Betrug am Telefon erkennen

Telefon-Betrug: Wie Sie sich am besten vor Schockanrufen schützen

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Kriminelle setzen mit Schockanrufen wie dem Enkeltrick ihre Opfer mit Horrorgeschichten massiv unter Druck und bringen sie um ihr ganzes Geld. Wie man solche Anrufe erkennt und richtig reagiert.

Bremen – Die Meldungen über betrügerische Anrufe häufen sich. Immer wieder kommt es dazu, dass Menschen durch Schockanrufe um ihre Ersparnisse gebracht werden – in vielen Fällen mit dem sogenannten Enkeltrick. Die Opfer sind häufig Senioren. In Trappenberg verlor eine 90-Jährige kürzlich 30.000 Euro, weil sie ihre Tochter retten wollte, die angeblich in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt war.

Die Geschichten, die Betrüger ihren Opfern auftischen, sind meist haarsträubend. Die Summen, um die es dabei geht, oft hoch. Im Landkreis Oldenburg erbeuteten Schockanrufer 120.000 Euro in nur zwei Tagen.

Betrugsfälle mit Schockanrufen und Enkeltrick steigen immer weiter an

Mehrere Millionen Euro im Jahr werden bundesweit mit solchen Schockanrufen ergaunert, schätzt das Bundeskriminalamt (BKA). Und die Zahl der Fälle steigt. Von 2021 auf 2022 verzeichnete die Behörde einen deutlichen Anstieg, berichtet der Spiegel. Die Polizei geht zudem von einer recht hohen Dunkelziffer aus, da viele Betrugsopfer aus Scham keine Anzeige erstatten. Wie kann man sich am besten davor schützen, fiesen Betrügern in die Falle zu gehen?

Schockanrufe erkennen – Betrüger erzählen bei Enkeltrick-Anrufen oft ähnliche Geschichten

Das Wichtigste ist im ersten Schritt, überhaupt zu erkennen, dass es sich um einen Schockanruf handelt. Ganz oft beginnen die Telefonate nach einem ähnlichen Muster: „Rate mal, wer hier ist …“, so oder so ähnlich beginnen die Gespräche oft. Das Ziel dabei: Dem Angerufenen Informationen zu entlocken, damit diese im weiteren Verlauf dazu genutzt werden können, um Druck auf das Opfer auszuüben.

Der Weiße Ring empfiehlt daher, sich niemals auf derartige Spielchen einzulassen und Namen zu nennen oder andere Informationen preiszugeben. Schon gar nicht, wenn die Person sich als Verwandte ausgibt, Sie diese aber nicht als solche erkennen.

Bei Schockanrufen geben sich die Betrüger als Verwandte oder Polizeibeamte aus

Ein weiteres Indiz: Die Betrüger bauen ein Bedrohungsszenario auf. Die „Enkelin“ ruft schluchzend an, weil sie in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt ist und nur gegen Kaution freikommt. Oder falsche Polizeibeamte streuen falsche Meldungen von Diebesbanden, die in der Gegend in Häuser einbrechen. Die Täter bieten dann an, die Wertsachen ihrer Opfer in Sicherheit zu bringen. Doch in Wahrheit sehen sie diese wahrscheinlich nie wieder.

Einige Tipps helfen, um nicht auf den Enkeltrick herinzufallen.

Die Kriminellen gehen dabei meist nach dem Zufallsprinzip vor. Sie spähen ihre Opfer nicht gezielt aus, sondern nutzen den akuten Schockmoment aus. Dafür müssen sie schnell sein: Innerhalb von eineinhalb bis zwei Stunden muss der Betrug ablaufen, erklärt ein BKA-Kriminalhauptkommissar dem Spiegel. Dafür bringen sie ihre Opfer geschickt in eine psychische Ausnahmesituation.

Die Opfer von Schockanrufen werden unter Zeitdruck gesetzt – damit sie nicht klar denken können

Entsprechend emotional steigen sie daher auch in die Geschichte ein und lassen den Angerufenen keine Zeit, die Situation zu reflektieren. Die Angerufenen stehen sofort unter enormem Stress und können nicht mehr besonnen agieren – das rationale Denken ist zeitweise außer Kraft gesetzt.

Die Polizei Nordrhein-Westfalen rät daher, umgehend aufzulegen und das Gespräch zu beenden, wenn ein angeblicher Verwandter am Telefon Geld verlangt. Wer sich Sorgen um die nahestehende Person macht, sollte diese besser zurückrufen und nachfragen. Ganz wichtig ist, aus der Situation auszusteigen und sich zunächst in aller Ruhe selbst zu fragen, ob das wirklich sein kann.

Schockanrufe erkennen: Alarmglocken sollten klingeln, wenn zu Geldübergabe aufgefordert wird

Grundsätzlich sollten alle Alarmglocken schrillen, wenn gesagt wird, dass gleich jemand vorbeikommt, dem man Geld und Wertsachen aushändigen soll. Das ist ein Fall für die Polizei. Notieren Sie sich, wenn möglich, die Nummer, unter der die Betrüger angerufen haben und informieren Sie die Polizei unter der Nummer 110.

Auch Passwörter oder PIN-Nummern sollten grundsätzlich niemals an andere weitergegeben werden, rät der Weiße Ring. Banken und andere offizielle Stellen würden Sie niemals darum bitten. Auch Ordnungsamt oder Staatsanwaltschaft fordern niemals telefonisch zur Zahlung von Bußgeldern auf.

Als Schutz vor Schockanrufen: Lieber misstrauisch sein und niemals Geld oder Passwörter herausgeben

Es empfiehlt sich, lieber einmal mehr misstrauisch zu sein als alles zu glauben. Denn ist das Geld erst einmal weg, sind die Chancen sehr schlecht, es zurückzubekommen. Trickbetrug ist über die Hausratsversicherung in der Regel nicht abgedeckt.

Betrüger nutzen inzwischen auch künstliche Intelligenz, die Stimmen täuschend echt simuliert, um ihre Opfer abzuzocken. Doch auch über Messenger-Dienste wie WhatsApp versuchen Kriminelle, Menschen hereinzulegen. Auch bei dieser Masche geben sie meist vor, ein Verwandter zu sein und eine neue Handynummer zu haben. Dann fordern sie die andere Person unter einem Vorwand auf, Geld zu überweisen. In diesem Fall sollte man am besten sofort die Person auf der bekannten Nummer selbst anrufen, um zu fragen, ob die Geschichte stimmt. So lässt sich das Ganze in der Regel schnell selbst klären.

Rubriklistenbild: © Sven Ellger/IMAGO

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