Schluss mit günstig

Eiserne Espresso-Preisregel Italiens wohl für immer gefallen – Kaffeeröster rechnet mit neuer Schallmauer

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Kaffeeliebhaber, die nach Italien fahren, müssen bald tiefer in die Tasche greifen. Eine Schallmauer, die jahrelang galt, fällt nun wohl endgültig.

Rom – „Der Espresso darf nicht mehr als einen Euro kosten“ – So lautet eine „eiserne Regel“ in Italien, für die es sogar handfeste Gründe gibt. Das Land am Mittelmeer ist für seine Kaffeeliebhaber bekannt, Kaffee ist dort ein Kulturgut. Doch wer in den letzten Jahren die Inflation beobachtet hat und vielleicht selbst einmal in Italien Kaffee genossen hat, für den ist es wohl keine Überraschung, dass diese Regel aufzuweichen droht oder bereits aufgeweicht worden ist. Schließlich werden alle Produkte und Leistungen teurer, warum sollte es beim Kaffee eine Ausnahme geben?

Kostet der Espresso in Italien bald standardmäßig zwei Euro pro Tasse?

Der italienische Verbraucherverband Assoutienti rechnet gar mit einer Verdoppelung der ursprünglichen Regel: Demzufolge wird für Espresso an einer Bar in den kommenden Monaten gar zwei Euro fällig. Das schrieb der Verband in einer Pressemitteilung. Auch Strandplatz-Preise stiegen in Italien zuletzt signifikant.

Der Verband gibt zu bedenken, dass in den letzten drei Jahren die Espressopreise bereits um 15 Prozent gestiegen seien. Laut Zahlen des Verbandes sind Robusta-Kaffeebohnen gar um 68 Prozent teurer geworden als noch im Vorjahr im August 2023.

Unbekannte Städte, Dörfer und Landschaften: Zehn Geheimtipps für den Italien-Urlaub

