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Neuer VW Tiguan: Dritte Generation des Kompakt-SUV kommt noch mal als Verbrenner

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7,6 Millionen verkaufte Fahrzeuge, dritte Generation – und (vermutlich) letzte Generation Verbrenner. Wir haben das neue Kompakt-SUV von VW getestet.

Von den Dimensionen her bleibt beim neuen Tiguan nahezu alles beim alten. Mit Ausnahme des Kofferraums, der auf 652 respektive 1.650 Liter vergrößert wurde. Aber endlich sieht der Tiguan auch so aus, wie der Name klingt. Geradezu progressiv für Wolfsburger Verhältnisse, wo man mit dem VW T-Roc Cabrio bald auch das letzte offene Modell aus dem Programm nimmt. Und der cw-Wert des Tiguan wurde bei der neuen Generation auch gleich noch auf 0,28 verbessert. Die größten Änderungen finden sich im Cockpit und bei den Motoren. Und bei der technischen Ausstattung. Da durften die Ingenieure ein Regal höher greifen, dort, wo sich der Touareg normalerweise bedient. Jetzt gibt es im Tiguan zum Beispiel auch die Zehn-Kammer-Massage-Sitze mit Heizung und Kühlung, oder die HD-Matrix-Scheinwerfer, die mit jeweils 19.200 Multipixel-LEDs die Nacht zum Tage machen.

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Besser bedienbar: VW überarbeitet das Tiguan-Infotainment

Das Gestühl des neuen Tiguan ist komfortabel, stellen wir beim schon beim ersten Ansitzen fest. Bequem, guter Seitenhalt. Vor uns liegt – wenn man es altmodisch formuliert – das Armaturenbrett. Kein Brett war bekanntermaßen die Bedienung bei neueren VW-Modellen (zum Beispiel Golf 8 und ID.3). Unbeleuchtete, berührungsunempfindliche Slider, kein Lautstärkeregler mehr und auch bei der Bedienung der Klimaanlage haperte es mangels Tasten. Das alles ist Vergangenheit, die vielen Kunden-Proteste haben im wahrsten Sinne für Erleuchtung gesorgt. Das Infotainment wurde überarbeitet. Im 13-Zoll großen Display (15 Zoll gegen Aufpreis) gibt es jetzt zwei Leisten, die man immer im Blickfeld hat. Oben kann man die Kacheln selbst belegen, unten stellt der Fahrer die Raum-Temperatur ein oder die Sitzheizung. Auch im Menü findet man sich gut zurecht, die Reaktionszeiten des Tabletts sind sehr gut.

Mit Ambientebeleuchtung und einem großen Infotainment-Bildschirm sieht der VW Tiguan auch im Innenraum ziemlich modern aus.

VW Tiguan mit Barbie-Beleuchtung und ChatGPT

Neu ist der sogenannte Fahrerlebnisschalter in der Mittelkonsole. Mit dem beleuchteten Drehknopf regelt man die Lautstärke, stellt die Fahrmodi ein – und dann gibt es ja noch die „Atmospheres“. Vorkonfigurierte Einstellungen von Ambiente-Licht und Soundsystem sollen bei den Passagieren für unterschiedliche Stimmungen sorgen. „Lounge“ mit gedämpfter Musik für den Nachhauseweg nach einem stressigen Tag im Büro etwa, oder „Energetic“, wer noch einen kleinen Kick braucht. Wirklich schräg ist die „Atmosphere“ mit viel Pink und Lila – voll im Barbie-Trend.

Auch beim Infotainment ist VW ganz vorne dabei: Erstmals hat der Tiguan mit ChatGPT auch künstliche Intelligenz an Bord. Vor Ende Juni wird es aber noch nichts mit der Einführung. Wir durften allerdings schon mal testen: „Wer ist Thomas Schäfer.“ Antwort: „Thomas Schäfer ist ein hessischer CDU-Politiker, der am 28. März 2020 verstorben ist.“ Den obersten Volkswagen-Chef und CEO Thomas Schäfer hat die KI verschwiegen. Kein Wunder, das Wissen von ChatGPT geht bislang ja auch nur bis Januar 2022 zurück. Ansonsten funktioniert die Sprach-KI ganz ordentlich, für lange Fahrten könnte sie ganz unterhaltsam sein.

