Tarifdschungel Elektroauto: Versteckte Kosten, die viele nicht auf dem Schirm haben
VonSebastian Oppenheimer
schließen
Gerade Elektroauto-Neulinge erleben oft einen Preisschock an der Ladesäule. Neben dem Strompreis verstecken sich weitere Kostenfallen – wir decken sie auf.
München – Anders als an der Tankstelle, wo Benzin- und Dieselpreise relativ einheitlich sind, variieren die Strompreise an Ladesäulen extrem. Während zu Hause der Strom relativ günstig aus der Steckdose kommt, können die Kosten an öffentlichen Ladestationen ein Vielfaches davon betragen. Doch damit nicht genug: Zusätzlich zum ohnehin unübersichtlichen Preiswirrwarr verstecken sich weitere Kostenfallen, die Elektroauto-Fahrer oft nicht auf dem Schirm haben.
Hier sind drei Faktoren, die Elektroauto-Fahrer zusätzlich zum „normalen“ Preis immer im Auge haben sollten:
Ladeverluste: Der unsichtbare Kostentreiber
Ein oft übersehener Faktor sind Ladeverluste – Energie, die beim Laden „verpufft“ und trotzdem bezahlt werden muss. Je nach Lademethode gehen zwischen 5 und 30 Prozent der bezogenen Energie verloren. An der Haushaltssteckdose sind die Verluste mit 10 bis 30 Prozent besonders hoch – wie ein Vergleich des ADAC ergab. An der Wallbox reduzieren sich die Verluste auf 5 bis 10 Prozent. Auch beim DC-Laden an der Schnellladesäule fallen Ladeverluste an – diese liegen bei warmer Batterie jedoch laut dem Automobilclub nur zwischen einem und vier Prozent. Bei niedrigen Temperaturen und kalter Batterie ändert sich dies jedoch: Dann kann der Verlust auf bis zu zehn Prozent ansteigen.
Blockiergebühren als teure Falle
Besonders heimtückisch sind Blockiergebühren, die inzwischen viele Anbieter erheben. Wer sein Auto länger als nötig an der Ladesäule stehen lässt, zahlt drauf. Bei normalen Ladestationen werden diese Gebühren meist nach mehreren Stunden fällig, bei Schnellladern bereits nach kurzer Zeit. Die Kosten sind zwar oft gedeckelt, können aber die Rechnung erheblich aufblähen – besonders ärgerlich, wenn man das Auto über Nacht stehen lässt.
Roaming-Aufschläge treiben Preise hoch
Ein weiterer Kostentreiber sind Roaming-Gebühren. Wer nicht an den eigenen Ladestationen seines Ladetarif-Anbieters lädt, zahlt deutlich mehr. Die Preisunterschiede zwischen eigenen Stationen und Partnernetzwerken können beträchtlich sein. Diese Aufschläge summieren sich schnell und machen spontanes Laden unterwegs zu einem teuren Vergnügen.
Rätselhafte Verkehrszeichen: Zehn Schilder, deren Bedeutung nicht jedem klar ist
Grundsätzlich gilt: Elektroauto-Fahrer sollten Ladetarife genau vergleichen und alle versteckten Kosten – einschließlich der unvermeidbaren Ladeverluste – einkalkulieren, um böse Überraschungen zu vermeiden. Für bestimmte Fahrerprofile kann ein Ladetarif mit Grundgebühr und niedrigeren Preisen pro kWh die richtige Wahl sein. Für Wenigfahrer oder Nutzer, die häufig Ladesäulen unterschiedlicher Anbieter ansteuern, lohnt sich dies tendenziell eher nicht.