Demenz-Risiko: Zwölf Faktoren bremsen oder verhindern die Erkrankung
VonSusanne Sasse
schließen
Das Demenzrisiko ist zwar zu 60 Prozent nicht zu ändern, aber zu 40 Prozent kann man es sehr wohl beeinflussen. Hier spielen zwölf Punkte eine entscheidende Rolle, erklärt Dr. Jürgen Herzog.
Der Neurologe ist Ärztlicher Direktor der Schön Klinik München Schwabing. Immerhin: 40 Prozent des Demenzrisikos hat jeder einzelne selbst in der Hand. Dies zeigen weltweite Studien zur Demenzprävention. Der Münchner Demenz-Experte Dr. Jürgen Herzog erklärt, wie wir unseren Kopf bis ins hohe Alter möglichst fit halten können. Zudem ist er auch Experte für die Früherkennung und die Behandlung von Demenz.
Schulbildung, gesunde Ernährung, Geselligkeit und vieles mehr schützen das Gedächtnis
„Es gibt Einiges, was jeder tun kann, um sein Demenzrisiko zu senken“, sagt Neurologe und Demenzexperte Dr. Jürgen Herzog. Er arbeitet als Ärztlicher Direktor der Schön Klinik Schwabing in München.
Das Fitnessprogramm fürs Gehirn startet im Idealfall schon in der Kindheit – hier zeigen Studien, dass eine gute Schulbildung das Risiko für Demenz um 7 Prozent verringert.
In der Mitte des Lebens ist Schwerhörigkeit einer der größten Risikofaktoren, erklärt Dr. Herzog: „Wer schlecht hört, steigert das Demenzrisiko um sechs Prozent.“ Zudem kommt es auf einen gesunden Lebensstil an: Es sei wichtig, den Blutdruck zu kontrollieren, denn Bluthochdruck erhöht das Risiko um zwei Prozent. Starkes Übergewicht erhöht das Demenzrisiko um ein Prozent. Dr. Herzog empfiehlt eine gesunde Ernährung und verweist auf die Grundsätze der sogenannten Mittelmeerkost – also mit viel Gemüse, Fisch und gesundem pflanzlichen Fett, etwa Olivenöl. Dies ist auch deshalb wichtig, weil Diabetes das Risiko, später an Demenz zu erkranken, um ein Prozent erhöht.
Auf einen Blick: 12 Faktoren beeinflussen das Demenzrisiko
Zwar lassen sich bei einer genetischen Veranlagung zu einer Alzheimererkrankung die gefürchteten Ablagerungen im Gehirn nicht vermeiden. Wohl aber lohnt es sich, den Kopf fit zu halten, damit die Ablagerungen dann weniger Gedächtnisprobleme verursachen, so Dr. Herzog. Der Experte rät zu einem aktiven Leben, bei dem man geistige Reserven aufbaut. Wichtig sind zudem Stressbewältigung und ausreichend Schlaf, um so das Gehirn zu schützen. Auch die Stimmung ist bedeutsam, denn eine unbehandelte Depression steigert das Demenzrisiko um vier Prozent.
Eine Hirnverletzung erhöht das Demenzrisiko um drei Prozent – ein weiterer Anreiz, nie ohne Helm Rad zu fahren oder Skifahren zu gehen! Auch rät Dr. Herzog zu einem Verzicht auf Kopfbälle, denn auch vorerst unbemerkte kleine Schäden können in Summe das Gehirn belasten.
Rauchen erhöht das Demenzrisiko um fünf Prozent, übermäßiger Alkoholkonsum um ein Prozent.
Demenz- und Alzheimer-Risiko durch Ernährung senken: Mit zwölf Lebensmitteln das Gehirn schützen
Depression und soziale Isolation wirken wie Gift für das Gehirn
Vor allem in der späteren Lebensphase ab 60 Jahren spielt auch die Gemütsverfassung eine erhebliche Rolle, will man eine Demenz vermeiden. Neben der Risikoerhöhung durch eine Depression wirkt auch eine soziale Isolation wie Gift für das Gehirn. Fühlt sich jemand viel einsam und isoliert, erhöht das das Demenzrisiko um vier Prozent.
Einsamkeit und eine depressive Verstimmung steigern das Risiko für Demenz. Auch Stimmungsschwankungen können ein Anzeichen für eine Demenz-Erkrankung sein.
Bewegungsmangel bewirkt nicht nur einen Muskelabbau – er erhöht zudem das Demenzrisiko um zwei Prozent. Denn das Herz hat eine Schlüsselfunktion auch für das Gehirn, das es mit Sauerstoff und Energie versorgt. Ein gesundes Herz schützt also auch das Gehirn in gewissem Umfang. Zudem trainiert Bewegung das Gehirn, indem durch sie neue Verknüpfungen entstehen. Wer also im Alter noch einen neuen Tanz einstudiert und oft sein Gleichgewicht trainiert, schützt auch sein Gehirn vor Demenz.
Der zwölfte Punkt, der das Risiko von Demenz laut der internationalen Expertenkommission zur Demenzprävention steigert, ist eine hohe Luftverschmutzung. Ist die Luft stark belastet, erhöht das das Demenzrisiko um zwei Prozent.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.