VonSebastian Oppenheimerschließen
Die EU plant einen Fahrtauglichkeits-Check für Senioren. Doch welche Unterschiede gibt es bei den Unfallursachen im Vergleich zu unter 65-Jährigen?
Noch immer bedeutet ein Führerschein ein Stück Freiheit – gerade auf dem Land, wo das Vorankommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft deutlich schwieriger ist als in den Großstädten. Allerdings muss man sich den „Lappen“ erst einmal leisten können. Teuer wird es vor allem, wenn man die Prüfungen nicht besteht: Laut dem TÜV-Verband haben die Betrugsversuche in der Theorieprüfung zuletzt deutlich zugenommen. Hat man aber erst einmal bestanden, dann hat man den Führerschein auf Lebenszeit – es sei denn, man hält sich nicht an die Vorschriften. Doch das könnte sich bald ändern: Die EU plant Fahrtauglichkeits-Tests für Fahrer ab 65 Jahren. Aber mit welchem Fehlverhalten fallen 65-Jährige bei Unfällen eigentlich auf?
Unfälle mit Personenschäden: Statistisches Bundesamt stellt Altersklassen gegenüber
Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat Unfallzahlen in Deutschland ausgewertet – und dabei zwischen Fahrern über und unter 65 Jahren unterschieden. Demnach waren im Jahr 2022 rund 309.300 Pkw-Fahrer in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt. Dabei waren in 57,1 Prozent der Fälle die Fahrer auch die Hauptverursacher. Wenn allerdings Menschen über 65 an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren, so waren sie in mehr als zwei Dritteln der Fälle (68,7 Prozent) auch die Hauptverursacher. Bei über 75-Jährigen waren es sogar in rund drei von vier Fällen (76,6 Prozent) – der höchste Wert aller Altersgruppen. Jedoch waren auch in der Gruppe der 18- bis 20-Jährigen bei Unfällen die Fahrer in 70,8 Prozent hauptverantwortlich.
Die Unfallursachen unterscheiden sich jedoch nach Altersgruppen. Der Auswertung zufolge wurden Menschen über 65 Jahren häufiger Vorfahrtsmissachtungen vorgeworfen als den unter 65-Jährigen (21,1 Prozent zu 16,6 Prozent). Ebenso wurden den Senioren öfter Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Anfahren zur Last gelegt.
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Alkohol und überhöhtes Tempo: Hier tun sich die unter 65-Jährigen hervor
Bei anderen Unfallursachen jedoch waren die unter 65-Jährigen stärker vertreten. Deutlich häufiger taten sich die Jüngeren durch Missachtung der Abstandsvorschriften hervor (16,3 Prozent zu 10,8 Prozent). Ebenso wurde ihnen deutlich öfter vorgeworfen, mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen zu sein (11,4 Prozent zu 5,2 Prozent) oder betrunken mit dem Auto gefahren zu sein (4,3 Prozent zu 1,1 Prozent).
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Senioren sind seltener in Unfälle verstrickt als Jüngere
Laut der Destatis-Auswertung sind Senioren gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung weniger häufig in Verkehrsunfälle verwickelt als jüngere Menschen. So waren im Jahr 2022 77.700 über 65-Jährige an Unfällen mit Personenschaden beteiligt – dies entspricht 15,1 Prozent aller Unfallbeteiligten mit Altersangaben. Allerdings waren im Jahr 2022 22,1 Prozent der Deutschen mindestens 65 Jahre alt. Die Destatis-Experten mutmaßen, dass die geringere Unfallbeteiligung damit zu tun hat, dass ältere Menschen seltener am Straßenverkehr teilnehmen als jüngere – denn sie fahren beispielsweise nicht mehr in die Arbeit.
Die geplanten Führerscheintests für Senioren sind umstritten: Eine Umfrage zeigte kürzlich eine überwiegende Zustimmung für die Pläne der EU. Der ADAC jedoch sieht die Pläne kritisch – und auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) ist dagegen.
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