Neue Studie

Bremse, Lichthupe, Auffahren: Deutschlands Autofahrer verhalten sich immer aggressiver

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Auf Deutschlands Straßen wird immer rücksichtsloser gefahren. Das zeigt eine neue Studie. Dennoch fühlen sich die meisten Befragten im Straßenverkehr sicher.

Wenn uns die Corona-Pandemie eins gelehrt hat, dann, dass unsere Gesellschaft immer mehr verroht. Fremde Meinungen zu akzeptieren, fällt vielen Menschen immer schwerer. Doch nicht nur in Diskussionen und bei Demonstrationen nimmt aggressives Verhalten zu, sondern auch auf der Straße. Das zeigt eine Umfrage des Instituts O.trend, an der 2002 Menschen über 18 teilnahmen.

Die Ergebnisse sind besorgniserregend. So gaben 56 Prozent an, dass sie schneller fahren als normal, wenn sie sich ärgern. „Bei dieser Frage müsste man doch eigentlich klar sagen: ‚Nein, das trifft nicht zu.‘ Das Auto ist kein angemessener Ort, um Aggressionen los zu werden,“ sagte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, dazu.

Wer drängelt, wird ausgebremst: Experte übt Kritik am Verhalten der Autofahrer

Die Aussage „Drängelt mich die Person hinter mir, trete ich kurz auf die Bremse, um diese zu ärgern“ bezeichneten 44 Prozent der Befragten als zutreffend. 21 Prozent erklärten, dass sie auf sich aufmerksam machen. Das sind neun Prozent mehr als noch bei der Studie von 2016. Satte 34 Prozent gaben an, dass sie auf „notorische Linksfahrer“ zumindest vereinzelt auch mal dicht auffahren, damit diese die Überholspur frei machen. Das sind acht Prozent mehr als noch 2016.

Aggressives Verhalten wird im Straßenverkehr immer mehr Regel statt zur Ausnahme.

Doch auch überholen lassen wollen sich viele Autofahrer nur ungern. 34 Prozent gaben nämlich an, dass sie dann gelegentlich aufs Gas treten. „Aus Ärger oder zum eigenen Vorteil die Verletzung oder gar den Tod anderer in Kauf zu nehmen, ist vollkommen inakzeptabel“, erklärte Brockmann. „Alle Verantwortlichen müssen jetzt im Lichte der Ergebnisse beraten, wie sich die Situation verbessern lässt.“

Studienteilnehmer begrüßen Tempolimit und Null-Promille-Reglung

Eine mögliche Konsequenz wäre die Null-Promille-Regelung, immerhin kann Alkohol aggressives Verhalten fördern. Was für Fahranfänger ohnehin schon gilt, könnte dann für alle Verkehrsteilnehmer zur Maßgabe werden. Die Null-Promille-Grenze wäre eine Maßnahme, die auf breite Zustimmung trifft. 68 Prozent der Befragten würden sich diese Reglung wünschen, das sind aber acht Prozent weniger als bei der Vorgängerstudie von 2019. Und auch ein Tempolimit würde für mehr Sicherheit sorgen. Tempo 30 in der Stadt (41 Prozent) und 80 km/h auf Landstraßen (47 Prozent) sorgen jedoch für wenig Zustimmung. Etwas besser sieht es bei einem Tempolimit von 130 km/h auf der Autobahn aus. Hier stimmen 53 Prozent der Befragten zu. Das deckt sich mit einer anderen Umfrage.

