VonSophie Klußschließen
Tiere adoptieren nicht selten andere Tierbabys. Das ist kein Geheimnis und doch lassen die einzelnen Adoptionsgeschichten immer wieder aufs Neue unsere Herzen schmelzen – wie die einer weiß-grauen Katze.
Ein Labrador adoptiert verwaiste Entenküken, ein Pferd, das drei Lämmer in seine Obhut nimmt, Schimpansen ziehen gemeinsam ein Hunde-Baby auf oder auch eine Löwin, die eine Antilopen-Mutter frisst, nur um kurz darauf deren Nachwuchs zu adoptieren – Schlagzeilen wie diese sorgen immer wieder für erstaunte Gesichter. Die verschiedenen Konstellationen sind einfach zu amüsant – wie im Fall dieser Katze, die zunächst eine ganze Menge Eier ausbrütet und den schließlich geschlüpften Küken auch dann noch eine liebevolle Mutter ist, als die Kleinen bereits erwachsene Hühner sind.
Katze adoptiert Baby-Hühner
In dem kurzen Videoclip, der auf TikTok mit über 14,7 Millionen Klicks viral ging, ist eine Katzenmama zu sehen, die in einem Körbchen über cremefarbene Eiern wacht und diese gegenüber einer Menschenhand mutig verteidigt. Liebevoll hat sie jedes einzelne Ei nah an ihren Bauch gerollt. In einer anderen Einstellung sieht man, wie die Katze die Eier mit ihrem Körper komplett bedeckt, vermutlich um ihnen ausreichend Wärme zu spenden – ohne dabei jedoch ein einziges Ei zu zerdrücken. Ein aus dem „Nest“ entnommenes oder gefallenes Ei versucht die Katzenmama mit geschickten Pfotenbewegungen zurückzuholen.
Als es schließlich so weit ist und der Nachwuchs endlich schlüpft, beobachtet die frischgebackene Mama-Mieze das Geschehen aufmerksam. Zur Sicherheit legt sie selbst Pfote an, um einem kleinen Küken aus seinem Ei zu helfen. Voller Neugier schaut der Stubentiger mit großen Augen dabei zu, wie ihre fedrige Brut das Licht der Welt erblickt.
Und siehe da: Ganze sieben Hühnerküken haben es aus ihren Schalen geschafft und lernen unter der strengen Aufsicht ihren miauenden Mama das Körnerpicken. Voller Liebe putzt die stolze Mieze ihre Sprösslinge und hält sie sanft zwischen ihren Pfoten. Anzeichen der Angst sucht man bei den kleinen Hühnern vergebens. Entspannt liegt die ungewöhnliche Familie auf einem weißen Tuch, die Kleinen ganz nah an ihre Mutter gekuschelt und jedes mit einer kleinen Schürze gewärmt.
Das Gröbste ist geschafft und die Kleinen sind inzwischen Teenager: Die stolze Katzenmutter und ihre sieben Zöglinge platzieren sich in Reih und Glied auf einem Schrank. Während Mama Katze seelenruhig ihre Augen schließt, blickt der Nachwuchs gespannt auf das, was um ihn herum geschieht. Selbst als die Hühner erwachsen sind und zum Überleben nicht mehr auf die Fürsorge ihrer Adoptivmutter angewiesen sind, bleibt das enge Band bestehen, das die acht Tiere seit dem Schlüpfen der kleinen Küken miteinander verbindet. Ganz eng aneinander gekuschelt nehmen Katze und Hühner nebeneinander Platz und sind einfach froh über die Anwesenheit des jeweils anderen.
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Über 750.000 TikTok-User haben für das Video bisher den Like-Button ausgewählt und drücken damit ihre Zuneigung gegenüber dem liebevollen Kätzchen und ihrem gackernden Nachwuchs aus.
Warum ziehen Tiere den Nachwuchs fremder Tiere groß?
