Probieren geht über Studieren. Und so fallen wir mehr in die Sportsitze hinein, als dass wir uns kontrolliert hinsetzen. Schalensitze. Wir mögen sie nicht, aber muss sein. Kurzer Blick über die Armaturen. Fett in der Mitte der Drehzahlmesser, das Lenkrad fast frei von Tasten: Dank Andreas Preuninger. Denn der hat gesagt: „Das Lenkrad ist zum Lenken da – zu sonst gar nichts.“ Das ist Purismus. Applaus, Applaus. Lässig fällt die rechte Hand auf den Schalthebel. Der Knauf liegt tief, fühlt sich gut an. Pilotenfeeling. Wir starten das Triebwerk. Vermutlich wird es schon bald eine Generation geben, welche die nun folgende Begeisterung für das akustische Feuerwerk eines Verbrenners nicht mehr teilen kann: Aber das hat schon fast symphonischen Charakter, was da aus den (Leichtbau-)Auspuffrohren fast ungedämmt an unser Ohr hämmert. Vor allem die Blechbläser-Fraktion hat in den hohen Drehzahlen viel zu tun.

60 Jahre Porsche 911 - das dazugehörige Sondermodell S/T trägt dieses Symbol auf dem Lüftungsgitter des Sechszylinder-Boxer-Motors. 1962 Exemplare wird es davon geben.

Und das will der Sauger ja auch. Hochdrehen, bis 9000 U/min. Dann lässt er alle 525 Pferde gleichzeitig laufen und fährt mit 465 Nm Drehmoment alles auf, was er zu bieten hat. Ungehemmt und ungezügelt, ganz ohne Leistungsloch in 3,7 Sekunden von 0 auf 100. Dieser Wert mag von vielen Elektroautos locker egalisiert werden – aber so gut wie bei S/T und anderen Boxer-Konsorten fühlt sich das nicht annähernd an. Ein gutes Gefühl vermittelt auch das adaptive Fahrwerk. Feinfühlig und präzise gleichermaßen reagiert es auf den rauen südländischen Fahrbelag, der im Gebirge auch schon mal von dem ein oder anderen Frost aufgerissen wurde.

Die Kupplung schreit, die Kupplung riecht: Weiterfahren!

Aber jetzt zum ersten Highlight. Kurz und knackig – so wird das Ideal der Schaltwege beschrieben. Beim S/T wird das auf die Spitze getrieben. Kuppeln, schalten. Ja, ist er schon drin, der Gang? Ja, er ist drin. Wir huschen durch die Gassen, wir erleben noch einmal ganz pur, was es heißt eine Maschine selbst zu bewegen. Nix Automatik. Selbst ist der Mann. Das Getriebe ist noch mal um acht Prozent kürzer übersetzt als beim GT3. Damit dreht der Motor schneller hoch und hat immer ausreichend Power. Auf den Bergstrecken Kalabriens genügt uns deshalb meistens der zweite Gang, oft reicht auch der dritte, weil der S/T beim Tritt auf das Gaspedal immer direkt und sofort anspricht und bereitwillig seine komplette Leistung abruft. Die Kupplung ist jederzeit leichtgängig, auch wenn sie sich so nicht anhört: Das schleifende Geräusch sollte einen jedoch nicht stören. Ist der Leichtbautechnik mit dem Einmassenschwungrad geschuldet. Da kann es auch mal unangenehm riechen. Weiterfahren.

Der Porsche 911 S/T fällt eigentlich nur mit dem Heritage-Design im dezenten Blau und der frei wählbaren Startnummer auf. Ansonsten erinnert er an den GT3 touring.

Absoluter Höhepunkt des Porsche S/T ist jedoch die Lenkung. Noch nie hatten wir ein Auto in der Hand, das mit einer solchen Präzision und Direktheit den Lenkbefehlen folgt. Da werden alle Superlative, die es bisher gab, buchstäblich atomisiert. Präzise wie ein Chirurg bei der Arbeit. Vergessen! Exakt wie ein Schweizer Uhrenwerk! Das war gestern. Dieser 911er funktioniert nach dem Prinzip: Der Mensch denkt, das Auto lenkt. Da ist so, als ob das Hirn via Neuro-Link direkt mit der Vorderachse verbunden wäre. Kaum ist die Kurve entdeckt, schon schnürt das Auto millimetergenau durch die Schikane. Wer diesen Porsche fährt, hat nicht alle Hände voll zu tun. Sparsam lenken, mit maximaler Präzision – womit wir wieder mal bei Walter Röhrl wären, denn das predigt er gebetsmühlenartig allen Rennsport-Fans, die auf die Strecke gehen. So wie seine buchstäbliche Abneigung für E-Autos.

  • Technische Daten Porsche 911 S/T
  • Motor: Sechszylinder Boxer
  • Leistung: 386 kW (525 PS) bei 8.500 U/min
  • Drehmoment: 465 Nm bei 6.300 U/min
  • Antrieb: Sechs-Gang-Handschalter / Hinterrad
  • Verbrauch kombiniert: 13,8 l / 100 km
  • Beschleunigung: (0-100 km/h): 3,7 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,57 / 1,85 / 1,28 m
  • Gewicht: 1.380 kg
  • Grundpreis: ab 292.187 Euro

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Unser Fazit zum Porsche 911 S/T: Der will Asphalt fressen

Der 911 S/T gehört auf die Straße, der will gefahren werden, Asphalt fressen. Das ist das, was die vielen Sammler, die knapp 300.000 Euro für den limitierten Elfer hinblättern, sicher nicht tun werden. Wirklich schade. Uns Normalos wird der S/T immer als die absolute Essenz des 911ers in Erinnerung bleiben. Er setzt den perfekten Schlusspunkt unter eine Ära, in der allein der Verbrenner den Ton angegeben hat. Der 911 wird definitiv mit einem zusätzlichen Elektromotor ausgerüstet sein. Aber Porsche wäre nicht Porsche, wenn nicht auch der Hybrid-Elfer den Anspruch, der beste Elfer aller Zeiten zu sein, erfüllen würde. Die von vielen schon befürchtete Götterdämmerung des Kult-Sportwagens dürfte damit noch einmal in die Verlängerung gehen. Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © koslowskiphoto 2022 / Porsche

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