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Müssen Deutsche bald noch länger arbeiten? Eine Top-Ökonomin hat eine Formel für das Renteneintrittsalter aufgestellt. Es erhöht sich automatisch – unter einer Voraussetzung.
Hamm - Wer glaubt, er habe mit dem Schulabschluss auch die leidige Mathematik hinter sich gelassen, der irrt. Zahlen und Formeln bestimmen unser Leben, auch wenn wir das nicht immer bemerken. Besonders kompliziert wird es beim Thema Rente. Wann können wir in den Ruhestand gehen und mit welchen Abzügen? Eine Wirtschaftsexpertin legt nun eine neue Formel vor, die nicht jedem gefallen wird.
Später in Rente: Eintrittsalter könnte dank neuer Formel bald über 67 liegen
Mit 65 Jahren, mit 67 oder bald sogar erst mit 70? Kaum ein Thema polarisiert so sehr wie das Renteneintrittsalter. Nach Jahrzehnten im Beruf möchte man schließlich noch etwas vom Leben haben – und nicht erst dann, wenn im zunehmenden Alter die gesundheitlichen Probleme größer werden. Das Problem an der Sache: Rente muss bezahlt werden. Und da die deutsche Gesellschaft immer älter wird, wird es für den Staat immer teurer. Erst im Juli wurde die Rente erhöht – eine Tabelle zeigt, wie viel Geld es mehr gibt.
In der großen Debatte über die Zukunft der Rente und deren Finanzierbarkeit gibt es nun einen neuen Vorschlag. Veronika Grimm vom „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ – das Gremium ist besser bekannt als „die Wirtschaftsweisen“ – spricht sich dafür aus, das Renteneintrittsalter bei steigender Lebenserwartung automatisch anzuheben.
„Man sollte die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt an die Lebenserwartung koppeln“, sagt Grimm. Heißt: Je älter die Deutschen statistisch werden, desto länger sollen sie arbeiten müssen, bis sie Anspruch auf die volle Rente erhalten. Ausnahmen müsste es bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen geben, schränkte die Top-Ökonomin ein.
Top-Ökonomin Grimm: Renteneintrittsalter an Lebenserwartung koppeln
Grimm hat ihren Vorschlag mit Forderungscharakter in eine Formel gepresst: „Nimmt die Lebenserwartung um ein Jahr zu, so würden zwei Drittel des zusätzlichen Jahres der Erwerbsarbeit zugeschlagen und ein Drittel dem Ruhestand.“ Ihr ist außerdem der „Trend zur Frühverrentung“ ein Dorn im Auge. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen länger arbeiten wollen und auch können, dass also das tatsächliche Rentenalter steigt.“
Nach geltender Rechtslage wird die Altersgrenze ohne Rentenabschläge schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Für Menschen, die 1964 aufwärts geboren wurden, gilt die Regelaltersgrenze von 67 Jahren. Eine weitere Anhebung hat die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP ausgeschlossen – bislang.
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