Verhaltensbiologen wissen über solche tierischen Adoptionen Bescheid. Es ist ein Verhaltensmuster, das weltweit bei den verschiedensten Tierarten beobachtet werden kann und das nicht nur unter Artgenossen vorkommt. „Solche Fälle gibt es immer wieder. Sich um Jungtiere zu kümmern, ist ein angeborenes Verhalten“, sagte Zoo-Biologe Benjamin Ibler vom Berliner Zoologischen Garten gegenüber BILD.de.
Weltmeister in Sachen Adoption sind die Schimpansen, weiß die Primatenforscherin Jane Goodall. Das Erstaunliche: Meist adoptieren unter den Menschenaffen die Männchen. Die Erklärung, laut Goodall: „Die Sanften, Entspannten und Hilfsbereiten haben die besten Chancen bei den Weibchen. Wer viel krault und sein Futter teilt, macht sich bei den Frauen beliebt.“ Die gleichen Charaktereigenschaften prädestinieren auch zur Adoption. Insgesamt beschreibt Goodall Schimpansen als „mitfühlend und gut darin, einander zu trösten. Leidet einer, umarmen ihn die anderen und kümmern sich. Wir hatten ein Weibchen, Tante Gigi. Sie war kinderlos, groß, stark, sehr männlich. Sie hat drei Kinder auf einmal adoptiert, deren Mutter gestorben war. Tante Gigi trug ihre Babys nie mit sich herum, sie schlief auch nicht bei ihnen – aber wenn jemand den Kleinen zu nahe rückte, kam sie und verscheuchte die Angreifer.“
Doch nicht nur Schimpansen nehmen sich artfremdem Nachwuchs an. Ein Grund für eine solche Adoption könnte laut Verhaltensbiologe Udo Gansloßer folgender sein: „Hat ein Tier das eigene Junge verloren, kann es schon mal seinen Instinkt auf artfremde Tiere übertragen.“ Der niederländische Verhaltensbiologe Frans de Waal geht noch weiter. Er vertritt die umstrittene Theorie, dass Tiere moralische Prinzipien zwar nicht verstehen, aber erkennen und befolgen können. Dass sie sich für hilflos ausgelieferte Tiere begeistern, diese liebkosen, ihnen zu essen geben oder sie sogar pflegen, wertet der Verhaltens- und Primatenforscher als „instinktive Anteilnahme“, wie er gegenüber Welt ausführte.
Durch die Beeinflussung der natürlichen Instinkte ist auch den Mitarbeitern im thailändischen Tropengarten Nong Nooch etwas Einzigartiges gelungen: Dort leben Tiger, die Schweine nicht als ihr Futter betrachten, sondern sie als Freunde akzeptiert haben. Wie das gelungen ist? Nachdem die Tierpfleger herausgefunden hatten, dass Schweinemilch für Tigerbabys außerordentlich bekömmlich ist und der Katzennachwuchs dadurch nicht nur schneller wächst, sondern ihn auch gesund und widerstandsfähig macht, überlegten sich die Pflegekräfte einen Trick: Damit die seltenen Bengaltiger einen optimalen Start ins Leben haben konnten, übergab man einem Mutterschwein – statt ihrer eigenen Ferkel – die Tigerbabys. Als die Tiger schließlich erwachsen waren, konnte ein Phänomen beobachtet werden. Denn statt sich auf die Schweine zu stürzen und sie instinktiv zu verspeisen, legten die Tiger ein unnatürlich friedfertiges Verhalten an den Tag.
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„Muttergefühle“ – herzige Kommentare unter dem TikTok-Video
Zwar ist der Urheber des herzigen TikTok-Videos nicht bekannt, aber auch ohne die genaue Herkunft zu kennen, haben etwa 11.000 User ihre Meinung unter dem viralen Hit geäußert.
- „Ich habe schon alles gesehen, aber das hier ist das erste Mal, dass ich sowas sehe. 😁“
- „Was für eine wunderbare Sache.“
- „Pure Liebe, sehr niedlich, die kleinen Tiere. Lasst und daraus lernen. 🥰“
- „Egal, wie groß der Unterschied ist, die Liebe ist immer gleich. Wir müssen von ihnen lernen. 🥰😘“
Rubriklistenbild: © Wirestock/Imago

