Verdauungsbeschwerden

Ursachen, Symptome und Hausmittel bei Verstopfung – Was hilft bei Obstipation?

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  • Jasmina Deshmeh
    Jasmina Deshmeh
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Eine Verstopfung ist meistens harmlos und verschwindet von selbst. Bestimmte Symptome, Schmerzen und länger anhaltende Beschwerden sollte jedoch ein Arzt abklären.

Bei einer Verstopfung (Obstipation) ist die Stuhlentleerung erschwert und erfolgt weniger als dreimal pro Woche. Entgegen häufiger Auffassung ist eine Verstopfung keine Befindlichkeitsstörung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, die Betroffene belastet und in ihrer Lebensqualität einschränkt. In den meisten Fällen wird eine Verstopfung durch harmlose Ursachen ausgelöst. Manchmal können bei einer Verstopfung aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, eine Zöliakie, ein Reizdarm oder Erkrankungen wie Darmkrebs die Ursache sein.

DefinitionWeniger als dreimal pro Woche Stuhlgang; Probleme bei Stuhlentleerung
SymptomeHarter Stuhlgang, Gefühl der unvollständigen Entleerung oder einer blockierten Darmpassage, Starkes Pressen
Ursachen Hormonelle Umstellung, Stress, Unverträglichkeiten, Reizdarm, in seltenen Fällen: Darmkrebs
Formen von VerstopfungPrimäre funktionelle Verstopfung, Darmentleerungsstörung und sekundäre Verstopfung
Ernährungstipps und HausmittelLeinsamen, Flohsamen, Trockenobst, ballaststoffreiche Kost, Bauchmassagen und -auflagen
Warnzeichen Blutiger Stuhl, Fieber, Erbrechen, kolikartige Bauchschmerzen -> ab zum Arzt!

Symptome einer Verstopfung – wann sie gefährlich wird

Das Gefühl, verstopft zu sein, ist vielen bekannt. In Deutschland leiden 5 bis 20 Prozent der Menschen an einer Verstopfung, wobei Frauen etwa doppelt so oft betroffen sind wie Männer. Damit zählt Verstopfung zu den häufigsten Funktionsstörungen. Oft wird der Begriff „Verstopfung“ für eine allgemeine Darmträgheit genutzt, obwohl sie eigentlich das Auftreten mehrerer Symptome bezeichnet.

Nach der gemeinsamen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) liegt eine chronische Verstopfung vor, wenn über einen Zeitraum von mindestens zwölf Wochen regelmäßig oder wiederholt drei der folgenden Symptome auftreten:

  • Weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche
  • Starkes Pressen während des Stuhlgangs
  • Klumpiger, harter Stuhl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Gefühl einer blockierten Darmpassage
  • Manuelle Hilfe zur Erleichterung der Darmentleerung nötig

Wie oft es zur Darmentleerung kommt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Als normal gilt bei Erwachsenen eine Spanne von dreimal täglich bis dreimal in der Woche. Kinder haben eine Verstopfung, wenn sie weniger als einmal in der Woche ihr großes Geschäft verrichten.

Bei einer akuten Verstopfung kann ein Einlauf hilfreich sein.

Neben der chronischen Verstopfung kann es auch zu einer plötzlich auftretenden Verstopfung (akuten Verstopfung) kommen. Lebensumstände wie Reisen, Stress oder eine hormonelle Umstellung können diese akute Verstopfung hervorrufen. Sie kann aber auch auf eine ernsthafte Erkrankung, wie einen Darmverschluss, hinweisen und sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Dies gilt vor allem, wenn auch Blut im Stuhl, kolikartige Bauchschmerzen, Fieber, Erbrechen oder ein schneller Gewichtsverlust auftreten.

Was sind häufige Ursachen von Verstopfung?

Es kommen verschiedene Ursachen für eine Verstopfung in Frage: Sie reichen von Nebenwirkungen durch Medikamente, über verschiedene Erkrankungen bis hin zu Lebensgewohnheiten wie Bewegungsmangel, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, faserarme Kost, Schichtarbeit oder exotisches Essen. Je nach Ursache wird zwischen einer primären funktionellen Verstopfung, einer Entleerungsstörung und einer sekundären Verstopfung unterschieden.

Verschiedene Formen der Verstopfung

Für die primäre funktionelle Verstopfung können zwei Ursachen verantwortlich sein: Eine Transportstörung des Darms (meist des Dickdarms), deren Auslöser noch nicht abschließend geklärt ist. Es wird vermutet, dass sie durch eine Störung der Nerven in der Darmwand verursacht wird. Diese Form der Verstopfung wird als „Slow Transit Obstipation“ bezeichnet und kommt gehäuft bei jüngeren Patientinnen vor. Eine Slow Transit Obstipation wird oft von Symptomen wie Völlegefühl, einem Blähbauch oder Übelkeit begleitet und ist meist durch eine lange Krankheitsdauer gekennzeichnet.

Bei einer Entleerungsstörung des Enddarms können Patienten durch sehr harten Stuhl und Passageschwierigkeiten ihr „großes Geschäft“ nicht oder nur portionsweise verrichten. Manchmal müssen Betroffene die Stuhlentleerung (Defäkation) manuell unterstützen. Diese Art der Verstopfung kann durch organische Ursachen wie Hämorrhoiden, Darmpolypen oder muskuläre Schwierigkeiten (z.B. Verkrampfung des Darmausgangs) oder durch psychische Faktoren, wie die Verzögerung der Darmentleerung durch Stress oder seelische Belastung, hervorgerufen werden. Auch ein Reizdarmsyndrom kann sich hinter einer Entleerungsstörung verbergen.

