Destatis-Auswertung

Senioren am Steuer: Mit welchem Fehlverhalten Fahrer über 65 bei Unfällen auffallen

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Die EU plant einen Fahrtauglichkeits-Check für Senioren. Doch welche Unterschiede gibt es bei den Unfallursachen im Vergleich zu unter 65-Jährigen?

Noch immer bedeutet ein Führerschein ein Stück Freiheit – gerade auf dem Land, wo das Vorankommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft deutlich schwieriger ist als in den Großstädten. Allerdings muss man sich den „Lappen“ erst einmal leisten können. Teuer wird es vor allem, wenn man die Prüfungen nicht besteht: Laut dem TÜV-Verband haben die Betrugsversuche in der Theorieprüfung zuletzt deutlich zugenommen. Hat man aber erst einmal bestanden, dann hat man den Führerschein auf Lebenszeit – es sei denn, man hält sich nicht an die Vorschriften. Doch das könnte sich bald ändern: Die EU plant Fahrtauglichkeits-Tests für Fahrer ab 65 Jahren. Aber mit welchem Fehlverhalten fallen 65-Jährige bei Unfällen eigentlich auf?

Unfälle mit Personenschäden: Statistisches Bundesamt stellt Altersklassen gegenüber

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat Unfallzahlen in Deutschland ausgewertet – und dabei zwischen Fahrern über und unter 65 Jahren unterschieden. Demnach waren im Jahr 2022 rund 309.300 Pkw-Fahrer in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt. Dabei waren in 57,1 Prozent der Fälle die Fahrer auch die Hauptverursacher. Wenn allerdings Menschen über 65 an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren, so waren sie in mehr als zwei Dritteln der Fälle (68,7 Prozent) auch die Hauptverursacher. Bei über 75-Jährigen waren es sogar in rund drei von vier Fällen (76,6 Prozent) – der höchste Wert aller Altersgruppen. Jedoch waren auch in der Gruppe der 18- bis 20-Jährigen bei Unfällen die Fahrer in 70,8 Prozent hauptverantwortlich.

Die Unfallursachen unterscheiden sich jedoch nach Altersgruppen. Der Auswertung zufolge wurden Menschen über 65 Jahren häufiger Vorfahrtsmissachtungen vorgeworfen als den unter 65-Jährigen (21,1 Prozent zu 16,6 Prozent). Ebenso wurden den Senioren öfter Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie Ein- und Anfahren zur Last gelegt.

Die Unfallursachen bei über 65-jährigen Autofahrern unterscheiden sich laut dem Statistischen Bundesamt von denen in jüngeren Altersgruppen. (Symbolbild)

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Alkohol und überhöhtes Tempo: Hier tun sich die unter 65-Jährigen hervor

Bei anderen Unfallursachen jedoch waren die unter 65-Jährigen stärker vertreten. Deutlich häufiger taten sich die Jüngeren durch Missachtung der Abstandsvorschriften hervor (16,3 Prozent zu 10,8 Prozent). Ebenso wurde ihnen deutlich öfter vorgeworfen, mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen zu sein (11,4 Prozent zu 5,2 Prozent) oder betrunken mit dem Auto gefahren zu sein (4,3 Prozent zu 1,1 Prozent).