Das Facelift des VW Tiguan erkannt man an der Front. Kühler und Lufteinlässe bilden eine große Einheit und machen ziemlich Eindruck

Die Motoren im VW Tiguan: Mild Hybrid 1,5 eTSI mit 150 PS

Aus dem überarbeiteten Motoren-Programm haben wir uns zwei Modelle herausgepickt. Zum einen den Mild-Hybrid 1,5 eTSI mit 150 PS und im Vergleich dazu den 2,0-Liter-Turbodiesel mit 193 PS. Oldschool gegen new school quasi. Beim Hybriden spulen die VW-Ingenieure einen 1,5 Liter großen Benziner mit einem elektrischen Startergenerator zusammen. Er steuert noch mal 14 kW Leistung und 56 Nm Drehmoment bei. Das Zusammenspiel der beiden sollte eigentlich reibungslos funktionieren. Wir haben das streckenweise vermisst. Beim Tritt auf das Gaspedal zum Beispiel genehmigt sich der Motor erst einmal eine Zwangspause, dann erst stürmt er lautstark los. Hier könnte die E-Maschine eigentlich für einen sanften, aber zugkräftigen Übergang sorgen und die Gedenksekunde elegant ausgleichen. Auch in einer anderen Situation erweist sich der Antrieb als unharmonisch. Wenn man vom Gas geht, bleibt der Motor noch länger im hohen Drehzahlbereich, bis er sich wieder beruhigt. Und der schnellste ist er auch nicht: 10,6 Sekunden von 0 auf 100.

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Die Motoren im VW Tiguan: 2,0-Liter-Allrad-Diesel mit 200 PS

Ganz anders der 2,0-Liter-Allrad-Diesel 2,0 TD SCR 4Motion. Der hat eine echte Wuchtbrumme unter der Haube, die mit ihren knapp 200 PS und 400 Nm ganz schön anschiebt. Dieselfahren macht halt immer noch ziemlich Spaß, und das Brummen des Selbstzünders ist uns allemal lieber als der hektische und auf Effizienz getrimmte Benziner. Beim Verbrauch hat uns der eTSI enttäuscht: 7,1 Liter ist nicht gerade wenig. Da dürfte der ganz neue PHEV 1,5eHybrid besser abschneiden. Er kombiniert den 150 PS-Benziner mit einer 115-PS-E-Maschine – und hat eine 19,7 kWh große Batterie. Damit will VW über 100 Kilometer weit elektrisch kommen und auch beim Laden hört sich der Plug-in-Hybrid gut an: 50 kW DC kann er – das sollte für eine Zeit von 23 Minuten sorgen bis der Akku von 10 auf 80 Prozent ist. Testen konnten wir den 1,5eHybrid leider noch nicht. Eine rein elektrische Version gibt es noch nicht beim Tiguan, dieser Antrieb bleibt der ID.-Reihe zunächst vorenthalten, die mit dem Volkswagen ID.7 jetzt auch in das klassische Passat-Segment vordringt.

Lieblingsautos der Deutschen in 2023: An Volkswagen führt kein Weg vorbei

Der Škoda Octavia RS als Limousine und Combi.
Platz 10 – Škoda Octavia: Der Kompaktwagen der Tschechen ist neu in den Top-10 und zeitgleich der erste Vertreter der Volkswagen Gruppe. Insgesamt wurde der Octavia vierten Generation 2023 41.819 Mal verkauft. Im Frühjahr 2024 erhält das 2019 vorgestellte Fahrzeug von Škoda ein Update. © Škoda
Mercedes-AMG C 63 S E PERFORMANCE als Coupe und T-Modell.
Platz 9 – Mercedes-Benz C-Klasse: Ebenfalls neu dabei ist die C-Klasse von Mercedes-Benz. Die fünfte Generation des Bestsellera aus Stuttgart kam 2021 auf den Markt. 2023 setzte Mercedes-Benz 44.257 Fahrzeuge ab. © Mercedes-Benz AG
Tesla Model Y.
Platz 8 – Tesla Model Y: Weltweit ist das Elektroauto aus den USA eines der am meist vekauftesten Autos überhaupt. Auch in Deutschland ist das SUV sehr beleibt. Tesla verkaufte in 2023 45.818 Exemplare. Im Vergleich zu 2022 verbesserte sich das Model Y um drei Positionen. © Roland Weihrauch/dpa
Mini Cooper
Platz 7 – Mini Cooper: Das Kultauto der BMW-Tochter kommt auch bei den Deutschen gut an – auch als Stromer. Allerdings nicht mehr so gut, wie noch 2022. Mit 45.938 Neuzulassungen rutscht der Mini im Ranking auf Platz sieben. © Bernhard Filser/BMW Group
Fiat 500 vor rotem Hintergrund.
Platz 6 – Fiat 500: Klein, aber oho. Die Knutschkugel aus Italien lässt auch hierzulande die Herzen schmelzen. 2023 verkaufte sich der Fiat 500 ganze 47.166-mal. © Max Sarotto/Stellantis
VW Passat
Platz 5 – VW Passat: Wer viel Platz sucht, der kommt kaum um den Allrounder aus Wolfsburg herum. Das zeigt sich auch bei den Verkaufszahlen: 47,494 Abnehmer fand der VW Passat. Seit 1973 leistet der Passat nicht nur Familien treue Dienste. 2023 ging die inzwischen neunte Generation an den Start, die es nur noch als Kombi gibt. © Volkswagen
Opel Corsa
Platz 4 – Opel Corsa: Mit 53.669 Exemplaren erfreut sich der Kleinwagen aus Rüsselsheim großer Beliebtheit. Fürs Podium reicht es aber leider nicht. Dennoch konnte sich der Opel Corsa um einen Platz verbessern. © Stellantis
VW Tiguan
Platz 3 – VW Tiguan: Der erste Podiumsplatz geht nach Wolfsburg. Der Tiguan verkaufte sich in 2023 63.958-mal. Besonders beliebt war der SUV bei Unternehmen, auf die drei Viertel der Zulassungen entfielen. © Volkswagen
VW T-Roc.
Platz 2 – VW T-Roc: Noch beliebter als der Tiguan war der T-Roc. VW verkaufte von dem Mini-SUV insgesamt 68.678 Exemplare. Das sind 17 Prozent mehr als 2022. Entsprechend verbesserte sich der T-Roc auf Platz zwei. © Uli Sonntag/VW
VW Golf
Platz 1 – VW Golf: Es kann nur einen geben! Und das ist – wie sollte es auch anders sein – der VW Golf. Der Dauerbrenner aus Wolfsburg war auch 2023 wieder das Lieblingsauto der Deutschen. 81.117 Fahrzeuge setzte Volkswagen ab. Vier Prozent weniger als noch 2022. Aber auch hier steht bekanntlich 2024 ein Facelift ins Haus. © Ingo Barenschee/Volkswagen

