Von Natalie Hull-Deichsel
schließen
Krebserkrankungen hängen eng mit unserem Lebensstil zusammen. Zehn Faktoren können laut Wissenschaft das sogenannte Rezidivrisiko deutlich mindern.
Krebs ist weltweit nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache, so das Deutsche Krebsforschungszentrum . Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich rund 8,2 Mio. Menschen an bösartigen Tumoren. Ungefähr 35 Prozent der Krebserkrankungen werden durch ungesunde Ernährung begünstigt . Zu den bekannten krebsauslösenden Faktoren gehören genetische Disposition, Zigarettenrauchen, starker Alkoholkonsum, übermäßige UV-Strahlung sowie Infektionen mit HPV, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Zwar gibt es Risiken, die eine Krebserkrankung begünstigen können – doch auch wenn bestimmte Faktoren vermieden werden, gibt es letztlich keinen absoluten Schutz vor einer Krebserkrankung. Die zwei Krebsforschungsorganisationen World Cancer Research Fund (WCRF) und American Institute for Cancer Research (AICR) empfehlen zehn Faktoren, um das Risiko einer Krebserkrankung und eine Wiedererkrankung zu vermindern.
Krebsrisiko senken: Zehn Empfehlungen zur gesunden Lebensweise Wer sich durch reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukte sowie ungesättigte Fettsäuren gesund ernährt, senkt das Risiko einer Krebserkrankung.
© Zoonar.com/ELENA HRAMOVA/Imago
Insbesondere Brustkrebspatienten profitierten nach der Diagnose und Therapie von nachfolgenden zehn Empfehlungen durch WCRF und AICR zur gesunden Lebensweise, wie eine Studie zeigt. Das Risiko eines Krebsrezidivs würde um 37 Prozent, das Sterberisiko gar um 58 Prozent reduziert. Als Rezidiv wird in der Medizin das Wiederauftreten einer physischen Erkrankung, beispielsweise Krebs und Infektionskrankheiten, oder psychischen Krankheit, wie Schizophrenie, nach ihrer zeitweiligen Abheilung bezeichnet.
Normalgewicht gemäß Body-Mass-Index (BMI) anstreben und Übergewicht reduzieren. Ausreichend Bewegung, insbesondere wenn eine Tätigkeit im Sitzen ausgeübt wird. Auf gesunde Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten wie Bohnen und Linsen achten. „Fast Food“ und verarbeitete Lebensmitteln mit hohem Fett-, Stärke- oder Zuckergehalt vermeiden. Wenig rotes Fleisch wie Rind, Schwein und Lamm essen . Zuckerkonsum über die Nahrung und Getränke reduzieren. Alkoholkonsum reduzieren oder ganz einschränken. Zur Krebsprävention weniger auf Nahrungsergänzungsmittel setzen, vielmehr den Nährstoffbedarf allein durch die Ernährung abdecken. Säuglinge und Babys mindestens die ersten sechs Lebensmonate mit Muttermilch ernähren . Nach einer Krebsdiagnose und in Rücksprache mit dem Arzt auf eine gesunde Lebensweise achten. Noch mehr spannende Gesundheitsthemen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.
Krebs-Risiko mit gesunden Lebensmitteln senken: Brokkoli, Knoblauch, Zwiebel und Lauch können schützen Sekundären Pflanzenstoffen kommt eine besondere Bedeutung bei. Der in Brokkoli enthaltene sekundäre Pflanzenstoff Sulphoraphan beispielsweise wehrt freie Radikale ab und hemmt somit den natürlichen Alterungsprozess der Zellen in der Haut. Doch Brokkoli kann noch mehr. Wie auch viele andere Arten aus der Familie der Brassicaceae, ist das grüne Gemüse aufgrund seiner bioaktiven Glucosinolate oder „Senfölglucoside“ so wertvoll. Vor allem das in jungen Sprossen und Samen in hoher Konzentration vorkommende Glucoraphanin sowie das enzymatische Abbauprodukt Sulforaphan sollen eine anti-kanzerogene Wirkung entfalten. Die in Brokkoli enthaltenen sekundären Inhaltsstoffe können die Entstehung und den Verlauf von Krebserkrankungen positiv beeinflussen, wie das Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster veröffentlichte. © Alex9500/Imago Öfters mal Radieschen zur Brotzeit verspeisen, das fördert ebenfalls die Gesundheit. Denn Radieschen enthalten wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie Glucosinolate, die antioxidativ sowie immunmodulierend wirken und das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senken können, laut „Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)“. © Gojaz Alkimson/Imago Auch der insbesondere im Süden Deutschlands beliebte Rettich ist gut für die Gesundheit. Dank seiner sekundären Pflanzenstoffe Glucosinolatea kann er das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen senken, so die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)“. Die