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Spritpreise schwanken: Experten erklären, wann Sie beim Tanken Geld sparen

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Die Tankpreise verärgern Autofahrer. Zurzeit schwanken sie. Der ADAC erklärt, wann Sie Ihr Auto volltanken sollten, um Geld zu sparen. Vergleichen lohnt sich.

Hamm – Lassen Sie uns die Zeile eines bekannten Malle-Hits etwas umformulieren: „Ich habe überlegt, mit dem Autofahren aufzuhören – aber ich schwanke noch.“ Sie schwanken noch wie die Tankpreise. Egal ob Benzin oder Diesel: der Markt ist unruhig. Besserung ist nicht in Sicht. Viele Tankstellenpächter ärgern sich selbst darüber. Immerhin: Für die Sprit-Kunden hat der ADAC einen Tipp parat. Mit ihm lässt sich viel Geld sparen.

Spritkosten, Inflation und Energiekrise beschäftigen die Menschen in NRW und ganz Deutschland

Angesichts der anhaltenden Inflation und der Energiekrise würden gerne mehr Menschen in NRW und ganz Deutschland, so hört man es immer wieder, ihr Auto stehen lassen. Für viele sind die Spritkosten schlichtweg nicht mehr zu stemmen. Das Geld würde an anderer Stelle, etwa beim Wocheneinkauf im Supermarkt, fehlen. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen ab 2023 Anspruch auf Wohngeld haben. Besonders teuer wird es an der Tankstelle in den Morgenstunden. Dahinter steckt ein profitorientiertes Denken der Konzerne.

Der ADAC, der auch einen Tipp zur neuen Verbandskastenregel hat, rät daher dazu, „unbedingt in den Abendstunden zwischen 20 und 22 Uhr zu tanken“, wie Sprecherin Katrin van Randenborgh im Gespräch mit wa.de erklärt. „Morgens sollte man auf keinen Fall tanken. Autofahrer sollten außerdem den Markt beobachten und Preise vergleichen“, sagt sie. Mitunter gibt es bei den Spritpreisen Tagesschwankungen in Höhe von bis zu 20 Cent pro Liter.

Schwankende Spritpreise in Deutschland: Phänomen wird schon länger beobachtet

„Dieses Phänomen beobachten wir etwa seit März vergangenen Jahres. Zuletzt waren die Schwankungen aber nicht mehr ganz so extrem“, sagt die ADAC-Sprecherin. Das bestätigt auch Jürgen Ziegner vom Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG). Als Geschäftsführer ist ein Schwerpunkt seiner Arbeit die Prüfung der wirtschaftlichen Konditionen in den Tankstellenverträgen der Mineralölgesellschaften und deren Auswirkungen auf die Situation der Mitglieder des ZTG.

„Der Wettbewerb ist schuld, dass die Preise bei den Tankstellen so schwanken. Es ist aber nicht extremer als sonst und die Preiszyklen bleiben relativ gleich“, sagt Ziegner im Gespräch mit wa.de. Das verwundert wenig. Die Preise der Konkurrenz sind dank Internet und Vernetzung in Echtzeit einsehbar. Schnell sind Anpassungen erfolgt.