Der Spurhalteassistent des VW Tiguan hält sich vornehm zurück

Beim Fahrwerk macht der neue Tiguan einen großen Sprung. Er bekommt das neue adaptive DCC Pro. Herzstück sind Dämpfer, die mit zwei Ventilen ausgestattet sind. So können Zug und Druckstufe separat angesteuert werden, das System reagiert dadurch schneller und feiner. Das merkt man beim Fahren tatsächlich. Für unseren Geschmack allerdings ist die Federung zu hart, man spürt Querrillen und Unebenheiten zu deutlich. Auch kann das DCC Pro nicht ganz verleugnen, dass es sich beim Tiguan um einen hochbeinigen SUV handelt. Wir sind schon gespannt, wie sich der neue VW Passat fährt, der hat nämlich die gleiche technische Ausstattung. Mehr Ruhe und eine bessere Abstimmung hätten wir uns auch beim Travel Assist erwartet. Beim Losfahren im Stop-and-Go-Verkehr gibt der Assistent zu viel Gas, um dann unsanft und abrupt abzubremsen, wenn der Vordermann stehen bleibt. Lobenswert ist der Spurhalteassistent: Er bleibt dezent im Hintergrund und greift bei Bedarf nur ganz fein ein. So muss das sein.

Der Kofferraum des VW Tiguan hat noch mal zugelegt. Bis zu 1.650 Liter bringt man unter. Die Rückbank ist teilbar.

Das kostet der neue VW Tiguan

Schauen wir auf die Preise: Bei 36.600 Euro geht es los. Anfang 2020 waren es noch knapp 31.000 Euro. Die Grundausstattung der dritten Generation dürfte aber weitaus besser sein. Mit dabei ist beim 1,5 eTSI mit 130 PS zum Beispiel das voll digitale Cockpit und das 12,9 Zoll (ca. 33 cm) große Infotainment-Display sowie die Rückfahrkamera. Wer 3.000 Euro mehr investiert, bleibt immer noch unter der 40.000 Euro-Grenze und bekommt mit der Ausstattungslinie „Life“ jedoch schon den Parkassistenten „Plus“, die automatische Distanzregelung ACC, den Fernlichtassistenten sowie die drahtlose Verbindungsmöglichkeit für das Smartphone. Unsere Meinung: Mehr Tiguan braucht es nicht.

Technische Daten VW Tiguan 1,5 eTSi

  • Motor: 1,5-Liter Vierzylinder-Benziner
  • Antrieb: Front / 7-Gang-DSG
  • Systemleistung: 94 kW (130 PS)
  • Drehmoment: 220 Nm (1.500 – 3.500 U/min)
  • 0 – 100 km/h: 10,6 s
  • V. max: 198 km/h
  • Verbrauch: 6,1 l 100 km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,54 / 1,84 / 1,66
  • Radstand: 2,68 m
  • Wendekreis: 11,7 m
  • Leergewicht / Zul.: 1.598 / 512 kg
  • Anhängelast / Stützlast: 1.600 / 100 kg
  • Kofferraum: 652 – 1.650 l
  • Preis: 36.600 Euro  

Unser Fazit zum neuen Tiguan von Volkswagen

Gelungenes Design, schnelles Infotainment, leichte Bedienung – das alles sind Zutaten, die uns beim neuen Tiguan schmecken. Wer den Mild-Hybrid nicht mag, der kann ja auf das bewährte Diesel- und Benziner-Programm von Volkswagen zurückgreifen und hat damit garantiert Spaß. Mit einem Startpreis von 36.600 Euro und einer guten Grundausstattung bleibt das SUV sogar einigermaßen erschwinglich und könnte auch weiterhin ein Dauerbrenner sein, der letzte Verbrenner. Rudolf Bögel

Rubriklistenbild: © VW

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