VonJuliane Reyleschließen
Wie viel Rente reicht für ein sorgenfreies Leben in der Mittelschicht? Eine aktuelle Analyse zeigt, ab welchem Einkommen Senioren zur Mittelschicht gehören.
Um zu wissen, ob man mit der eigenen Rente zur Mittelschicht gehört, sollten Ruheständler die Definition kennen. Doch was bedeutet „Mittelschicht“ laut Definition? Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt zur Mittelschicht, wer zwischen 75 und 200 Prozent des mittleren Einkommens verdient.
Das sogenannte Medianeinkommen ist dabei ein objektiverer Maßstab als der Durchschnitt, da es Extremwerte (wie sehr hohe Einkommen) nicht verzerrt. In Deutschland liegt das Medianeinkommen aktuell bei rund 52.159 Euro brutto pro Jahr, wie kununu erklärt.
Geld im Alter: Mit wie viel Brutto-Rente gehören Rentner zur Mittelschicht?
Das Medianeinkommen von 52.159 Euro entspricht etwa 4346 Euro brutto pro Monat. Damit ergibt sich folgende Spanne für die Mittelschicht auf Monatsbasis:
- Untere Grenze (75 Prozent): circa 3260 Euro brutto
- Obere Grenze (200 Prozent): circa 8692 Euro brutto
Da im Juli 2025 eine Rentenerhöhung feststeht, werden einige Ruheständler, die vorher noch zur Unterschicht zählten, neu zur Mittelschicht gehören. Auch Landwirte sollen ab Juli 2025 mehr Rente bekommen.
Wie viel Netto-Rente gehören Rentner zur Mittelschicht?
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) definiert die Mittelschicht anhand von Netto-Einkommensgrenzen. Für Alleinstehende lagen die Grenzen im Jahr 2022 laut IW bei:
- Untere Grenze: 1.850 Euro netto
- Obere Grenze: 3.470 Euro netto
Senioren mit einer gesetzlichen Rente zwischen 1850 und 3470 Euro netto pro Monat gelten demnach laut IW als Teil der ökonomischen Mittelschicht. Ab einem Einkommen von rund 5.780 Euro netto erfolgte die Sortierung zu den relativ Einkommensreichen. Dies traf laut IW nur auf rund 4 Prozent der Bevölkerung zu.
Warum gehören mehr Rentner mit ihrem Brutto-Einkommen zur Mittelschicht als Arbeitnehmer?
Da Rentner häufig steuerlich entlastet sind und keine Sozialabgaben auf ihre Rente zahlen, liegt ihr Nettoanteil an der Bruttorente deutlich höher als der von Erwerbstätigen. Eine gesetzliche Bruttorente von etwa 2.000 bis 3.700 Euro pro Monat dürfte also typischerweise zur Mittelschicht zählen – abhängig von Steuerklasse, Krankenversicherung und weiteren Einnahmen. Echo24.de berichtet auch darüber, ab wann Rentner steuerpflichtig werden. Denn durch die neue Rentenerhöhung im Juli werden einige Rentner ab einem gewissen Einkommen steuerpflichtig.
Laut der Bertelsmann-Stiftung schrumpft die Mittelschicht seit Jahrzehnten. Während 1995 noch 70 Prozent der Bevölkerung dazugehörten, waren es 2019 nur noch 63 Prozent. Ein ähnlicher Trend ist auch bei Rentnern zu beobachten. Steigende Lebenshaltungskosten, eine wachsende Rentenlücke und Altersarmut erschweren es vielen, ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft zu behaupten.
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