Gewerkschaft vs. DB

GDL kündigt Streiks bei der Deutschen Bahn an – „ein Unding“

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Der Tarifstreikt mit der Deutschen Bahn geht weiter. Jetzt hat die Gewerkschaft GDL Streiks angekündigt. Der Zeitraum ist unklar.

Update vom 14. November, 15.41 Uhr: Im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn (DB) hat die Lokführergewerkschaft GDL Streiks angekündigt. Die Gewerkschaft habe dem Konzern am Nachmittag einen Streikbeschluss übermittelt, erklärte die Deutsche Bahn. Unklar sei noch, wann die GDL streiken werde.

„Jetzt zeigt die Spitze der Lokführergewerkschaft ihr wahres Gesicht, sie war nie an Lösungen interessiert. Der Streikbeschluss zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Unding. Wir haben gerade erst vier weitere Verhandlungstermine mit der Lokführergewerkschaft vereinbart, wir haben bereits in der Auftaktrunde ein 11-Prozent-Angebot auf den Tisch gelegt. Sollte die Lokführergewerkschaft tatsächlich vor den unmittelbar bevorstehenden Verhandlungen streiken, würde sie Millionen Menschen in Haftung nehmen und die Sozialpartnerschaft mit Füßen treten“, wird DB-Personalvorstand Martin Seiler in der Mitteilung der Bahn zitiert.

Bahn bereitet sich mit XXL-Zügen und Notfallplan auf Streik an Weihnachten vor

[Erstmeldung] Hamm - Auto statt Bahn: „Driving home for christmas“ könnte für viele Menschen an Weihnachten 2023 die einzige Option sein, wenn sie zu Freunden und Familie zurückkehren wollen. Jedenfalls dann, wenn der sich abzeichnende Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL auch die Feiertage betreffen sollte. Die Deutsche Bahn (DB) reagiert jetzt mit einem Notfahrplan, doch der weist große Lücken auf.

Notfahrplan und XXL-Züge: Bahn bereitet sich auf Streik über Weihnachten vor

Die Wahrscheinlichkeit, dass es am Ende eines mit Streiks gespickten Jahres erneut zu einem Arbeitskampf mit Millionen Betroffenen kommt, ist nach der ersten Runde der Tarifverhandlungen gestiegen. GDL-Chef Claus Weselsky bezeichnete das Angebot der Bahn AG als „Provokation“.

Nicht erst seit dieser Äußerung steht die Befürchtung, dass die Lokführer ihren Forderungen mit dem wohl schärfsten Druckmittel Nachdruck verleihen könnten: Streik an Weihnachten.

Die Bahn hat Vorkehrungen getroffen: „Wie auch bei früheren Streiks der GDL hat die DB einen Notfahrplan mit einem stark reduzierten Angebot an Fahrten erarbeitet“, sagte eine Bahn-Sprecherin. Nach diesem Fahrplan würden im Fernverkehr „weniger als 20 Prozent des Regelangebots“ eingesetzt.

Bei einem Streik will die Bahn möglichst lange Züge mit mehr Sitzplätzen einsetzen – etwa ein 376 Meter langer XXL-ICE mit 918 Sitzplätzen. Damit soll auf besonders stark nachgefragten Verbindungen gefahren werden, etwa von Hamburg über Köln, Frankfurt und Stuttgart nach München. Wer in kleinere Städte oder gar in die Provinz möchte, hat schlechte Karten.

Streik-Notfallfahrplan: XXL-ICE auf besonders wichtigen Strecken

Einige grenzüberschreitende Verbindungen sollen den Angaben zufolge durch den Einsatz ausländischer Triebfahrzeugführer verkehren. Der Einsatz von Bussen sei hingegen „leider nicht möglich“. Es gibt der Sprecherin zufolge weder ausreichend Fahrzeuge noch Fahrpersonal, um „spontan und flächendeckend“ die Kapazitäten von Zügen zu ersetzen und einen verlässlichen Fahrplan anbieten zu können.

Weihnachten hin oder her – noch ist nicht klar, ob es überhaupt einen Streik geben wird. Allerdings lag das Angebot der Bahn – elf Prozent mehr Lohn sowie eine Inflationsprämie von bis zu 2850 Euro bei einer Laufzeit von 32 Monaten – ein gutes Stück entfernt von den Forderungen der GDL, die da lauten:

  • Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden ohne Lohnkürzung
  • Mindestens 555 Euro mehr Lohn im Monat (324 Euro für Azubis)
  • Erhöhung der Zulage für Schichtarbeit um 25 Prozent
  • Inflationsprämie von 3000 Euro für Voll- und Teilzeitbeschäftigte (1500 Euro für Azubis)

GDL gegen Bahn – das ist nicht der einzige Tarifkonflikt im Herbst 2023. Eine Welle von Warnstreiks droht auch im öffentlichen Dienst, diesmal bei den Beschäftigten der Länder. Betroffen sind Schulen, Unikliniken, Polizei oder Justizverwaltung. 

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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