Ab 10.000-FSD-Meilen

Elon Musk will Lenkrad-Warnung deaktivierbar machen – US-Behörde schaltet sich ein

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Bei Teslas „Autopilot“ soll die „Lenkrad-Nörgelei“ laut Elon Musk in speziellen Fällen abschaltbar werden. Das ruft nun eine US-Behörde auf den Plan.

Update vom 13. Januar 2023, 07.50 Uhr: Teslas „Autopilot“ ist hochumstritten, weil selbst Fahrzeuge mit der höchsten Ausbaustufe namens „Full Self-Driving“ (FSD) nicht über das sogenannte Level 2 (teilautomatisiert) hinauskommen – sie müssen deshalb ständig vom Fahrer überwacht werden. Teils sind in den USA sogar Teslas mit Beta-Versionen (also nicht fertig entwickelte Software) des FSD-Systems auf öffentlichen Straßen unterwegs. Auf Twitter schlug jemand nun kürzlich jemand vor, es doch Fahrern, die mindestens 10.000 Meilen (rund 16.000 Kilometer) mit der FSD-Beta zurückgelegt haben, bitteschön zu ermöglichen, das „Lenkrad-Genörgel“ (also die Warnung, wenn ein Fahrer die Hände vom Lenkrad nimmt) abzuschalten. Elon Musk erklärte, genau das mit einem Update tun zu wollen. Doch nun hat sich eine US-Behörde eingeschaltet.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, habe die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) aufgrund des Tweets von Musk Kontakt zu Tesla aufgenommen. Man wolle „zusätzliche Informationen“ sammeln. Wie die Behörde bestätigte, stünden die Fragen im Zusammenhang mit laufenden Untersuchungen zum „Autopilot-System“ und Unfällen mit geparkten Einsatzfahrzeugen.

Erstmeldung vom 4. Januar 2023, 14.13 Uhr: Der Weg zum vollautonomen Fahren ist klar reguliert: Insgesamt gibt es sechs verschiedene Level bis hin zum echten „Robotaxi“. Erst ab Level drei (hochautomatisiertes Fahren) ist der Fahrer zumindest für kurze Zeit aus der Verantwortung – aktuell wird diese Stufe nur von Mercedes angeboten. Die Fahrzeuge von Tesla sind maximal auf Level zwei (teilautomatisiertes Fahren) unterwegs – auch wenn Firmenchef Elon Musk (51) sein System „Autopilot“ beziehungsweise „Full Self-Driving“ (FSD, die höchste Ausbaustufe des „Autopilot-Systems“) nennt. Der Fahrer muss auf dieser Stufe die Technik permanent überwachen. Wenn der Fahrer die Hände für längere Zeit vom Lenkrad nimmt, geht das System davon aus, dass der Fahrer unaufmerksam ist, und warnt. Doch Elon Musk will das offensichtlich ändern – zumindest in bestimmten Fällen.

Tesla-„Autopilot“: Elon Musk will Lenkrad-Warnung abschaltbar machen

In den USA ist es möglich, dass Tesla-Fahrer mit einer Beta-Version (also nicht fertig entwickelt) der FSD-Software unterwegs sind. Im Prinzip wird der Kunde somit zum Testfahrer – was Experten scharf kritisieren. Nun kam auf Twitter – die Plattform, die seit einiger Zeit im Besitz von Elon Musk ist – ein fragwürdiger Vorschlag: Der Tesla-Chef möge es doch bitteschön ermöglichen, dass Kunden, die mehr als 10.000 Meilen (rund 16.000 Kilometer) mit der FSD-Beta abgespult haben, das „Lenkrad-Genörgel“ (steering wheel nag) abschalten können – also die Warnung, wenn ein Fahrer seine Hände vom Volant nimmt. Musk will das ganz offensichtlich umsetzen: „Einverstanden, Update kommt im Januar“, antwortete er auf den Vorschlag von Whole Mars Catalog.

Tesla-„Autopilot“: System wird von Fahrern mit Hilfsmitteln ausgetrickst

Bislang müssen Tesla-Fahrer tricksen, um längerfristig im „Autopilot“-Modus unterwegs zu sein – wie extrem gefährlich das sein kann, zeigt ein Fall aus Deutschland: Auf der A70 zwischen Bamberg und Bayreuth schlief ein Tesla-Fahrer bei 110 km/h hinter dem Lenkrad. Im Fußraum fanden die Beamten ein Lenkradgewicht, mit dem man das Fahrzeug täuschen kann. Dass der „Autopilot“ von Tesla alles andere als unfehlbar ist, zeigte erst kürzlich ein Test mit einem Model Y von TV-Journalisten.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
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BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
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Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
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Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
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Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

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Tesla-„Autopilot“: Hersteller flankiert Kameras wieder mit Radarsensoren

Fragwürdig scheint der Vorstoß von Elon Musk zum Einbau der Abschaltmöglichkeit der „Lenkrad-Nörgelei“ vor allem auch deshalb, weil Tesla offenbar daran arbeitet, dass sich der „Autopilot“ eben nicht mehr so einfach austricksen lässt. Außerdem kehrt Tesla wieder zum zusätzlichen Einbau von Radarsensoren zurück, nachdem sich die Texaner eine Zeit lang beim „Autopilot“ allein auf Kameras gesetzt hatten. Tatsächlich stellt bereits das Autonomie-Level-3 die Autobauer vor extreme Herausforderungen – speziell, wenn es darum geht, die Fahrzeug bei höheren Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h fahren zu lassen.

Rubriklistenbild: © ZUMA Press/Imago

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