Eiserne Espresso-Preisregel Italiens wohl für immer gefallen – Kaffeeröster rechnet mit neuer Schallmauer
VonChristoph Gschoßmann
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Kaffeeliebhaber, die nach Italien fahren, müssen bald tiefer in die Tasche greifen. Eine Schallmauer, die jahrelang galt, fällt nun wohl endgültig.
Rom – „Der Espresso darf nicht mehr als einen Euro kosten“ – So lautet eine „eiserne Regel“ in Italien, für die es sogar handfeste Gründe gibt. Das Land am Mittelmeer ist für seine Kaffeeliebhaber bekannt, Kaffee ist dort ein Kulturgut. Doch wer in den letzten Jahren die Inflation beobachtet hat und vielleicht selbst einmal in Italien Kaffee genossen hat, für den ist es wohl keine Überraschung, dass diese Regel aufzuweichen droht oder bereits aufgeweicht worden ist. Schließlich werden alle Produkte und Leistungen teurer, warum sollte es beim Kaffee eine Ausnahme geben?
Kostet der Espresso in Italien bald standardmäßig zwei Euro pro Tasse?
Der italienische Verbraucherverband Assoutienti rechnet gar mit einer Verdoppelung der ursprünglichen Regel: Demzufolge wird für Espresso an einer Bar in den kommenden Monaten gar zwei Euro fällig. Das schrieb der Verband in einer Pressemitteilung. Auch Strandplatz-Preise stiegen in Italien zuletzt signifikant.
Der Verband gibt zu bedenken, dass in den letzten drei Jahren die Espressopreise bereits um 15 Prozent gestiegen seien. Laut Zahlen des Verbandes sind Robusta-Kaffeebohnen gar um 68 Prozent teurer geworden als noch im Vorjahr im August 2023.
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In einigen Städten liege der Espressopreis laut einer Untersuchung des Verbandes bereits bei 1,50 Euro pro Tasse. Jedes Jahr sollen rund sechs Milliarden Kaffees serviert werden und so sieben Milliarden Euro generiert werden. Die Erhöhung treffe die Verbraucher, so Verbandspräsident Gabriele Melluso, der von einem täglichen Ritual für Millionen von Bürgern sprach.
Duch die hohen Kosten drohe einigen Städten wie Neapel der gute Brauch des „suspendierten Kaffees“ verloren zu gehen, der „bekanntermaßen schon immer einen enormen sozialen und solidarischen Wert hatte“.
Frost in den Anbauländern als Grund für steigende Kaffeepreise in Italien
Auch der Inhaber der Südtiroler Kaffeerösterei Caroma, Valentin Hofer, spricht von Steigerungen von 50 bis 70 Prozent je nach Sorte. Er nennt laut Rai Extremwetter durch den Klimawandel als größten Grund für die steigenden Preise. „In den Anbauländern gab es Frost, in Vietnam Trockenheit. Damit sterben die Kaffeepflanzen, Kaffee fehlt also – und das treibt den Preis.“
Der Trend werde sich auch nicht schnell ändern, denn: „Wenn eine Kaffeepflanze stirbt, braucht sie drei bis fünf Jahre, bis sie das nächste Mal Erträge abwirft“, erklärt er und „geht nicht davon aus“, dass der Preis bald wieder sinkt. Dazu kämen dann noch die Transportkosten und der steigende Kaffeekonsum.
Kaffeepreise in Italien in der Regel tiefer als in Deutschland oder Österreich
Nun meint auch Hofer, dass 1,50 Euro für einen Espresso bald zu zwei Euro werden könnten. Das bedeutet harte Zeiten für Kaffeetrinker in Italien, die kleine Preise für einen schnellen Kaffee gewohnt sind. „Das ist eben ein Teil des Problems“, so Hofer. Besonders in Italien seien die Preise für Kaffee recht tief, wenn man das mit Österreich und Deutschland vergleiche. Auch in der Schweiz, in der die Produkte generell teurer sind, stieg zuletzt der Kaffeepreis auf 5 Euro pro Tasse.
Die Baristas sind nun in großen Schwierigkeiten, sie werden die Preise erhöhen müssen, um tatsächlich auch etwas zu verdienen.“ Dennoch ist er überzeugt, dass viele Kunden für gute Qualität auch zwei Euro bezahlen werden. (cgsc)