EU-Kommission wird konkret

Strafzölle für chinesische E-Autos: Hersteller kennen nun die Kosten

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Die EU-Kommission hat nun exakte Strafzölle für Elektrofahrzeuge aus China definiert. Fällig werden die Abgaben jedoch frühestens Ende Oktober.

Seitens der EU-Kommission wird China vorgeworfen, durch massive staatliche Beihilfen die Preise für Elektroautos künstlich zu drücken und den Wettbewerb zu verzerren. Diese Praktiken könnten europäische Hersteller benachteiligen und zu Firmenschließungen oder Entlassungen führen. Mit Strafzöllen will man gegensteuern, obwohl diese Maßnahme bei den meisten europäischen Autobauern auf viel Kritik stößt. BMW-Chef Oliver Zipse etwa fürchtet Gegenmaßnahmen der Chinesen und Einbußen bei der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hersteller.

Auf in die EU exportierte Elektroautos aus chinesischer Produktion werden ab Oktober womöglich Strafzölle fällig. (Symbolbild)

Elektroautos aus China: Diese Strafzölle drohen nun den Herstellern

Allem Gegenwind der Autoindustrie zum Trotz hat die EU-Kommission nun konkrete Zahlen für die Strafzölle auf Elektroauto-Importe aus China veröffentlicht. Für Unternehmen, die bei der Anti-Subventions-Untersuchung nicht mit der EU zusammengearbeitet haben, beträgt der Höchstsatz 36,3 Prozent. Folgende weitere Sätze wurden festgelegt:

  • BYD: 17 Prozent
  • Geely: 19,3 Prozent
  • SAIC: 36,3 Prozent

Ohne Einigung sollen die Strafzölle ab Ende Oktober 2024 in Kraft treten

Selbst Tesla wird nicht verschont: Für den US-Autobauer wurde ein Zollsatz von 9 Prozent festgelegt. Andere Produzenten in China werden mit einem Durchschnittszoll von 21,3 Prozent belegt. Dieser „ermäßigte“ Prozentsatz würde dann beispielsweise auch für Volkswagen, BMW und ihre chinesischen Joint-Venture-Partner für Importe von Elektroautos in die EU gelten. Die neuen Zölle sollen spätestens Ende Oktober in Kraft treten und vorerst für fünf Jahre gelten.

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Diese Ausgleichszölle werden zusätzlich zu den regulären Zöllen von zehn Prozent erhoben. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt, dass Strafzölle Verbrauchern und Unternehmen schaden könnten, indem sie die Preise für E-Autos erhöhen.

