7.500 Euro günstiger

Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single im Test: Reicht der Mono-Motor?

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Mit dem einmotorigen Elektro-SUV schiebt Volvo die Basisvariante seines XC40 Recharge Pure Electric nach. So schlägt er sich im Alltag.

Schweden unter Strom: Volvo war 2017 der erste klassische Autohersteller, der verkündete, künftig nur noch elektrifizierte Autos anzubieten. Was damals etwas unterging, war die Tatsache, dass er zu denen – wie bei den meisten Marken üblich – auch Hybrid-Modelle zählte. Alles, was einen Stecker hat, also Plug-in-Pkw ebenso wie Voll-Stromer, trägt seither den Namenszusatz „Recharge“.

Nun, da die Begeisterung für Plug-in-Hybride spürbar abkühlt, setzen die im chinesischen Geely-Konzern angesiedelten Schweden zunehmend auf reine Akku-Fahrzeuge (BEV: Batterie Electric Vehicle). Um diese von den Teilzeit-Stromern zu unterscheiden, verlängert man deren Modellbezeichnung um den Zusatz „Pure Electric“. Um dann auch noch die Leistung-Ausstattung zu erwähnen, wird die Zahl der Aggregate ebenfalls drangehängt. So kommt es zu Namen, die gefühlt länger sind als das Auto selber: Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single Motor heißt das Basismodell des kompakten Elektro-SUV.

Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single im Test: Reicht der Mono-Motor?

Mit einem oder zwei Motoren zu haben: Der Volvo XC40 Recharge Pure Electric.

Im Gegensatz zum allradgetriebenen Twin-Motor-Modell mit zweimal 204 PS bietet diese Variante 231 PS an der Frontachse – ist dafür mit 48.650 Euro aber auch knackige 7.500 Euro günstiger. Und dürfte damit, trotz eines etwas kleineren Akkus (67 nutzbare kW statt 75) für die meisten Käufer die deutlich interessantere Alternative darstellen.

Denn von den Fahrleistungen her ist die Single Engine mehr als ausreichend. Das 4,43 Meter lange SUV spurtet an Ampel und Autobahn-Auffahrt so vehement davon, wie es der Fahrer eines Elektroautos erwartet. Die offizielle Zahl von 7,4 Sekunden (verglichen mit 4,9 Sekunden des Allradlers) vermittelt dabei nur unzureichend den spontanen Antritt, den dieser XC40 gerade bis City-Tempo 50 hinlegt.

Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single im Test: Tempo 160 reichen völlig

Am Heck zeigt der Volvo XC40 die markentypischen LED-Leuchten.

Auch die Höchstgeschwindigkeit ist mit 160 km/h für ein SUV absolut angemessen (Volvo regelt wie Renault ohnehin seine Autos bei spätestens 180 km/h ab). Zumal sich schon bei diesem Tempo der Akku zügig leert. Laut Papierform reicht der bei normaler Fahrt für gut 400 Kilometer, innerorts sogar knapp 600. Diese Werte kann man, um es klar zu sagen, gleich mal vergessen: Beim üblichen Alltagsmix aus Stadt und Überland-Strecken muss man nach gut 350 Kilometern eine Säule aufsuchen. Bei der Reichweite unterscheidet sich der XC40 Single Motor also kaum von der schwereren Twin-Variante mit dem etwas größeren Akku – der schließlich auch zwei Motoren speisen muss.

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Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Richtig an der Reichweite zehrt allerdings die Innenraum-Heizung bei winterlichen Temperaturen. Beim Einschalten sackt die Anzeige gleich mal um 40 Kilometer ab, es empfiehlt sich als eher die Nutzung von Sitz- und Lenkrad-Heizung. An der Schnelllade-Säule kommt der Volvo dann aber zügig wieder zu Kräften: Von fast null auf 80 Prozent reicht eine halbe Stunde.

Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single im Test: Kabel verschwindet unter der Fronthaube

Auch sonst bietet der XC40 Recharge Pure Electric Single Motor nach dem überschaubaren Facelift die bekannten Werte: Er fährt sich komfortabel, bei Bedarf auch mal sportlich, der Innenraum wirkt wohnlich. Allerdings bietet das zusammen mit Geely entwickelte Modell nicht das üppige Raumgefühl, das man mit der schwedischen Marke – und auch mit Elektroautos – üblicherweise verbindet, der Fahrer-Fußraum wirkt gar etwas beengt. Für die kleine Familie und die Ein-Hund-Ehe reicht das Platzangebot aber locker. Da das Ladekabel vorne im Frunk verschwindet, ist der Kofferraum vollständig nutzbar.

Das Infotainment-System steuert Android bei.

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Zahlreiche Assistenzsysteme sichern die Fahrt und schützen Volvo-typisch Fußgänger. Navi, Audio und Kommunikation laufen über Android Automotive, das tief integriert ist: So zeigt Google Maps auf dem mittleren Touchscreen recht zuverlässig an, welcher Akkustand nach Erreichen des Zieles zu erwarten ist, und ob der auch noch für die Rückfahrt reicht. Wichtig: Mittlerweile lässt sich auch ein iPhone über Apple CarPlay mit dem System der Konkurrenz vernetzen.

Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single Motor
Motor/Antrieb1 Elektro/Front
Leistung/Drehmoment170 kWS (231 PS) / 330 Nm
Länge/Breite/Höhe4,43/2,03/1,66 m
Ladevolumen414 – 1.290 l
Vmax/0–100 km/h160 km/h / 7,4 s
Batteriekapazität (gesamt/nutzbar)69 kWh/67 kWh
Verbrauch/Reichweite19,7 – 18,5 kWh/100 km / 425 km
Preis48.650 Euro

Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single im Test: Für Dynamiker gibt´s eine Alternative

Insgesamt ist dieses frontgetriebene Elektro-SUV ein stimmiges Angebot. Zum Allradler braucht nur derjenige zu greifen, der oft auf schneebedeckter Fahrbahn unterwegs ist – oder der auch auf feuchter Fahrbahn vollen Grip erwartet. Denn 330 elektrische Newtonmeter an der Frontachse (beim Twin-Motor-XC40 gibt es die hinten zusätzlich) überfordern dann bei voll durchgetretenem Fahrpedal die Regelsysteme doch etwas.

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Aber wer eher dynamisch unterwegs ist, und auf die Magennerven einer mitfahrenden Familie keine Rücksicht zu nehmen braucht, für den hat Volvo mit dem technisch identischen, aber coupéhaft designten C40 Pure Electric ohnehin ein passenderes Modell im Angebot.

Rubriklistenbild: © Volvo

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