Spritschleudern der Autogeschichte: 43,5 Liter auf 100 Kilometer

Ein Chevrolet Camaro.
Mit dem Camaro reagierte Chevrolet Ende 1966 auf den beleibten Ford Mustang. Das Muscle Car aus Detroit erwies sich mit dem V8-Motor und 7 Litern Hubraum jedoch als sehr durstig: Bis zu 43,5 Liter auf 100 Kilometern waren keine Seltenheit. © Chevrolet
Ein roter Lamborghini Countach.
Im Heck des ersten Lamborghini Countach verrichtete ein V12-Motor mit 5 Litern Hubraum seinen Dienst. Mit bis zu 33,5 Litern auf 100 Kilometern war der Sportwagen jedoch alles andere als sparsam. Die Neuauflage dürfte dank Hybrid-Antrieb deutlich weniger verbrauchen. © Thomas Zimmermann/Imago
Rolls Royce Corniche Cabrio Baujahr 1984
Der Rolls-Royce Corniche ist mit rund drei Tonnen wahrlich kein Leichtgewicht. Kein Wunder also, dass sich auch der V8-Motor mit 7 Litern Hubraum als Schluckspecht erwies. Bis zu 29 Liter gönnte sich der edle Brite auf 100 Kilometer. © Sebastian Geisler/Imago
Ein Dodge Charger.
Auch der Dodge Charger ist ein Klassiker der amerikanischen Automobil-Geschichte. Getreu dem Motto „Höher, schneller, weiter“ fällt auch sein Spritverbrauch üppig aus. Bei frühen Modellen waren bis zu 27 Liter auf 100 Kilometer möglich. © Panthermedia/Imago
Aston Martin Lagonda
Optisch kann man vom Aston Martin Lagonda halten, was man möchte. In Sachen Spritverbrauch zählt der Brite, mit bis zu 26,1 Liter auf 100 Kilometern, aber zu den durstigsten Autos, die jemals gebaut wurden.  © Tim Graham/Imago
Hummer H1
Der Hummer H1 wurde ursprünglich vom US-amerikanischen Militär-Herstellers AM General gebaut. Dieser verkaufte die Markenrechte schließlich an General Motors. So wuchtig wie der Geländewagen aussieht, war auch sein Verbrauch, der bei bis zu 24,5 Liter auf 100 Kilometer lag. Die Neuauflage des Klassikers ist im übrigen rein elektrisch unterwegs. © Sebastian Geisler/Imago
Bentley Arnage
Bis 2010 baute Bentley den 2,6 Tonnen schweren Arnage, auf dem auch die State Limousine der verstorbenen Königin Elisabeth II basierte. Mit dem größten Motor war ein Verbrauch von 24,2 Liter auf 100 Kilometer möglich.  © Sebastian Geisler/Imago
Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport L Edition Type 35
Der Bugatti Veyron war eines der ersten Autos mit Straßenzulassung, das mehr als 1000 PS unter der Haube hatte. Der Motor des „Super Sport“ leistete sogar 1.200 PS. Die Folge: ein Verbrauch von durchschnittlich 24,1 Litern auf 100 Kilometer. Innerorts sind sogar bis zu 37,2 Liter möglich. © Sebastian Geisler/Imago
Dodge Challenger RT
Neben dem Charger eroberte Dodge auch mit dem Challenger den US-Muscle-Car-Markt. Letztere zeigte sich mit einem Verbrauch von 23,5 Litern auf 100 Kilometer etwas „sparsamer“. © Andre Poling/Imago
Dodge Viper RT10
Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Das gilt auch für Dodge, denn auch die Viper erweist sich als besonders durstig: bis zu 21,1 Liter auf 100 Kilometer waren möglich. Gebaut wurde der Sportwagen von 1992 bis 2017. © Eibner/Imago

Senioren sind seltener in Unfälle verstrickt als Jüngere

Laut der Destatis-Auswertung sind Senioren gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung weniger häufig in Verkehrsunfälle verwickelt als jüngere Menschen. So waren im Jahr 2022 77.700 über 65-Jährige an Unfällen mit Personenschaden beteiligt – dies entspricht 15,1 Prozent aller Unfallbeteiligten mit Altersangaben. Allerdings waren im Jahr 2022 22,1 Prozent der Deutschen mindestens 65 Jahre alt. Die Destatis-Experten mutmaßen, dass die geringere Unfallbeteiligung damit zu tun hat, dass ältere Menschen seltener am Straßenverkehr teilnehmen als jüngere – denn sie fahren beispielsweise nicht mehr in die Arbeit.

Die geplanten Führerscheintests für Senioren sind umstritten: Eine Umfrage zeigte kürzlich eine überwiegende Zustimmung für die Pläne der EU. Der ADAC jedoch sieht die Pläne kritisch – und auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) ist dagegen.

Rubriklistenbild: © Pond5 Images/Imago

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