Nur elf erhalten Bestnote

Rapsöl im Öko-Test: Sieben Produkte fallen knallhart durch – Pestizide und Schmieröl entdeckt

  • schließen

Öko-Test hat das Rapsöl mehrerer Marken unter die Lupe genommen. Besonders schockierend: In etwa der Hälfte der Produkte wurden Pestizide festgestellt.

Kassel – Ob zum Braten, Dünsten oder Backen – Rapsöl ist ein wahrer Alleskönner. Laut dem AOK-Gesundheitsmagazin punktet das Öl mit dem geringsten Anteil an gesättigten Fettsäuren im Vergleich zu Oliven- oder Sonnenblumenöl. Gleichzeitig weist es einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren auf, die helfen können, den Cholesterinspiegel zu senken und das Herz-Kreislauf-System zu schützen. Allerdings sind laut Öko-Test nicht alle Exemplare so gesund, wie es scheint.

„Es ist ein Test der Überraschungen, genau genommen sind es gleich mehrere“, schreibt Öko-Test einleitend. Die erste Überraschung: In einem Bio-Rapsöl sei ein Pestizid nachgewiesen worden, das in Deutschland bereits seit 52 Jahren verboten ist. Nummer zwei: Das von Öko-Test beauftragte Labor habe einen ihrer Meinung nach zu hohen Anteil an Transfettsäuren entdeckt. „Das Problem hatten die Öl-Hersteller eigentlich längst im Griff“, heißt es weiter im Testbericht.

Sieben Produkte fallen durch: Rapsöl kann laut Öko-Test aber im Geschmack punkten

Öko-Test schickte insgesamt 30 Rapsöle ins Testlabor, darunter 16 raffinierte sowie 14 kaltgepresste Exemplare in Bio-Qualität. Getestet wurden unter anderem „Alnatura Rapsöl nativ“, „Dm Bio Rapsöl kaltgepresst“, „Ja! Reines Rapsöl“ und „Thomy Reines Rapsöl“. Die Preisspanne lag dabei zwischen 1,39 und 15,98 Euro pro Liter. Die gute Nachricht: Insgesamt zeigten sich die Tester beim Geschmack zufrieden. Wie erwartet schmeckten die meisten nativen Rapsöle nussig.

Was ist der Unterschied zwischen raffinierten und kaltgepressten Ölen?

Raffinierte Öle werden durch hohe Hitze und chemische Prozesse aus den Samen oder Früchten extrahiert. Dadurch werden Verunreinigungen entfernt und das Öl länger haltbar gemacht, aber auch einige Nährstoffe zerstört. Kaltgepresste Öle werden ohne Hitze und Chemikalien mechanisch gepresst, wodurch mehr Nährstoffe und Aromen erhalten bleiben. Erste sind oft hitzebeständiger und geschmacksneutral, während letztere intensiver schmecken.

Quelle: Verbraucherzentrale Nordkreis-Westfalen (NRW)

Insgesamt fielen sieben Produkte mit „mangelhaften“ sowie „ungenügenden“ Gesamturteilen durch. Erfreulich ist hingegen, dass elf Rapsöle mit der Bestnote „sehr gut“ und sechs weitere mit der Note „gut“ abschnitten. Zu den Testsiegern gehören:

ProduktPreis pro LiterBewertung bei Öko-Test
Gut & Günstig Pflanzenöl aus Raps1,39 EuroSehr gut
Naturgut Bio Rapskernöl nativ, kaltgepresst3,30 EuroSehr gut
Dm Bio Rapsöl kaltgepresst3,30 EuroSehr gut
Gut Bio Nativ kaltgepresstes Rapsöl3,30 EuroSehr gut
Rapso 100 % reines Rapsöl6,12 EuroSehr gut

Krebserregende Pestizide in Rapsöl nachgewiesen: Öko-Test vergibt Note „ungenügend“

In etwa der Hälfte der getesteten Rapsöle wurden Rückstände von Pestiziden entdeckt. „Aufgrund unbekannter Wechselwirkungen werten wir ab, wenn es sich um zwei oder mehr Rückstände handelt“, so Öko-Test. Dieses Verfahren werde ebenso bei Pestiziden angewandt, die in der EU im Anbau verboten sind oder wenn die Tester sie als besonders bedenklich einstufen – wie etwa Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), das in einem Bio-Produkt nachgewiesen wurde.

Bei dem besagten Produkt handelt es sich um „Dennree Rapsöl kaltgepresst“, welches laut Anbieter aus Rumänien stammt. Allerdings ist das Pestizid nicht nur in Deutschland verboten, sondern auch in dem EU-Land und in anderen Ländern. Der Grund: Es gilt als wahrscheinlich krebserregend und ist hochgiftig für viele Tierarten. In der Umwelt braucht es lange, um sich abzubauen. Weil der nachgewiesene Rückstand sehr niedrig ist, darf das Produkt aber weiterhin verkauft werden.

Pestizide wurden auch bei Gewürzgurken von Aldi festgestellt, weswegen sie im Öko-Test krachend durchgefallen sind. Zwei der dabei entdeckten Varianten würden die Tester als besonders bedenklich einstufen.

Öko-Test hat Rapsöl genauer unter die Lupe genommen. Dabei sind sieben Produkte knallhart durchgefallen.

Rapsöl unter der Lupe: Öko-Test entdeckt Transfette und Verunreinigung durch Schmieröl

Öko-Test kritisiert im „Ja! Reines Rapsöl“ und „Penny Reines Rapsöl“ außerdem zu hohe Gehalte an Transfetten. Laut WHO könnten diese das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.„Seit 2019 gibt es einen Grenzwert, den die beiden Produkte zwar einhalten – sie dürfen so also verkauft werden“, steht im Testbericht der Ausgabe 8/2024. Allerdings werten sie die Produkte um jeweils zwei Noten ab, weil sie diesen Grenzwert zu mehr als der Hälfte ausschöpfen.

Übertroffen werden die negativen Ergebnisse durch die Verunreinigungen mit den gesättigten Kohlenwasserstoffen MOSH/MOSH-Analoga, die Öko-Test zufolge in neun Rapsölen nachgewiesen wurden. Die besonders bedenklichen Bestandteile an aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) wurden demnach in „Thomy Reines Rapsöl“ und „Alnatura Rapsöl nativ“ festgestellt. Raps kann bereits bei der Ernte oder der Pressung durch Schmieröl verunreinigt werden.

Bereits 2020 hat Öko-Test Schadstoffe im Rapsöl entdeckt. Auch damals ist das Rapsöl von Thomy durchgefallen und hat die Note „ungenügend“ bekommen, weil die Mineralölwerte „sehr stark erhöht“ waren. (cln)

Rubriklistenbild: © MiS/Imago

Kommentare