OECD-Studie

Renten im Vergleich: Wie schlecht steht es wirklich um Deutschland?

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Die Rente in Deutschland wird oft kritisiert. Eine Studie zeigt, wie schlecht das deutsche Rentensystem im internationalen Vergleich wirklich ist.

Wie sicher ist die Rente in Deutschland – und wie gut ist sie im Vergleich zu anderen Ländern? Der OECD-Vergleich „Renten auf einen Blick“ zeigt regelmäßig: Im internationalen Vergleich landet Deutschland oft nur im Mittelfeld oder sogar auf den hinteren Rängen.

Während Länder wie Luxemburg oder Dänemark mit stabilen und großzügigen Rentensystemen punkten, kämpfen viele deutsche Rentner mit sinkender Kaufkraft, niedrigen Rentenniveaus und steigender Altersarmut. echo24.de wirft einen genauen Blick auf die Zahlen – und erklärt, warum Deutschlands Rentensystem dringend reformiert werden muss.

Renten im Vergleich: Wie es um das deutsche Rentensystem wirklich steht

Die Renten in den einzelnen Ländern könnten unterschiedlicher nicht sein. In Frankreich dürfen Senioren mit einer Mindestrente von 1.200 Euro rechnen und bereits mit 64 Jahren in Rente gehen – vorausgesetzt, sie haben 41,5 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt. In Deutschland hingegen gibt es keine Mindestrente. Wer nie gearbeitet und deshalb keinen Rentenanspruch hat, kann Grundsicherung im Alter beantragen.

Mit 64 Jahren in Rente gehen, davon können auch die Deutschen nur träumen. Denn das Renteneintrittsalter steigt schrittweise auf 67 Jahre. Für alle, die 1964 oder später geboren sind, gilt die Rente ab 67. Wer früher in Rente gehen will, muss Abschläge in Kauf nehmen.

Rentenniveau im Vergleich: Deutsches Rentensystem unterdurchschnittlich

Auch bei der Rentenhöhe hat Deutschland Nachholbedarf. Die Höhe der Rente wird anhand von Rentenpunkten berechnet, die sich am Durchschnittsverdienst in Deutschland orientieren. Das heißt: Wer genau so viel verdient wie der Durchschnittsverdiener (2025: 50.493 Euro im Jahr), erhält einen Rentenpunkt.

Bei 45 Rentenpunkten gibt es 48,2 Prozent des Durchschnittsentgelts als Rente. Dabei handelt es sich um die Bruttorente, das heißt, es sind noch Steuern und Abgaben zu zahlen. echo24.de hat bereits ausgerechnet, wie viel Geld Senioren bei einer Rente von 1800 Euro nach allen Abzügen zur Verfügung steht.

Die Finanzierung der gesetzlichen Rente ist seit Jahren ein heiß diskutiertes Thema. (Symbolfoto)

Nach Auswertungen der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schneidet Deutschland mit seinem derzeitigen Rentenniveau im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ab. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 51,8 Prozent, wobei auch die obligatorische private Vorsorge berücksichtigt wird (Stand: 2023).

Länder wie Dänemark mit 80 Prozent, Luxemburg mit 76,6 Prozent und Portugal mit 74,9 Prozent liegen der Auswertung zufolge deutlich vor Deutschland. Die Prozentwerte geben nicht die Höhe der Renten in diesen Ländern an, sondern das Verhältnis zum Durchschnittseinkommen im jeweiligen Land.

Deutschland hinkt hinterher: Rentensystem benötigt dringend Reformen

Doch woran liegt es, dass Deutschland bei der Rente so schlecht abschneidet? Laut OECD-Studie ist der demografische Wandel einer der Gründe für die schlechte Rente. Immer mehr Rentnern stehen immer weniger Erwerbstätige und Beitragszahler gegenüber. Deshalb gibt es bereits viele Überlegungen, das Rentensystem in Deutschland zu verändern. Jüngstes Beispiel ist die Diskussion um die „Aktivrente“.

Dieses Argument lässt sich jedoch schnell entkräften, denn auch andere Industrieländer sind dem demografischen Wandel unterworfen. Was also machen Länder wie Spanien, Italien oder Dänemark anders? Wie die OECD-Auswertung zeigt, investieren sie mehr in die Altersvorsorge. Spanien investiert rund 10,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in die Altersvorsorge, Italien sogar 12,8 Prozent. Deutschland steckt dagegen nur 9,8 Prozent der Wirtschaftsleistung in das Rentensystem.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Bihlmayer

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