Neun Mikro-Elektroautos, die perfekt für die Stadt sind

Opel Rocks-e
Opel Rocks-e: Mancher dürfte sich fragen, ob das überhaupt noch ein vollwertiges Auto ist. Gesetzlich ist er es wie alle Kleinstwagen nicht. Wer ihn fahren will, benötigt lediglich die Führerscheinklasse AM. Somit kann er schon ab 15 Jahren bewegt werden. Der Elektromotor leistet 8 PS und beschleunigt den Mini-Stromer auf 45 km/h. Mehr geht nicht. Die 5,5-kWh-Batterie reicht für eine Reichweite von 75 Kilometern. Danach muss der 2,41 Meter lange Opel Rocks-e für rund vier Stunden an die Steckdose. Kostenpunkt: rund 8.000 Euro © Opel
Renault Twizzy
Renault Twizy: Der kleine Franzose ist so etwas wie der Opa unter den Mikro-Elektroautos. Schon seit 2012 ist der Twizy in der Modellpalette von Renault zu finden. Mit 2,34 ist er etwas größer als Rocks-e und Ami. Statt nebeneinander nehmen die zwei Insassen hintereinander Platz. Seitenscheiben gibt es nur als Zubehör. Preislich geht es ab 11.450 Euro los. Wie die größere Version fahren will, benötigt jedoch einen richtigen Führerschein. Die Reichweite gibt Renault mit 90-100 Kilometern an. © Renault
City Transformer CT1
City Transformer CT1: Auch in Israel hat man die Mikro-Elektroautos für sich entdeckt. Der CT1 vom Start-up City Transformer macht seinem Namen dabei alle Ehre. Denn die Spurweite des Mini-Stromers lässt sich anpassen. Angetrieben wird er von zwei Elektromotoren an der Hinterachse. Das Start-up verspricht bis zu 180 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Wer den CT1 vorbestellt, zahlt 13.000 Euro, später soll er dann 16.000 Euro kosten. © City Transformer
Das Elektroauto e.GO Life
e.Go Life: Mit seinen 3,3 Metern ist der e.Go Life im Vergleich zu den andren Mini-Stromern fast schon ein Riese. Der 77 PS starke Elektromotor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. In der Stadt soll er bis zu 206 km weit kommen. Kombiniert liegt die Reichweite bei 139 Kilometern. Wegen der Insolvenz von e.Go im Sommer 2020 wurde der Life zeitweise nicht gebaut. Dasd Geschäft wurde aber von der Next.E.Go Mobile SE übernommen. Mit dem e.wave X steht auch schon ein Life-Nachfolger bereit. © Marius Becker/dpa
Microlino 2.0.
Microlino 2.0: Von 1955 bis 1962 baute BMW das Leichtfahrzeug Isetta. Bis heute ist der Kleinstwagen Kult und feiert nun sein Comeback. Zumindest ähnelt der Microlino 2.0 der Isetta sehr. Angeboten wird der Mikro-Stromer in drei Batterieversionen mit 95, 175 und 230 km Reichweite. Der 20 PS starke Elektromotor beschleunigt das nur 450 Kilogramm schwere Mobil auf 90n km/h. Mit 14.990 Euro ist der Microlino jedoch nicht grade billig. © Arnulf Hettrich/Imago
Elaris Pio
Elaris Pio: Mit 2,81 Meter Länge bleibt dieser Elektro-Zwerg noch unter der Drei-Meter-Marke. In diesem Bereich verschwimmen die Grenzen zwischen Mikro-Auto und Pkw. In Sachen Antrieb befindet sich der Pio jedoch bei den Mikro-Stromern. Grade einmal 49 PS leistet der Elektromotor. Der Akku kommt auf 27 kWh und reicht für 225 Kilometer. Preislich liegt der Pio bei 21.900 Euro. © Elaris
FreZE Nikob EV
FreZE Nikob EV: In China ist der Elektro-Zwerg unter dem Namen Wuling Hongguang Mini EV bereits sehr erfolgreich. Damit das auch in Europa der Fall ist, brauchte es neben einem neuen Namen auch mehr Sicherheit und Energieeffizienz. Heißt: ESP, Airbags, neue Räder und eine LED-Beleuchtung. Angeboten wird das Nikob EV mit einer 13,8-kWh-LFP-Zelle mit 200 km Reichweite. Kosten soll das kleine Elektroauto 16.000 Euro. © Wulling
Elektrofrosch Bob Four
Elektrofrosch Bob Four: So ganz weiß man ja nicht, was dieses Gefährt sein möchte. Offiziell handelt es sich bei dem Elektrofrosch Bob Four um einen Kabinenroller. Entsprechend ist bei 45 km/h Schluss. Rund 100 Kilometer soll der Elektrofrosch kommen und das für grade einmal 8.990 Euro. Neben dem Bob Four hat Elektrofrosch noch weitere Mikromobile im Angebot.  © Elektrofrosch
Ari 802
ARI 802: Mit 2,22 fällt der Ari 802 sehr klein aus. Mit 643 Kilogram ist er zudem auch noch sehr leicht. Daher reichen 10 PS auch um den Kleinstwagen auf Tempo 80 zu bringen. In den Versionen 252 und 452 sind nur 25 beziehungsweise 45 km/h drin. Die Reichweite gibt Ari mit 120 bis 250 Kilometern an. Preislich schlägt der Ari 802 mit 10.990 Euro zu Buche.  © Ari

Eine verpflichtende Selbstauskunft ab 70 alle fünf Jahre, wie sie die EU plant, ist bei den betroffenen Befragten ebenfalls nicht sonderlich beleibt. Anders als der verpflichtende Sehtest alle 15 Jahre, den auch viele ältere Studienteilnehmer befürworten. Zudem werden mehr Kontrollen und deutlichere Sanktionen gefordert. Denn das kam laut den Unfallversicherern bisher zu kurz.

Maßnahmen gegen aggressives Fahren: Helfen sie wirklich?

Fraglich ist aber, ob solche Maßnahmen helfen, denn wie die Studie zeigt, liegen Selbst- und Fremdwahrnehmung weit auseinander. So bewerten die meisten Befragten ihr Verhalten meist positiver als das der anderen Verkehrsteilnehmer. 93 Prozent der Autofahrer gaben etwa an, dass sie „selten bis sehr oft“ beobachten, dass Fahrradfahrer zu dicht überholt werden. Zeitgleich sind sich aber 96 Prozent sicher, dass sie genug Abstand halten.

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Trotz allem fühlt sich die Mehrheit in Deutschland sicher oder sehr sicher im Straßenverkehr. Der Wert stieg leicht an – von 55 Prozent (2019) auf 56 Prozent. Männer fühlen sich mit einem Anteil von 64 Prozent jedoch grundsätzlich sicherer als Frauen (49 Prozent).

Rubriklistenbild: © ImageBROKER/Imago

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