Stadt Urbino in der italienischen Region Marken
Im Italien-Urlaub verschlägt es viele Reisende zu den Touristenmagneten Rom, Venedig oder Florenz. Aber wie wäre es mit der Stadt Urbino in der italienischen Region Marken? Sie gilt als die “Wiege der Renaissance” und ist der Ort, an dem der berühmte Künstler Raffael das Licht der Welt erblickte. Sein Geburtshaus kann heute noch besichtigt werden. Aufgrund der imposanten Architektur zählt Urbino zudem zum Unesco-Weltkulturerbe. Das wohl beeindruckendste Bauwerk ist der Palazzo Ducale aus dem 15. Jahrhundert.  © Pond5 Images/Imago
Kanal Vena in der italienischen Stadt Chioggia
Wer keine Lust auf lange Schlangen und Gedränge in der Lagunenstadt Venedig hat, findet nur etwa eine Autostunde entfernt die “kleine Schwester” Chioggia – auch bekannt als “kleines Venedig”. Das malerische Fischerdorf mit seinen engen Gassen und bunten Häuschen zeigt das authentische Italien und lädt zu einem Spaziergang durch die Altstadt ein. Besonders an den insgesamt neun Brücken, die über den Canal Vena führen, fühlt man sich an die große Schwester nur 50 Kilometer entfernt erinnert.  © Pond5 Images/Imago
Civita di Bagnoregio in der italienischen Region Latium
Besonders ursprünglich ist das Dorf Civita di Bagnoregio in der Region Latium geblieben. Es wurde vor rund 2.500 Jahren von den Etruskern gegründet und drohte seither aufgrund von Erdrutschen schon mehrere Male auszusterben. Seine einzigartige Lage an der Spitze eines Gesteins macht den Ort jedoch zu einem perfekten Ausflugsziel: Er ist nur über eine 250 Meter lange Fußgängerbrücke zu erreichen, sodass Touristen und Einheimische schon immer vor Autolärm verschont geblieben sind. Eine wunderbare Gelegenheit für Besucher, entspannt durch die Gassen zu spazieren und sich in vergangene Zeiten entführen zu lassen. © Liubomir Paut/Imago
Panorama der zentralen Apenninen im Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga in den Abruzzen
Die Abruzzen zählen ebenfalls zu den eher weniger besuchten Regionen Italiens. Jedoch finden Aktivurlauber genug zu tun, denn mit dem Gebirgsmassiv Gran Sasso befindet sich hier einer der eindrucksvollsten Höhenzüge Italiens. Der Nationalpark verfügt über eine Vielzahl von gut ausgewiesenen Wanderwegen, die tolle Ausblicke auf die imposante Berglandschaft bieten. Da sich das Gebirge nur unweit der Adria-Küste befindet, lässt sich ein Wanderurlaub auch wunderbar mit einer Auszeit am Strand verbinden. © Pond5 Images/Imago
Hafen in Portovenere
Die Cinque Terre mit ihren fünf malerischen Küstendörfern gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen von Italien-Reisenden – daher wird es hier immer Sommer auch mal ganz schön voll. Wer es etwas ruhiger mag, findet nur unweit davon das vergleichsweise unbekannte Portovenere. Auch hier reihen sich bunte Fischerhäuschen aneinander, vor denen sich im Hafen kleine Boote tummeln. Einen Besuch ist außerdem die alte Ortskirche San Pietro wert, die sich vorgelagert auf einem steilen Felsen befindet, sowie die Burg Doria, welche auf einem hohen Felsmassiv thront.  © Pond5 Images/Imago
Sommerabend auf Panarea
Zu den eher unbekannteren Inseln Italiens zählt Panarea im Thyrrenischen Meer vor Sizilien. Beliebt ist sie vor allem bei Prominenten und Wohlhabenden, was sich auch an den Luxusyachten bemerkbar macht, die sich im Hafen befinden. Wer nicht auf dem Eiland übernachten möchte, kann einen Tagesausflug mit der Fähre von Milazzo aus unternehmen. Die Ostküste der Insel ist dicht besiedelt und kann somit wunderbar zu Fuß erkundet werden. Ein Highlight sind die Häuser im Ort San Pietro, die mit ihren weißen Fassaden und blauen Türen an griechische Dörfer erinnern. Wer etwas entspannen möchte, findet sich am Sandstrand Caletta di Zimmari ein.  © Alexander Rochau/Imago
Piazza del Comune Duomo di Santa Maria Assunta mit Torrazzo Baptisterium in Cremona
80 Kilometer südöstlich von Mailand liegt die Stadt Cremona, die für ihre Jahrhunderte alte Tradition des Geigenbaus bekannt ist – bekannte Meister wie Stradivari, Guaneri und Amati waren hier tätig. Einige der schönsten Instrumente werden im Rathaus, dem Palazzo del Comune, ausgestellt. Sehenswert sind zudem der eindrucksvolle Dom von Cremona sowie der benachbarte Glockenturm und das Baptisterium (siehe Bild). © Martin Jung/Imago
Hochebene von Castelluccio im Nationalpark Monti Sibillini
Die Region Marken gehört zu den am wenigsten besuchten Gebieten Italiens – dabei befindet sich hier mit dem Nationalpark Monti Sibillini ein wahres Paradies für Wanderer. Der höchste Gipfel des Gebirgsmassivs ist der Monte Vettore mit 2.476 Metern, an dessen Fuß sich der malerische Lago di Pilato befindet. Zu den beliebtesten Fotomotiven zählt jedoch die Hochebene von Castelluccio, die sich im Mai und Juni in ein buntes Blumenmeer mit Farben von ockergelb bis lila verwandelt.  © Maurizio Sartoretto/Imago
Matera in der italienischen Region Basilikata
Der Ort Matera in der italienischen Region Basilikata wurde 2019 mit dem Titel Kulturhauptstadt ausgezeichnet und im James-Bond-Film “Keine Zeit zu sterben” zur Kulisse einer rasanten Verfolgungsjagd. Dennoch halten sich die Touristenmassen in den verschlungenen Gassen, die sich an den kargen Hügeln entlang schlängeln, noch in Grenzen. Besonders beeindruckend an Matera sind die in den Fels geschlagenen Höhlenwohnungen, auch genannt Sassi, in denen bis in die 60 Jahre hinein noch Menschen lebten.  © Pond5 Images/Imago
Rocce Rosse in Arbatax auf Sardinien
Auf Sardinien konzentrieren sich viele Touristen auf die Regionen rund um Cagliari und Olbia. Dabei hat auch der Osten der Insel einiges zu bieten. Zu den atemberaubendsten Ausblicken zählt die Bucht Rocce Rosse bei Arbatax, einem Ortsteil der Stadt Tortoli. Die hohen roten Granitfelsen vor dem türkisfarbenen Meer sorgen für ein einzigartiges Schauspiel. Am Strand von Cea, wenige Kilometer entfernt, befinden sich mit “Is Scoglius Arrubius” zwei weitere beeindruckende rote Felsen.  © Vadym Lavra/Imago

