- VonAnna-Lena Kiegerlschließen
Nahrungsergänzungsmittel gegen Gelenkschmerzen – keine gute Idee. Denn wie die Stiftung Warentest herausfand, sind diese überflüssig.
Kassel – Viele Menschen schwören auf Nahrungsergänzungsmittel und sind überzeugt von ihrer Wirksamkeit. So gibt es auch für Kinder zahlreiche Angebote. Nun hat Stiftung Warentest einen Teil dieser Produkte unter die Lupe genommen – mit einem ernüchternden Ergebnis. Alle getesteten Produkte sind überflüssig, ein großer Teil sogar riskant.
Stiftung Warentest prüft 18 Nahrungsergänzungsmittel: Alle Mittel sind wahrscheinlich unnötig
Insgesamt wurden von der Stiftung Warentest 18 Nahrungsergänzungsmittel aus medizinischer und ernährungswissenschaftlicher Sicht betrachtet. Dabei wurde sich auf Produkte konzentriert, die vom Namen und der Aufmachung einen Bezug zur Erhaltung der Knochen- und Knorpelfunktion oder der allgemeinen Gelenk-Gesundheit zeigten. Die Preise für eine Tagesration lagen dabei sehr unterschiedlich, von 14 Cent bis 2,18 Euro.
Der Fokus der Prüfung lag auf drei Aspekten: wichtige Warnhinweise auf der Packung, die Belegbarkeit der Wirkung durch Studien, sowie die Zulässigkeit von Werbeaussagen. Das enttäuschende Fazit: Für keines der Mittel liegen ausreichend wissenschaftliche Belege vor, die eine Wirksamkeit sichern. Die Mittel sind also mit großer Wahrscheinlichkeit unnötig und damit eine Verschwendung von Geld. Zudem weisen 16 der 18 getesteten Mittel weitere mehr oder weniger große Mängel auf.
Nahrungsergänzungsmittel im Test: Orthomol-Produkt überschreitet Höchstmengen
Ein Beispiel für diese Mängel ist „Chondoplus“ von Orthomol. Dieses Produkt überschreitet für 8 Vitamine und Mineralien die vom BfR herausgegebenen Höchstmengen. Bei Vitamin E sogar um das 3-fache. Das ist zwar nicht akut gesundheitsgefährdend, doch stehen hohe Dosen des Vitamins in Verdacht, die Gefahr für Prostatakrebs bei Männern über 55 zu erhöhen. Außerdem fehlt der Warnhinweis.
Nahrungsergänzungsmittel benötigen keine Zulassung, ebenso müssen Hersteller keine Wirksamkeit oder Sicherheit nachweisen. Insgesamt gibt es für keines der Produkte einen Beleg, dass diese Gelenkbeschwerden lindern und Arthrose vorbeugen können.
Stiftung Warentest findet unerlaubte Werbeversprechen: „mit Vitamin C für leistungsstarke Gelenke“
Zudem gibt es unerlaubte Werbeversprechen auf einigen Verpackungen. Quiris Healthcare nutzt den Spruch „mit Vitamin C für leistungsstarke Gelenke“, Alsiroyal Gelenk-Elixier wirbt dahingegen mit einer klinischen Studie, die beweisen soll, dass die enthaltenen Pflanzen eine positive Auswirkung auf die Beweglichkeit der Gelenke haben. Solche gesundheitsbezogenen Aussagen müssen von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zugelassen werden.
Zudem bilden viele der Hersteller ein Gelenk auf der Verpackung ab, das lässt den Anschein erwecken, dass sich die Mittel positiv auf diese auswirken. Außerdem werden Inhaltsstoffe wie Chonditrin oder Glucosamin im Namen oder präsent auf der Verpackung genannt. Jedoch kann die Wirksamkeit dieser Stoffe gegen Arthrose bisher nicht belegt werden.
Stiftung Warentest testet Nahrungsergänzungsmittel: Das sind die Ergebnisse
- Überflüssig: Nature Love: Knochen & Knorpel MSM 2000, Raab Vitalfood: Hagebutten
- Überflüssig mit kleinen Mängeln (Gelenke auf Verpackung abgebildet): Abtei: Aktiv Kollagen 5000, Hübner: Arthoro Arthro, Salus: Salusan Ortho
- Überflüssig mit Mängeln (entweder es fehlten Warnhinweise, es werden behördlich empfohlene Höchstwerte überschritten oder es werden nicht erlaubte Gesundheitsversprechen gemacht): Alsiroyal: Gelenk-Elixier, dm: Mivolis Glucosamin 1.250 Nährstoff-Komplex, Doppelherz: Aktiv Glucosamin 1550, Doppelherz: System Kollagen 11000 Plus, Quiris Healthcare: CH-Alpha Plus, Tetesept: Glucosamin 1550
- Überflüssig mit erheblichen Mängeln (alle überschreiten empfohlene Höchstmengen und es fehlen Warnhinweise): Amitamin: Arthro 360, Dr. Böhm: Gelenke & Knorpel, Dr. Loges: Flexiloges Gelenknahrung, Müller: Silavit Glucosamin 1500, Orthomol: Chondroplus, Pure Encapsulations: Chondro Aktiv
Nahrungsergänzungsmittel sind bei Arthrose und Gelenkbeschwerden also keine gute Idee. Stattdessen gilt hier der bekannte Spruch: Bewegung ist die beste Medizin. So rät auch die Barmer Krankenkasse bei Arthrose zu viel Bewegung. Ganze zwei bis drei Stunden in der Woche empfiehlt sie. Dabei sollen vor allem gelenkschonende Sportarten, wie Nordic Walking, Aquafitness oder Radfahren, praktiziert werden.
Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Erwachsene meist nicht nötig
Generell sind Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Erwachsene meist unnötig. So schreibt es auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: „Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Personen, die sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, in der Regel überflüssig. Sie sind auch kein Ersatz für eine entsprechende Ernährungsweise mit viel Obst und Gemüse. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise kann nicht durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden.“ Demnach ist Nahrungsergänzung lediglich sinnvoll, wenn Menschen nicht genügend Nährstoffe in der Ernährung aufnehmen, so kann zum Beispiel die Aufnahme von Calcium für Menschen, die keine Milchprodukte essen, sinnvoll sein.„Darüber hinaus dienen Nahrungsergänzungsmittel nicht der Therapie von Krankheiten“, merkt das Bundesamt zusätzlich an.
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