Elektroauto-Markt in China boomt: Zehn Marken, die Sie kennen sollten

Elektrotransporter von Maxus.
Platz 10 – Maxus: Ford, VW und Mercedes aufgepasst. Mit Maxus greifen die chinesischen Hersteller auch bei den Nutzfahrzeugen an. Die Modelle der 2011 gegründete Tochter von SAIC Motors sind unter anderem bei der österreichischen Post und Ikea im Einsatz. Verkauft werden die Transporter über eigene Händler. © GlobalImagens/Imago
Der Aiways U5.
Platz 9 – Aiways: 2017 ging der Hersteller in China an den Start. Schon zwei Jahre später folgte die erste Niederlassung in Europa. Im selben Jahr kam mit dem U5 das erste Auto in China auf den Markt. 2020 folgte Deutschland.  © Aiways
Der Wey Coffee 01
Platz 8 – Wey: Ihr Debüt feierte die Marke 2016 im Rahmen der Guangzhou Auto Show. Ab 2017 wurden die ersten Autos verkauft. In Europa ist Wey seit 2022 vertreten. Mit dem Coffee 01 will die Tochter von Great Wall in Deutschland durchstarten. Mit dem Plug-in-Hybrid Cooffee 02 legen die Chinesen im Herbst nach. Vertrieben werden die Fahrzeuge vom Importeur Emil Frey. © Wey
Lynk & Co 01
Platz 7 – Lynk & Co: Auch hinter diesem Hersteller, der 2016 gegründet wurde, verbirgt sich wieder Geely. Der Plug-in-Hybrid 01 wird dabei vor allem im Abo vertrieben. Das Modell kann aber auch gekauft oder geliehen werden. Entwickelt und entworfen wurde der Lynk & Co in Schweden bei der Konzernschwester Volvo.  © Lynk & Co
Der MG 4 EV.
Platz 6 – MG: Tot gesagte Leben länger. Das gilt auch für die britische Traditionsmarke MG. Allerdings nicht mehr unter der Flagge ihrer Majestät. Nach der Insolvenz erwarb zunächst die Nanjing Automobile Group im Juni 2005 die Markenrechte für 53 Millionen Pfund Sterling (ca. 61 Millionen Euro). Inzwischen gehört der Hersteller zu SAIC Motor. Dort wurde MG mit Roewe in der Abteilung Passenger Vehicle zusammengefasst. Seit Januar 2021 ist MG auch wieder auf dem deutschen Markt vertreten – unter anderem mit dem 4 EV. © MG
Der Xpeng P7.
Platz 5 – Xpeng: Wie viele chinesische Hersteller ist auch Xpeng noch relativ jung. Erst 2014 wurde das Unternehmen gegründet, konnte in den vergangenen Jahren seine Stückzahlen aber immer weiter steigern. In Europa ist Xpeng bisher lediglich in Schweden, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden vertreten. Wann der Hersteller nach Deutschland kommt, ist unklar. © Zuma Wire/Imago
Der Zeekr 001.
Platz 4 – Zeekr: Auch wenn der Name so gar nicht chinesisch klingt, stammt der Hersteller dennoch aus dem Reich der Mitte. Der Markenname setzt sich aus Generation Z und dem Begriff Geek zusammen. Hinter dem erst 2021 gegründeten Autobauer steckt Geely. Mit der neuen Tochter möchte man im Premiumsegment Fuß fassen. Zeekr arbeitet zudem mit Waymo an einem vollelektrischen, autonom fahrenden Ride-Hailing-Fahrzeug für die USA. Zusammen mit Mobileeye will man bis 2024 autonomes Fahren in Serie bringen. 2023 soll die Marke in Schweden und den Niederlanden mit den Modellen 001 und X ihren Europa-Start feiern. © Zeekr
Der Ora Funky Cat.
Platz 3 – Ora: Wie Wey gehört auch Ora zu Great Wall Motor. Gegründet wurde die Elektro-Tochter erst im Jahr 2018. Trotz ihrer noch recht jungen Geschichte hat die Marke schon für einen Aufreger gesorgt und eine dreiste Kopie des VW Käfer auf den Markt gebracht. In Europa gibt es das Modell jedoch nicht, dafür aber den Funky Cat. © Ora/GWM
Der NIO ES6 steht auf einer Messe.
Platz 2 – NIO: Der Name des 2014 gergründeten Herstellers ist eine Anspielung auf den Smog über den Großstädten Chinas. Nio,in chinesischen Schriftzeichen „Weilai“, bedeutet übersetzt „Der Himmel wird blau“. Eine Besonderheit der Marke ist die Battery-Swap-Technologie. In fünf Minuten wird der Akku gegen einen neuen ausgetauscht. Sein Europa-Debüt gab Nio 2021 in Norwegen. Seit 2022 sind die Elektroautos auch in Deutschland erhältlich. © VCG/Imago
Der BYD Seal.
Platz 1 – BYD: Unter den chinesischen Autobauern ist Built Your Dreams (BYD) fast schon so was wie der Opa. Seit 1995 gibt es das Unternehmen bereits. Autos spielten am Anfang jedoch noch keine Rolle, stattdessen baute man wiederaufladbare Batterien. Erst 2003 stieg man durch den Kauf der angeschlagenen Xian Qinhuan Automobile in das Automobilgeschäft ein. Inzwischen ist BYD einer größten Automobilproduzenten Chinas und der Welt. In Deutschland sind die Chinesen derzeit mit den Modellen Atto3, Han und Tang vertreten. © VCG/Imago

China verurteilt die geplanten Zölle als „protektionistisch“

Die chinesische Handelskammer bei der EU (CCCEU) verurteilt die geplanten Zölle als protektionistisch und sieht keine hinreichenden Beweise für Schäden an europäischen Herstellern. China hat die Welthandelsorganisation (WTO) angerufen, um gegen die EU-Maßnahmen vorzugehen.

Es gibt jedoch noch Verhandlungsmöglichkeiten mit Peking, um die Zölle abzuwenden. Betroffene Parteien haben die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben und Anhörungen zu beantragen. Eine endgültige Entscheidung über die Einführung der Strafzölle soll bis Ende Oktober bekanntgegeben werden – die Kommission muss darüber unter den 27 EU-Staaten abstimmen lassen.

Rubriklistenbild: © Arnulf Hettrich/Imago

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