Sekundäre Verstopfung

Die dritte Form der Verstopfung, die sekundäre Verstopfung, wird durch eine diagnostizierbare Erkrankung ausgelöst oder tritt als Nebenwirkung nach der Einnahme von Medikamenten auf. In diesem Fall sollte zunächst die Grunderkrankung behandelt werden, wodurch sich die Verstopfung meist von selbst löst. Verstopfung als Nebenwirkung ist beispielsweise bei bestimmten Schmerzmitteln, Antidepressiva, Magensäurebindern oder Blutdruckmitteln bekannt.

Nahrungsmittelunverträglichkeit als Ursache

Auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Zöliakie können sich durch Verstopfung bemerkbar machen. Bei einer Zöliakie führt der Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln zu Entzündungen im Dünndarm, wodurch die Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Zotten) abflachen. In der Folge können Nährstoffe nicht mehr ausreichend aufgenommen werden (Malabsorption).

Während es sich bei der Zöliakie um eine Autoimmunerkrankung handelt, werden bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit bestimmte Bestandteile von Nahrungsmitteln aufgrund eines Enzym-Mangels bzw. Enzym-Defekts nicht richtig verdaut. Zur Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann der Arzt einen Wasserstoff-Atemtest durchführen.

Obstipation in Schwangerschaft und Stillzeit

Verstopfungen während der Schwangerschaft sind keine Seltenheit. Die hormonelle Umstellung wirkt sich auf die Darmtätigkeit aus und lässt ihn träge werden. Weniger körperliche Aktivität und die immer größer werdende Gebärmutter, die Druck auf den Darm ausübt, können das Problem verstärken.

Auch Babys und Kleinkinder können unter Verstopfungen leiden. Dies ist vor allem bei der Umstellung von Muttermilch auf feste Beikost der Fall. Ursache kann aber auch ein wunder Po, eine Laktoseintoleranz, Antibiotika oder ein veränderter Tagesrhythmus sein. Bei der Windelentwöhnung kann es außerdem zu einer sogenannten „Lernverstopfung“ kommen. In manchen Fällen handelt es sich um Morbus Hirschsprung, eine erbliche Darmerkrankung.

Welche Hausmittel helfen bei akuten Verdauungsbeschwerden?

Je nach Art und Ursache der Verstopfung, können Hausmittel und Verhaltenstipps helfen, die Symptome zu lindern. Bei starken Beschwerden können sie die medikamentöse Behandlung ergänzen. In einigen Fällen kann Bewegung helfen, die Verstopfung zu lösen und im besten Fall künftig vorzubeugen. Sie bringt den durchschnittlich etwa acht Meter langen Darm wieder in Schwung. Dies gilt auch für eine wohltuende Bauchmassage, die die Darmtätigkeit schonend anregt.

Hierbei sollten beide Hände einen leichter Druck auf den Dickdarm ausüben, indem bogenförmig vom linken zum rechten Unterbauch gestrichen wird. Außerdem ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Auch den Bauch mit ätherischen Ölen einzureiben (nicht bei Kindern anwenden!), eine Bauchauflage mit Kamille oder ein warmes Körnerkissen können die Verstopfung lindern.

Leinsamen können Verstopfung lösen und gelten als sehr gesund.

Stress vermeiden

Wer zu Verstopfung neigt, sollte Stress, wann immer möglich, vermeiden. Da Darm und Gehirn über die Darm-Hirn-Achse miteinander verbunden sind, können sich seelische und körperliche Belastung auf die Verdauung auswirken. Besonders bei einer durch Reizdarmsyndrom ausgelösten Verstopfung ist es wichtig, Stress zu reduzieren. Entspannungstechniken, wie Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson tragen zur Entspannung bei. Betroffene sollten außerdem versuchen, den Stuhlgang nicht zu unterdrücken.

Ernährungstipps bei Verstopfung

Auch bestimmte Lebensmittel können die Verdauung unterstützen und Verstopfungen lösen. So sind beispielsweise Flohsamen, Leinsamen und Haferflocken für ihre verdauungsfördernde Wirkung bekannt. Sie quellen im Magen auf und erhöhen das Volumen des Darminhalts, was die Stuhlentleerung beschleunigt. Auch natürliche, in Lebensmitteln wie Sauerkraut und Joghurt vorkommende Probiotika, können eine gesunde Darmflora und somit eine gesunde Darmtätigkeit unterstützen.

Oliven-, Lein- oder Rizinusöl erhöhen außerdem die Gleitfähigkeit des Stuhls. Auf stopfende Nahrungsmittel wie Bananen, Weißbrot, Nudeln, Schokolade, Rotes Fleisch und Fastfood sollte dagegen verzichtet werden. Das Essen ordentlich zu kauen, hilft dem Magen, dieses leichter zu zersetzen.

Diese Medikamente lindern Verstopfungssymptome

Bei starken Symptomen können Medikamente wie Abführmittel (Laxanzien) in Tabletten-, Tropfen-, Sirup-, Pulver- oder Zäpfchenform die Verstopfung lösen. Sie regen die Darmperistaltik, also die Beförderung des Speisebreis, an, indem sie Gase bilden, die den Ausscheidungsreflex aktivieren, stimulatorisch auf die Darmbewegung wirken oder den Stuhl aufweichen. Verursachen bestimmte Grunderkrankungen, wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes, die Verstopfung, müssen sie mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden. Akute Verstopfungen löst ein Einlauf.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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