Mangelware

Wenn Unternehmen ein Risiko erkennen: Das sind die häufigsten Ursachen für einen Rückruf

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Es kommt nicht selten vor, dass ein Unternehmen per Rückruf fehlerhafte Produkte aus dem Verkehr zieht. Die häufigsten Ursachen lassen sich klar nachvollziehen.

München – Wo Menschen arbeiten, da passieren Fehler. Es ist nicht nur eine Floskel, sondern Realität. Immer wieder kommt es vor, dass mangelhafte Produkte nicht von der Qualitätskontrolle erkannt werden und in den Verkauf kommen. Sehen Hersteller darin eine Gefahr für Menschen, warnen sie vor möglichen Schäden und starten einen Rückruf. Die häufigsten Ursachen verrät ein Blick in die Statistik.

Was ist ein Rückruf?Ein Produkt wird wegen eines Mangels zurückgenommen
Was kann zurückgerufen werden?Jede Art von Produkt
Wie oft passieren Rückrufe?täglich

Die Gründe dafür sind vielfältig. Mal rufen Autokonzerne Fahrzeuge zurück, weil sie einen Defekt an den Bremsen festgestellt haben, mal warnen Hersteller von Lebensmitteln vor Plastikteilchen in Produkten. Ebenfalls in der Statistik finden sich Rückrufaktionen von Haushaltsgeräten und Arzneimitteln.

Autokonzerne führen Rückruf-Statistik an

Es ist zu beobachten, dass die Anzahl der Lebensmittelwarnungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen hat. Dies geht aus einer Liste des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor, auf die sich die Zeitungen der Funke Mediengruppe berufen. Während im Jahr 2015 lediglich 100 Warnungen ausgesprochen wurden, erhöhte sich diese Zahl im Jahr 2018 bereits auf 186.

Ein Rückruf kann die Kunden im Supermarkt bei allem ereilen, was in den Einkaufswagen wandert. (Symbolbild)

Am häufigsten betrifft ein Rückruf die Automobilbranche. Stellt ein Hersteller Mängel an sicherheitsrelevanten Teilen wie Sicherheitsgurte, Lenkung, Airbags, Bremsen, Fahrwerk oder Motor fest, ruft er betroffene Fahrzeuge mithilfe des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zurück und behebt den Fehler kostenfrei. So gab es laut einer Statistik des KBA im Jahr 2019 in Deutschland mehr als 600 Rückrufaktionen von Autoherstellern.

Häufigste Ursachen für einen Lebensmittel-Rückruf sind Verunreinigungen oder Fremdkörper

Ebenfalls häufig von Rückrufen betroffen ist die Lebensmittelindustrie. Im Jahr 2019 stieg die Zahl der Lebensmittelwarnungen auf ein neues Rekordniveau: 198 Produkte wurden beanstandet. Die häufigste Ursache für Rückrufe waren laut einer Statistik des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in 73 Fällen mikrobiologische Verunreinigungen durch Keime, Viren, Pilze oder Bakterien.

In mehr als 60 Fällen waren Fremdkörper wie Teilchen aus Plastik oder Metall, die während der Herstellung in die Produkte gelangten, Grund für einen Rückruf. Unzulässige Inhaltsstoffe wurden in etwa 30 Fällen beanstandet. Leidtragende eines Rückrufs sind meistens Supermärkte oder Discounter, die den Mangel öffentlich machen und den Rückruf abwickeln. 

Warum immer mehr Produkte zurückgerufen werden

Es ist zu beobachten, dass die Anzahl der Rückrufaktionen in Deutschland, ob in der Automobilindustrie oder bei Lebensmitteln von Supermärkten wie Aldi, Lidl oder Rewe, seit Jahren zunimmt. Das Kraftfahrt-Bundesamt führt diesen Trend in der Automobilindustrie in seiner Statistik unter anderem auf eine erhöhte Anzahl von Tests in den letzten Jahren zurück. Im Gegensatz dazu wird in der Lebensmittelindustrie bemängelt, dass nicht genügend Kontrollen durchgeführt werden. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die Kontrollteams oft unterbesetzt sind.

Das NDR-Verbrauchermagazin identifiziert den Wettbewerbsdruck bei den Produktionskosten als einen Faktor für die zunehmenden Rückrufaktionen. Darüber hinaus wird oft auf feste Lagerkapazitäten verzichtet. Dies führt dazu, dass viele Produkte unmittelbar nach ihrer Herstellung ausgeliefert werden, was eine vorherige Kontrolle erschwert. Ein weiterer Grund für die steigende Anzahl von Rückrufen könnten die vermehrten Hinweise von Kunden über soziale Medien sein.

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg

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