Schub für Elektro-Lkw: MAN und E.on planen europaweiten Ladenetz-Ausbau
VonSebastian Oppenheimer
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Auch schwere Nutzfahrzeuge sollen immer weniger CO₂ ausstoßen. Eine Lösung lautet: Elektro-Lkw. Nun planen E.on und MAN ein europaweites Ladenetz.
Für das Elektroauto war 2024 in Deutschland bislang ein schwarzes Jahr. Stromer verkaufen sich nach der Streichung der Förderung durch den Umweltbonus nur schleppend – auch im Juni blieben die E-Auto-Neuzulassungen unter Vorjahresniveau. All dies bleibt für die Autobauer nicht ohne Folgen: Bei Mercedes will man einige Verbrenner-Baureihen länger produzieren als geplant, dem Audi-Werk in Brüssel droht das Aus – auch, weil sich das dort gebaute E-SUV Q8 e-tron schlecht verkauft. Dennoch geht etwa VW-Markenchef Thomas Schäfer nur von einem „Zwischentief“ aus, auch andere Experten sind überzeugt, dass sich E-Mobilität langfristig durchsetzt. Laut EU-Parlament sollen auch Lkw sauberer werden und bis zum Jahr 2040 mindestens 90 Prozent weniger CO₂ ausstoßen – mit dem Verbrenner kaum zu bewältigen. Künftig könnten Elektro-Lkw eine wichtige Rolle spielen – auch wenn sie aktuell noch eine Randerscheinung sind.
Ladenetz für Elektro-Lkw: 400 Ladepunkte an 170 Standorten geplant
Nun haben der Energiekonzern E.on und der Nutzfahrzeughersteller MAN angekündigt, ein öffentliches Ladenetzwerk für Elektro-Lkw in Europa aufzubauen. Das Vorhaben umfasst 400 Ladepunkte an etwa 170 Standorten, die an strategisch ausgewählten MAN-Servicestützpunkten in Industriegebieten und in der Nähe von Autobahnen installiert werden sollen. Der erste Ladepunkt soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Die neuen Standorte sind nicht nur für MAN-Fahrzeuge, sondern auch für Nutzfahrzeuge anderer Hersteller zugänglich. In Deutschland sollen 125 der insgesamt 170 geplanten Standorte errichtet werden. Weitere Standorte entstehen in Österreich, Großbritannien, Dänemark, Italien, Polen, Tschechien und Ungarn.
400-kW-Laden zum Start – später soll auf Megawatt-Laden umgerüstet werden
Bis Ende 2025 sollen 80 Standorte in Betrieb sein. Die Standorte werden zunächst mit 400-Kilowatt-Ladepunkten ausgestattet, die eine Lkw-Reichweite von bis zu 300 Kilometern in etwa 45 Minuten ermöglichen sollen. Die geplanten Ladestationen sollen später auf das sogenannte „Megawatt-Ladesystem“ umgerüstet werden, welches ein noch schnelleres Laden möglich macht. „Wir investieren massiv, um der Infrastruktur für den elektrischen Schwerlastverkehr einen entscheidenden Schub zu geben“, sagte Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender der E.on SE.
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Schwere Nutzfahrzeuge sollen künftig deutlich weniger CO₂ ausstoßen
Laut dem EU-Parlament sollen schwere Nutzfahrzeuge bis 2040 mindestens 90 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen. Bis 2035 sollen die Emissionen um 65 Prozent im Vergleich zu 2019 gesenkt werden. Die nun von den beiden Unternehmen geplanten 400 Ladepunkte sind aber nur ein Bruchteil der E-Infrastruktur, die europaweit für Elektro-Lkw benötigt wird. Alexander Vlaskamp, Vorstandsvorsitzender der MAN Truck & Bus SE, betonte: „Damit die Mobilitätswende gelingt, benötigen wir bis 2030 rund 50.000 Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge in Europa“.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.
Die neuen Ladestationen werden an MAN-Servicestützpunkten installiert, die sich vorwiegend in Industriegebieten mit hohem Lkw-Aufkommen oder in der Nähe von Autobahnen befinden. Dies ermöglicht eine nahtlose Integration des Ladens in den Betriebsalltag der Fahrer. Die Ladeplätze sind durchfahrbar gestaltet, sodass Lkw und Busse nicht rangieren müssen.