Kaffeepreis-Erhöhung trifft Italiener hart

In einigen Städten liege der Espressopreis laut einer Untersuchung des Verbandes bereits bei 1,50 Euro pro Tasse. Jedes Jahr sollen rund sechs Milliarden Kaffees serviert werden und so sieben Milliarden Euro generiert werden. Die Erhöhung treffe die Verbraucher, so Verbandspräsident Gabriele Melluso, der von einem täglichen Ritual für Millionen von Bürgern sprach.

Duch die hohen Kosten drohe einigen Städten wie Neapel der gute Brauch des „suspendierten Kaffees“ verloren zu gehen, der „bekanntermaßen schon immer einen enormen sozialen und solidarischen Wert hatte“.

Frost in den Anbauländern als Grund für steigende Kaffeepreise in Italien

Auch der Inhaber der Südtiroler Kaffeerösterei Caroma, Valentin Hofer, spricht von Steigerungen von 50 bis 70 Prozent je nach Sorte. Er nennt laut Rai Extremwetter durch den Klimawandel als größten Grund für die steigenden Preise. „In den Anbauländern gab es Frost, in Vietnam Trockenheit. Damit sterben die Kaffeepflanzen, Kaffee fehlt also – und das treibt den Preis.“

Der Trend werde sich auch nicht schnell ändern, denn: „Wenn eine Kaffeepflanze stirbt, braucht sie drei bis fünf Jahre, bis sie das nächste Mal Erträge abwirft“, erklärt er und „geht nicht davon aus“, dass der Preis bald wieder sinkt. Dazu kämen dann noch die Transportkosten und der steigende Kaffeekonsum.

Der Espresso könnte in Italien bald das doppelte kosten. (Symbolbild)

Kaffeepreise in Italien in der Regel tiefer als in Deutschland oder Österreich

Nun meint auch Hofer, dass 1,50 Euro für einen Espresso bald zu zwei Euro werden könnten. Das bedeutet harte Zeiten für Kaffeetrinker in Italien, die kleine Preise für einen schnellen Kaffee gewohnt sind. „Das ist eben ein Teil des Problems“, so Hofer. Besonders in Italien seien die Preise für Kaffee recht tief, wenn man das mit Österreich und Deutschland vergleiche. Auch in der Schweiz, in der die Produkte generell teurer sind, stieg zuletzt der Kaffeepreis auf 5 Euro pro Tasse.

Die Baristas sind nun in großen Schwierigkeiten, sie werden die Preise erhöhen müssen, um tatsächlich auch etwas zu verdienen.“ Dennoch ist er überzeugt, dass viele Kunden für gute Qualität auch zwei Euro bezahlen werden. (cgsc)

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