Scan and Go

Zukunft des Einkaufens? Aldi testet umstrittenes Bezahlsystem ohne Kasse

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Ein kassenloses Bezahlsystem soll Einkaufen bei Aldi „schneller und besser“ machen. Doch die ersten Kundenreaktionen lassen kein gutes Haar an dem Konzept.

München – Vor Jahren warb ein großer Hersteller mit folgendem einprägsamen Slogan für seinen Schokoriegel: Working like a machine? Zu sehen war ein träger Supermarkt-Kassierer bei der Arbeit. Und obgleich Kassenmitarbeiter von Aldi dafür bekannt sind, schnell zu arbeiten, könnte das Kassieren beim Lebensmittelhändler künftig komplett den Maschinen zufallen. Ein entsprechender Test läuft derzeit bei Aldi Nord.

Einkaufen ohne Kasse: Aldi will den Bezahlvorgang „schneller und besser“ machen

Zuletzt lief ein weiterer Discounter Aldi den Rang ab – zumindest in der Non-Food-Sektion. Nicht nur deshalb werden die Abläufe kontinuierlich auf den Prüfstand gestellt und neue Konzepte entwickelt, um das Einkaufen zu optimieren. Mehr Zeit als nötig opfert schließlich niemand gerne von seiner Freizeit für Alltagserledigungen.

Ein Auslaufmodell? Aldi Nord testet eine kassenlose Bezahlweise. Das Konzept soll den Vorgang „besser und schneller machen“. (Symbolfoto)

Lange Schlangen an der Kasse können ordentlich Nerven kosten, weshalb Aldi gleich mehrere Konzepte testet. Bei Aldi Süd wurden zuletzt vermehrt Selbstbedienungskassen installiert und die Bänder mit neuem Warentrenner ausgestattet, damit mehrere Kunden gleichzeitig abkassiert werden können. Bei Aldi Nord versucht man sich gänzlich ohne Kasse.

„Die Magie im Discount liegt in der Einfachheit. Wir setzen Technologien deshalb immer da ein, wo sie uns gezielt besser und schneller machen“, sagte Sinanudin Omerhodzic, Chief Technology Officer von Aldi in der Pressemitteilung über das kassenlose Konzept. Und das sieht folgendermaßen aus.

Scan and Go neu gedacht: Per QR-Code in Aldi-Filiale ein- und auschecken

Dank neuester Technik mit Künstliche Intelligenz (KI), Sensoren in den Regalen und „intelligente Kameras“ werden die Produkte erfasst und dem jeweiligen Kunden zugeordnet. Über einen QR-Code, der in der „ALDI Shop & Go App“ generiert wird, müssen sich Kunden dann „einloggen“, aschließend können die Einkäufe direkt in mitgebrachten Taschen oder Rucksäcken verstaut werden. Der Einkauf wird durch erneutes Scannen des Codes beim Verlassen des Ladens kontakt- und kassenlos abgeschlossen.

Getestet wird dieses Prinzip seit 2022 in einer Aldi-Filiale im niederländischen Utrecht. Ein angepasstes Sortiment oder andere Preise als in herkömmlichen Aldi-Filialen gebe es nicht. Gegenüber DerWesten betont das Unternehmen, dass es sich dabei ausdrücklich um einen Test „in begrenztem Umfang“ handelt. Eine Auswertung liege bisher nicht vor. „Welche Rolle diese Technologien künftig in der gesamten Aldi-Nord-Gruppe spielen, können wir aktuell noch nicht sagen“, so das Unternehmen über eine mögliche Einführung in deutschen Aldi-Filialen.

Ausschlaggebend wird vor allem die Kundenbewertung sein. In den sozialen Medien äußerte der Datenarchitekt Philip Boontje ein vernichtendes erstes Urteil. Alleine fünf bis zehn Minuten habe er vor der Utrechter Aldi-Filiale gestanden, ehe er eintreten konnte – die App habe ihm Schwierigkeiten bereitet, schimpfte er in einem Instagram-Video. Kritik von Verbraucherschützer kam dagegen für eine neue Technik der Kollegen von Aldi Süd, die in den Gängen zum Einsatz kommen soll. (rku)

Rubriklistenbild: © Martin Wagner/Imago

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