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Gewürzgurken sollten mit Bedacht gegessen werden. Währen viele Hersteller die Bestnote erhalten, verstecken sich in den meisten Produkten dennoch Pestizide.
Kassel – Gewürzgurken kommen in der Küche an vielen Stellen zum Einsatz. Ob im Salat, auf Burgern oder einfach als kleiner Snack nebenbei, entsprechend groß ist das Angebot in Supermärkten wie Aldi, Lidl und Co. In einem Vergleich hat Öko-Test deshalb 24 Gewürzgurken-Produkte genauer unter die Lupe genommen. Während ein Großteil der Produkte von den Experten als „sehr gut“ eingeschätzt wird, sind viele von ihnen gleichzeitig mit Pestiziden belastet.
Gewürzgurken-Sieger bei Öko-Test
- Alnatura Gewürzgurken, Bioland, Note: sehr gut
- Dennree Gewürzgurken, Bioland, Note: sehr gut
- Edeka Bio Gewürzgurken, Auslese, Note: sehr gut
Gewürzgurken-Verlierer bei Öko-Test
- Kühne Gewürzgurken Auslese, mit Kräutern verfeinert, Note: befriedigend
- Spreewald Feldmann Original Spreewälder Gewürzgurken, Note: befriedigend
- Aldi, King´s Crown Genießerfässchen Gewürzgurken, Kräuter, Note: ausreichend
Die Experten von Öko-Test kritisieren besonders einen Punkt an der Gewürzgurken-Vielfalt. Zwar würde über die Hälfte aller Gurken mit der Bestnote bewertet werden, jedoch seien rund zwei Drittel aller getesteten Gewürzgurken-Produkte mit Pestiziden belastet.
Für die Experten sei dieses Ergebnis enttäuschend. Immerhin sollen Pestizide in Gewürzgurken bei einem Test von 2007 noch kaum bis gar keine Rolle gespielt haben. Dennoch stellen die Fachleute von Öko-Test klar, dass die Anteile von den Pestiziden so gering seien, dass sie diese lediglich als Spuren einordnen. Zuletzt wurden auch in den Bergen Südtirols schädliche Pestizide nachgewiesen.
Experten entdecken zwei bedenkliche Pestizide in Gewürzgurken-Test
Zwei der dabei entdeckten Pestizide würden die Experten jedoch als besonders bedenklich einstufen. Darunter Glyphosat, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beim Menschen als krebserregend eingeschätzt wird und maßgeblich zum Artensterben beitragen würde. Auch Dimethomorph, das laut der CLP-Verordnung in Verdacht steht, die menschliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen, wurde in dem Test nachgewiesen. Der Verzehr könnte von einigen Gewürzgurken könnte also besonders für Menschen gefährlich sein, die viele und regelmäßig davon essen.
Sieben Pestizide in nur einem Gewürzgurken-Produkt – Aldi schneidet bei Öko-Test schlecht ab
Alleine in den „King´s Crown Genießerfässchen Gewürzgurken“ von Aldi Süd sollen gleich sieben Pestizide gleichzeitig nachgewiesen worden sein. Auf Anfrage von IPPEN.MEDIA äußerte sich das Unternehmen dazu bislang noch nicht. In den „Hengstenberg Knax Gewürzgurken, knackig-würzig“ seien es sechs verschiedene Spuren von Pestiziden in einem Produkt, darunter besagtes Dimethomorph. In den „Spreewald Feldmann, Original Spreewälder Gewürzgurken“ wurden vier verschiedene Pestizide festgestellt, darunter Glyphosat. Auch in Erdbeeren warnten Experten vor Pestizid-Rückständen.
Wechselwirkungen von Pestiziden verstärken giftige Wirkung
Durch Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen Pestiziden kann ihre giftige Wirkung verstärkt werden. Diese Gefahren werden bislang durch die Risikobewertung nicht ausreichend berücksichtigt. Eine potenzielle gesundheitliche Gefährdung kann hier nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden – zumal wir auch anderen Chemikalien wie Weichmachern, Flourverbindungen und Schwermetallen ausgesetzt sind. Aus Sicht des Verbraucherschutzes sind bei Mehrfachbelastungen mit unterschiedlichen Chemikalien die derzeit geltenden EU-Grenzwerte nicht ausreichend.
(Quelle: bund.net)
Nur noch zwei Hersteller setzen auf zusätzlich Aromastoffe bei Gewürzgurken
Jedoch erkennen die Experten auch einen Fortschritt in der Gewürzgurken-Landschaft. Während beim Vorgängertest noch alle konventionellen Hersteller auf zusätzliche Aromastoffe setzten, seien es heute nur noch zwei Hersteller, die den Geschmack künstlich verstärken würden.
Vereinzelnd würden Hersteller zudem den angegebenen Salzgehalt ihrer Gewürzgurken nicht einhalten. Das würde sich negativ auf die Bewertung auswirken, der Zuckergehalt der Gewürzgurken hingegen würde bei der Bewertung von Öko-Test keine Rolle spielen. Dennoch hätten die Experten einen Blick darauf geworfen. Dafür, dass es sich bei Gewürzgurken um ein deftiges Lebensmittel handelt, seien einige erstaunlich stark gesüßt, sodass der Zuckergehalt von 3,8 bis 8,3 Gramm Zucker pro 100 Gramm reichen soll. (bk)
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