Volvo C40 Recharge Pure Electric im Test: Agiles Schwergewicht aus Schweden
VonSimon Mones
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Volvo hat dem C40 ein Facelift verpasst. Vor allem unter dem Blechkleid ist viel passiert. Wir sind den Elektro-SUV-Coupe probegefahren.
Der Weg in die Elektromobilität ist bei Volvo klar. Ab 2025 soll jedes zweite Auto ein Stromer sein. Fünf Jahre später will man den Verbrenner komplett aus dem Programm nehmen. Schon ab 2024 gibt es keine Diesel-Pkw mehr. Das 2021 vorgestellte SUV-Coupe C40 Recharge Pure Electric gab es von Anfang an nur rein elektrisch. Nur zwei Jahre später bekommt der Schwede bereits ein Facelift.
Volvo C40 im Test: Trotz Facelift bleibt Optik beim Alten
Wobei Facelift in diesem Fall das falsche Wort ist, denn rein äußerlich hat sich der Volvo C40 kaum verändert. Bis zur B-Säule ist das Elektroauto identisch mit seinem Bruder XC40, danach senkt sich das Dach in Richtung Heck ab. Insbesondere für große Passagiere kann es im Fonds daher schon einmal etwas knapp werden. Warum es bei einem Stromer noch einen so dicken Kardantunnel braucht, verstehen wir auch nicht.
Im Inneren bleibt ebenfalls alles beim Alten. Einen wirklichen Grund, hier Hand anzulegen, gab es ohnehin nicht. Das Cockpit wirkt aufgeräumt und übersichtlich. Die wichtigsten Funktionen lassen sich intuitiv über das Multifunktionslenkrad bedienen. Hier befindet sich auch ein Großteil der wenigen Knöpfe. Alle anderen Funktionen werden – leider – über das große Display in der Mittelkonsole steuern.
Volvo C40 im Test: Viele Fahrassistenten für mehr Sicherheit
Die Infotainment-Systeme wurden gemeinsam mit Google auf Android-Basis entwickelt. Entsprechend sind auf Google Maps, Google Assistant und der Play Store mit an Board. Abzüge gibt es für Apple CarPlay, das nur über Kabel funktioniert. Pluspunkte gibt es derweil für die gemütlichen Sitze, bei denen Volvo auf Leder verzichtet.
Sicherheit ist bei den Schweden ebenfalls ein großes Thema, weshalb der C40 mit einer Vielzahl an Fahrassistenten kommt: unter anderem Spurhalteassistenten, einen Kollisionswarner mit Lenkeingriff sowie Notbremsassistent mit Fahrzeug-, Fußgänger- und Fahrraderkennung. Zudem gibt es noch eine 360-Grad-Kamnera. Die braucht es auch, denn wirklich was sehen tut man durch das winzige Heckfenster nicht. Wie alle neuen Volvos ist das Elektro-SUV-Coupe bei 180 abgeriegelt. Zumindest offiziell: In unserem Test schaffte der Volvo C40 Recharge Pure Electric Twin Ultimate 185 km/h.
Volvo C40 im Test: Elektro-SUV-Coupe sprintet auf 100 km/h
Der Antrieb ist es auch, wo die eigentliche Veränderung liegt. Statt an der Vorderachse sitzt der Elektromotor nun an der Hinterachse. Zum ersten Mal seit 25 Jahre bei einem Volvo. Dort leistet der Motor 238 PS (175kW). In der Ausführung mit Range Extender sind sogar 252 PS (185 kW) abrufbar. In der Twin-Motor-Ausführung kommt der Heckmotor auf 258 PS (190 kW) und der Frontmotor auf 150 PS (110 kW). Die Systemleistung liegt bei 408 PS. Fahrer mit einem schweren Gasfuß sollten vorsichtig sein. Trotz des hohen Gewichts von 2,2 Tonnen wird der C40 förmlich nach vorne katapultiert. Mit dem Twin Motor dauert der Spurt von null auf 100 km/h nur 4,7 Sekunden. Das sind rund 2,5 Sekunden schneller als der Einzelmotor.
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Bei der Batterie hat Volvo zwei Größen im Angebot: 66 und 82 kWh. Unser Testwagen soll laut Werksangabe bis zu 5550 Kilometer schaffen statt 451 Kilometer. Auch dank einer verbesserten Batteriekühlung. Mehr als 360 Kilometer, waren aber laut Bordcomputer bei 90 Prozent Ladung nicht drin. Und auch die 17,3 kWh auf 100 Kilometer haben wir deutlich verfehlt. Auf unserer Verbrauchsfahrt gönnte sich der C40 20,1 kWh. Im Stadtverkehr war der Elektro-SUV zum Teil sogar besonders durstig. Immerhin in nur 28 Minuten lässt sich der C40 an einer Schnellladesäule von zehn auf 80 Prozent laden und das mit zügigen 200 kW.
Volvo C40 im Test: Elektro-SUV-Coupe startet bei rund 45.000 Euro
Spätestens auf der Autobahn ist das aber ohnehin vergessen. Hier kann der Volvo seine bereits erwähnte Beschleunigung ausspielen. Und auch das Fahrwerk des SUV lässt Fahrspaß aufkommen. Dass man grade in einem 2,2 Tonnen schweren Elekto-SUV sitzt, ist schnell vergessen. Auch dank der sportlichen Lenkung, die man einschalten kann – und sollte.
Allerdings wird der Fahrspaß vom One-Pedal-Modus etwas gedämpft. Hier geht der C40 Recharge etwas zu sehr in die Eisen. Leider lässt sich in den Einstellungen nur zwischen „Ein“, „Aus“ und „Auto“ wählen. Aufpassen muss man auch beim Spurhalteassistenten, denn der entscheidet sich mitunter sehr spontan für einen Spurwechsel, wenn eine neue Fahrbahn hinzukommt. Teilweise greift er auch etwas sehr rabiat ein, macht seinen Job aber unterm Strich sehr zuverlässig.
Günstig ist der C40 allerdings nicht. Mit dem Facelift hat Volvo die Preise angehoben. Die Basisversion Core mit einem Elektromotor kostet 44.823 Euro. Wer mehr Reichweite will, liegt bereits bei 51.773 Euro. Den zweiten Motor gibt es erst mit der Ausstattungslinie Plus. Hier liegt der Basispreis bei 58.723 Euro. Unser Testwagen mit der Ausstattung UIltimate kostete inklusive Extras 70.200 Euro.