im Rettich enthaltenen Senföle haben zudem eine heilsame Wirkung auf Leber, Galle und Verdauung. © Cess /Imago Wer Schnittlauchbrot isst, sollte ruhig mal variieren und ein Kressebrot probieren. Denn auch Kresse, insbesondere die Wasserkresse, ist reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie den sekundären Pflanzenstoffen der Glucosinolate, die vorbeugend gegen Krebswachstum wirken sollen. © Roman Möbius/Imago Senfsaat, gelb, in einem Esslöffel Senf kennt man üblicherweise aus dem Glas oder der Tube und wird häufig als Geschmacksverstärker verwendet. Dabei kann Senf noch viel mehr, als nur schmecken. Das wussten auch schon die Römer, die gemahlene Senfsaat als Wickel und in Bädern gegen Migräne, Arthrose oder Bronchitis einsetzten. Prof. Dr. Volker Mersch-Sundermann, Leiter des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, weiß um die besondere Wirkung von Senf: „Der Konsum von scharfem Senf schützt beispielsweise vor den erbgutschädigenden Wirkungen der beim Grillen und Braten von Fleisch entstehenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe.“ Er und seine Kollegin Dr. Evelyn Lamy konnten nachweisen, dass der handelsübliche scharfe Senf vor der Wirkung krebsauslösender Stoffe effektiv schützt. Verantwortlich für die krebshemmende Wirkung sind sekundäre Pflanzenstoffe wie Glucosinolate und Senföle. Insbesondere letztere sind für die Schärfe verantwortlich. Je schärfer der Senf, desto höher ist der Anteil an Senfölen, umso besser ist die krebsvorbeugende Wirkung. © rezkrr/Imago Knoblauch (Allium sativum), Knoblauchzwiebeln auf einem Teller common garlic (Allium sativum), garlic bulbs on a plate B Knoblauch hat gemeinhin bei manchen noch einen schlechten Ruf, da es heißt, sein Verzehr würde zu einem schlechten Atem beitragen. Dabei ist die Knolle überaus gesundheitsfördernd und sollte aufgrund ihrer sekundären Pflanzenstoffe in der Küche nicht fehlen. Die enthaltenen Sulfide entfalten laut „Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)“ nicht nur eine antibiotische, antioxidative, antithrombotische, blutdrucksenkende sowie cholesterinsenkende Wirkung. Auch das Risiko für Krebserkrankungen sollen Sulfide positiv beeinflussen. Allizin, der in Knoblauch und anderen Laucharten enthaltene Aromastoff mit keimtötender Wirkung, soll zudem laut „Deutsche Apothekerzeitung“ gegen Krebszellen wirken. © McPHOTO/A. Schauhuber via www.imago-images.de Geschnittene, rote Zwiebel Zwiebeln zählen nicht nur zu den calciumreichsten Gemüsesorten und können somit bei regelmäßigem Verzehr den Knochenabbau hemmen. Zwiebeln enthalten wie Knoblauch Sulfide mit anti-kanzerogenem Effekt. Außerdem sind sie auch reich an dem sekundären Pflanzenstoff Quercetin, das besonders in roten Zwiebeln und den äußeren Schichten vorkommt und krebsvorbeugende Wirkung entfalten soll. © breitformat/Imago Porree in einer Kiste Porree, auch Lauch genannt, ist voll von gesunden Nährstoffen wie Carotin, Zink und Fluor. Zudem ist auch Lauch reich an sekundären Pflanzenstoffen wie Sulfide, die eine Krebs-abwehrende Wirkung haben. © Norman Krauß/Imago Olivenöl senkt Blutdruck und das schädliche LDL-Cholesterin im Blut, sodass das Risiko für Arteriosklerose reduziert wird. Olivenöl wirkt nicht nur vorbeugend gegen Arterienverkalkung, Schlaganfall und Herzinfarkt. Auch die darin enthaltene Ölsäure soll sogar Krebszellen abwehren. Die im Olivenöl enthaltene Omega-9-Fettsäure kann die Effizienz einer Krebstherapie mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab sogar deutlich erhöhen – dieser wirkte in Verbindung mit der Ölsäure stärker als ohne Ölsäure. © Panthermedia/Imago Frau öffnet Walnüsse mit Hammer Nicht nur bei hohem Blutdruck sollen gerade Walnüsse und Pistazien helfen. Wer regelmäßig Nüsse isst – tägliche Empfehlung nicht mehr als eine Handvoll – kann das Risiko für Darmkrebs senken, wie Forscher vom Lehrstuhl für Ernährungstoxikologie an der Universität Jena untersuchten, so die „Ärztezeitung“. Danach aktivieren Nüsse offenbar die körpereigene Abwehr zur Entgiftung von reaktiven Substanzen wie ultraviolette Strahlung oder verschiedene Chemikalien, welche die Zellschäden und in Folge Krebs begünstigen können. Nüsse enthalten zudem sekundäre Pflanzenstoffe wie Phenolsäuren, die das Risiko für Krebs ebenfalls verringern können. © agefotostock/Imago
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.
Rubriklistenbild: © Zoonar.com/ELENA HRAMOVA/Imago