Discounter denkt an die Zukunft

Lidl stellt groß angelegtes Konzept vor: Hälfte der Produkte soll künftig veggie sein

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Veganer und Vegetarier in den Niederlanden dürfen sich freuen: Lidl wird ihnen künftig noch mehr anbieten. Die Kette stellt ein neues Konzept vor.

Kassel - Die Fleischindustrie ist einer der größten Verursacher des Klimawandels. Auch ethische Überlegungen führen dazu, dass viele Menschen ihre Ernährung auf vegetarisch oder vegan umstellen. Auch die Discounter-Kette Lidl denkt bei ihren Entscheidungen an diese Entwicklungen. In den Niederlanden hat sich Lidl ambitionierte Ziele gesteckt. Bis 2030 sollen 50 Prozent aller verkauften Proteinprodukte pflanzlichen Ursprungs sein. Das gab Lidl in einer Pressemitteilung bekannt. Auch in Deutschland gibt es Pläne, tierische Produkte zu reduzieren.

Vegane Produkte bei Lidl: Kette erhielt kürzlich den PETA Vegan Food Award

Aktuell werden nur 38 Prozent pflanzliche Proteine verkauft und noch 62 Prozent tierische. Nach eigenen Angaben ist Lidl mit diesem Plan die erste Kette, die das Ziel einer Verringerung an tierischem Eiweiß öffentlich nennt. “Diese Umstellung ist eine wichtige gesellschaftliche Herausforderung für die kommenden Jahre“, äußerte Quirine de Weerd, Leiterin der Abteilung Nachhaltigkeit und Kommunikation bei Lidl. „Wir nehmen unsere Verantwortung wahr. Deshalb haben wir uns ein konkretes Ziel gesetzt, das sich auf die Proteinumstellung konzentriert.” Bei Lidl gab es kürzlich auch einen Keim-Fund in Fleisch, der eine Debatte um Tierwohl lostrat.

Lidl will Fleisch direkt neben den veganen und vegetarischen Alternativen platzieren.

Lidl führt damit einen Trend fort, denn in den letzten Jahren hat der Markt sein Sortiment auch in Deutschland deutlich ausgebaut, was das Angebot an vegetarischen und veganen Produkten angeht. Zuletzt erhielt Lidl dafür den PETA Vegan Food Award. In einem kürzlich veröffentlichten Ranking der Albert-Schweizer-Stiftung zu den veganfreundlichsten Supermärkten lag Lidl in der Kategorie Discounter auf Rang 2 hinter Aldi. Künftig soll die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit der Fleischersatzprodukte zusätzlich erhöht werden. In 70 Filialen in der Niederlande wird daher derzeit ein Projekt gestartet, bei dem die Ersatzprodukte direkt neben den Fleisch-Äquivalenten zu sehen sind. Ebenfalls sollen die Preise der pflanzlichen Alternativen günstiger werden, vor allem im Vergleich zu ihren fleischlichen Konkurrenten.

Lidl: „Unser Ziel ist es, dass unsere Kunden sehen, wie einfach und schmackhaft es ist“

“Mit diesem Pilotprojekt werden wir unsere umsatzstärksten Fleischersatzprodukte auch im Fleischregal präsentieren: den vegetarischen Burger also direkt neben dem Fleisch-Burger“, erklärte Chantal Goenee, verantwortlich für Nachhaltigkeit und Gesundheit bei Lidl. Sie führt aus: „Damit wollen wir immer mehr unserer Kunden an unsere vegetarischen Produkte wie unsere Fleischersatzprodukte heranführen. Unser Ziel ist es, dass unsere Kunden sehen, wie einfach und schmackhaft es ist, auch mal einen Tag lang kein Fleisch zu essen und so das Klima zu entlasten.” Für das Pilotprojekt arbeitet der Discounter mit der Universität Wageningen und dem World Resource Institute (WRI) zusammen.

Aus der Wissenschaft gibt es Lob für die von Lidl unternommenen Schritte. Monique van der Meer, Forscherin für Marketing und Verbraucherverhalten an der Universität Wageningen, erklärt, warum: „Um die Umstellung auf Eiweiß zu beschleunigen, ist die Präsentation der pflanzlichen Alternative neben ihrem tierischen Gegenstück potenziell wirksam, insbesondere für Menschen, die gelegentlich weniger Fleisch essen wollen.“ Ähnliche frühere Studien würden einen positiven Effekt auf den Verkauf von pflanzlichen (Fleisch-)Alternativen zeigen. Van der Meer weiter: „Mit dieser Maßnahme reagiert Lidl auf das gewohnte Verhalten im Supermarkt und unternimmt einen Schritt, um den Verbrauchern den Umstieg auf mehr pflanzliche Proteine zu erleichtern.” (cgsc)

Lidl-Konkurrent Rewe ist aktuell von einem Rückruf betroffen. In einem Produkt könnten gefährliche Metallteile enthalten sein. Beim Verzehr drohen Verletzungen.

Rubriklistenbild: © Lidl

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