Spritschleudern der Autogeschichte: 43,5 Liter auf 100 Kilometer

Ein Chevrolet Camaro.
Mit dem Camaro reagierte Chevrolet Ende 1966 auf den beleibten Ford Mustang. Das Muscle Car aus Detroit erwies sich mit dem V8-Motor und 7 Litern Hubraum jedoch als sehr durstig: Bis zu 43,5 Liter auf 100 Kilometern waren keine Seltenheit. © Chevrolet
Ein roter Lamborghini Countach.
Im Heck des ersten Lamborghini Countach verrichtete ein V12-Motor mit 5 Litern Hubraum seinen Dienst. Mit bis zu 33,5 Litern auf 100 Kilometern war der Sportwagen jedoch alles andere als sparsam. Die Neuauflage dürfte dank Hybrid-Antrieb deutlich weniger verbrauchen. © Thomas Zimmermann/Imago
Rolls Royce Corniche Cabrio Baujahr 1984
Der Rolls-Royce Corniche ist mit rund drei Tonnen wahrlich kein Leichtgewicht. Kein Wunder also, dass sich auch der V8-Motor mit 7 Litern Hubraum als Schluckspecht erwies. Bis zu 29 Liter gönnte sich der edle Brite auf 100 Kilometer. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Dodge Charger.
Auch der Dodge Charger ist ein Klassiker der amerikanischen Automobil-Geschichte. Getreu dem Motto „Höher, schneller, weiter“ fällt auch sein Spritverbrauch üppig aus. Bei frühen Modellen waren bis zu 27 Liter auf 100 Kilometer möglich. © Panthermedia/Imago
Aston Martin Lagonda
Optisch kann man vom Aston Martin Lagonda halten, was man möchte. In Sachen Spritverbrauch zählt der Brite, mit bis zu 26,1 Liter auf 100 Kilometern, aber zu den durstigsten Autos, die jemals gebaut wurden.  © Tim Graham/Imago
Hummer H1
Der Hummer H1 wurde ursprünglich vom US-amerikanischen Militär-Herstellers AM General gebaut. Dieser verkaufte die Markenrechte schließlich an General Motors. So wuchtig wie der Geländewagen aussieht, war auch sein Verbrauch, der bei bis zu 24,5 Liter auf 100 Kilometer lag. Die Neuauflage des Klassikers ist im übrigen rein elektrisch unterwegs. © Sebastian Geisler/Imago
Bentley Arnage
Bis 2010 baute Bentley den 2,6 Tonnen schweren Arnage, auf dem auch die State Limousine der verstorbenen Königin Elisabeth II basierte. Mit dem größten Motor war ein Verbrauch von 24,2 Liter auf 100 Kilometer möglich.  © Sebastian Geisler/Imago
Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport L Edition Type 35
Der Bugatti Veyron war eines der ersten Autos mit Straßenzulassung, das mehr als 1000 PS unter der Haube hatte. Der Motor des „Super Sport“ leistete sogar 1.200 PS. Die Folge: ein Verbrauch von durchschnittlich 24,1 Litern auf 100 Kilometer. Innerorts sind sogar bis zu 37,2 Liter möglich. © Sebastian Geisler/Imago
Dodge Challenger RT
Neben dem Charger eroberte Dodge auch mit dem Challenger den US-Muscle-Car-Markt. Letztere zeigte sich mit einem Verbrauch von 23,5 Litern auf 100 Kilometer etwas „sparsamer“. © Andre Poling/Imago
Dodge Viper RT10
Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Das gilt auch für Dodge, denn auch die Viper erweist sich als besonders durstig: bis zu 21,1 Liter auf 100 Kilometer waren möglich. Gebaut wurde der Sportwagen von 1992 bis 2017. © Eibner/Imago

„Die Zeiten, in denen Pächter noch an den Tankstellen der Konkurrenten vorbeigefahren sind, um die Preise den Zentralen durchzugeben, sind längst Geschichte“, erklärt der Tankstellen-Experte. Doch die zentrale Erfassung der Preise für Benzin oder Diesel bietet auch den Tankenden einen Vorteil.

Autofahrer sollen Apps nutzen, um Spritpreise und Tankstellen zu vergleichen

Dank diverser Apps können Autofahrer und Tankstellen-Kunden schnell und einfach die Spritpreise vergleichen. „Dieses Hilfsmittel sollte man auf jeden Fall nutzen“, sagt ADAC-Sprecherin van Randenborgh. Die Verbraucher würden dadurch Druck auf den Markt ausüben. Auch sollten Autofahrer den Tank nicht erst bis auf den letzten Tropfen leeren, sondern immer dann nachtanken, wenn der Sprit gerade günstig ist. „Wir halten die Kunden dazu an, ihre Marktmacht zu nutzen“, sagt sie. Dabei sind die Kunden nicht die einzigen, die unter hohen und schwankenden Spritpreisen leiden. Auch die Tankstellenpächter sind nicht gerade erfreut.

Die Preise an den Tankstellen werden zentral von den Konzernen gesteuert. Der Hintergedanke bei höheren Benzin- oder Dieselkosten in den Morgenstunden ist so simpel wie profitabel – wenn auch nicht für alle.

Morgens ist der Sprit teurer, weil die Konzerne auf vergessliche Pendler setzen

„Die Konzerne wollen den Berufsverkehr mitnehmen und hoffen auf die Pendler, die am Vorabend vergessen haben, ihr Auto vollzutanken“, sagt ZTG-Geschäftsführer Ziegner. Manch einer würde in den Morgenstunden vielleicht auch weniger auf die Spritpreise achten, da in einigen Fällen sowieso die Firma die Kosten übernimmt und nicht das eigene Portemonnaie betroffen ist. Dennoch bedeuten die hohen Spritpreise am Morgen weniger Laufkundschaft für die Pächter der jeweiligen Tankstellen.

„Die sogenannten Kaffee-Kunden fallen weg. Also die Leute, die tanken und auch noch Dinge im Shop kaufen“, sagt Ziegner. Für einige Pächter lohne es sich – auch aufgrund der steigenden Energiepreise, die unter anderem zu Heizkostenzuschüssen führen, von denen viele gar nicht wissen – daher immer weniger, auch morgens zu öffnen. Doch sie müssen.

„Diese Entscheidung liegt nicht beim Pächter, die haben ja Verträge unterzeichnet und sind von den großen Konzernen abhängig“, sagt Ziegner. Wie auch bei den Spritpreisen – ob sie nun schwanken oder nicht.

Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek

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