Wildkatzen in Deutschland

Rund 1.000 Wildkatzen streifen durch Hessens Wälder – was unterscheidet die scheuen Tiere von Hauskatzen?

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Noch vor 150 Jahren war die Wildkatze in Europa keine Seltenheit. Jetzt ist sie vom Aussterben bedroht. Doch vor allem die Population in Hessen macht Hoffnung.

Nur noch rund 5.000 bis 7.000 der scheuen Exemplare leben Schätzungen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hessen zufolge heute noch in Deutschland. Ihre Verbreitung konzentriert sich dabei auf zwei Gebiete, darunter „Wälder im Harz, Solling, Kyffhäuser, die übrigen Waldgebiete Nordthüringens und den Hainich“ sowie die „bedeutendste deutsche Wildkatzenpopulation“ in der Eifel, im Hunsrück, im Pfälzer Wald und dem Taunus. Etwa 1.300 bis 2.800 Tiere seien in diesem Gebiet unterwegs, wie der Landesverband informiert.

Die Europäische Wildkatze lässt sich unter anderem gut anhand ihrer verwaschenen, gräulich-gelben Fellfarbe von der Hauskatze unterscheiden.

Zudem sei es im Spessart in Bayern gelungen, Wildkatzen erneut anzusiedeln. Doch vor allem die Population von schätzungsweise mehr als 1.000 Tieren in Hessen als eines der waldreichsten Bundesländer sei ein Anlass zur Hoffnung, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Das seltene Säugetier, das laut Kölner Stadt Anzeiger auch Waldkatze genannt wird, hat seinen anderen Namen aus gutem Grund: Denn Wildkatzen sind vor allem in strukturreichen Wäldern zu Hause. „Kleine helle Lichtungen, im Wald verborgene Wiesen und ruhige, heckenreiche Säume am Waldrand sind die Lieblingsplätze der Wildkatzen“, so der BUND Hessen. Dort würde es eine reiche Ausbeute ihrer Hauptnahrungsquelle, Mäuse, geben. Bieten ihnen Büsche und Hecken ausreichend Schutz, würden sich die scheuen Katzen auch mal aus dem Wald herauswagen.

Ist das der Fall, werden Wildkatzen oftmals mit Hauskatzen verwechselt. Damit Sie in Zukunft für eine Begegnung gewappnet sind und den seltenen Einzelgänger dann auch gewiss erkennen, finden Sie hier die Hauptmerkmale, die eine Wildkatze von einer Hauskatze unterscheidet.

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Unterschied zur Hauskatze – woran Sie Wildkatzen erkennen können

Obwohl sich Haus- und Wildkatzen auf den ersten Blick recht ähnlich sehen, dürfe man die beiden Tiere nicht verwechseln. Denn „Wildkatzen sind keine davongelaufenen Hauskatzen“, schreibt der BUND Hessen.

  • Wildkatzen besitzen einen buschigen, dicken Schwanz mit zwei bis drei deutlichen dunklen Ringen und einem stumpfen, schwarzen Ende.
  • Wildkatzen haben eine optisch stark verwischte, grau-gelbe Fellzeichnung.
  • Der sogenannte weiße Kehlfleck ist auch aus der Ferne ein gut erkennbares Merkmal von Wildkatzen.
  • Der sogenannte Aalstrich endet bei Wildkatzen bereits an der Schwanzwurzel, während er bei Hauskatzen meist entlang des gesamten Schwanzes verläuft.
  • Mit drei bis acht Kilogramm sind Wildkatzen für gewöhnlich etwas schwerer als Hauskatzen und wirken insgesamt größer und kräftiger, vor allem im Winterfell – obwohl sie mit einer Länge von bis zu 80 Zentimetern nicht wirklich größer sind als Hauskatzen.
  • Auch die dicklichen Läufe der Wildkatze lassen sie etwas plumper als die Hauskatze erscheinen.

Der BUND Hessen hat ein übersichtliches Merkblatt erstellt, anhand dessen Laien schnell die Unterschiede zwischen Wildkatzen und Hauskatzen, die einfach umher streunen, erkennen können. Als ausgedrucktes Poster ist die Tabelle bei Bedarf schnell griffbereit.

Zehn Katzenrassen, die kaum einer kennt

Diese aus Kenia stammende Katze besticht mit ihrem wild gemustertem Fell.
1. Sokoke-Katze: Diese aus Kenia stammende Katze besticht mit ihrem wild gemustertem Fell. Sie gilt als athletisch, agil und verspielt und braucht viel Freilauf. © IMAGO/Sergei Karpukhin
Die LaPerm-Katze ist berühmt für ihr lockiges Fell, das an Siamesen erinnert.
2. LaPerm: Die LaPerm-Katze ist berühmt für ihr lockiges Fell, das an Siamesen erinnert. Ursprünglich kommt diese Rasse aus den USA. Sie sind anhängliche und zutrauliche Tiere, die eine enge Bindung zu ihren Besitzern aufbauen. © IMAGO
Eine Mischung aus Burmesen und Chinchilla-Persern.
3. Burmilla: Eine Mischung aus Burmesen und Chinchilla-Persern. Burmilla-Katzen wirken mit ihrem schimmerndem Fell sehr elegant. Ihr Charakter wird als sanft und gesellig beschrieben. © IMAGO/G. Lacz
Diese Rasse stammt ursprünglich aus dem östlichen Russland.
4. Kurilen Bobtail: Diese Rasse stammt ursprünglich aus dem östlichen Russland. Charakteristisch ist der deutlich verkürzte Schwanz. Die Kurilen Bobtail gilt als naturverbunden und verspielt und sollte am besten als Freigänger gehalten werden. © IMAGO
Hierbei handelt es sich um eine Kreuzung zwischen der Bengal- und der Orientalisch-Kurzhaar-Katze.
5. Serengeti-Katze: Hierbei handelt es sich um eine Kreuzung zwischen der Bengal- und der Orientalisch-Kurzhaar-Katze. Serengeti ähneln vom Aussehen her den deutlich größeren Geparden. Sie sind sehr aktiv und gesellig.  © IMAGO
Diese Eigenschaften machen die Selkirk Rex-Katzen zu einem idealen Kuschelpartner und Mitbewohner.
6. Selkirk Rex: Lockiges Fell, sanfter Charakter: Diese Eigenschaften machen die Selkirk Rex-Katzen zu einem idealen Kuschelpartner und Mitbewohner. Aufgrund ihrer Tendenz, enge Bindungen mit ihrem Besitzern aufzubauen, wird sie auch als „Hundkatze“ bezeichnet. © IMAGO
Mit ihrem gefleckten Fell sieht diese Kurzhaarkatze einfach majestätisch aus.
7. Ägyptische Mau: Mit ihrem gefleckten Fell sieht diese Kurzhaarkatze einfach majestätisch aus. Ihre Herkunft reicht bis ins antike Ägypten zurück. Dort wurde sie auf historischen Wandmalereien abgebildet. © IMAGO
Umgangssprachlich wird diese Rasse auch als „Türkische Wasserkatze“ bezeichnet.
8. Türkish Van: Umgangssprachlich wird diese Rasse auch als „Türkische Wasserkatze“ bezeichnet. Der Grund dafür ist ihre ungewöhnliche Vorliebe zum Wasser. So fischt und schwimmt sie gerne in freier Natur. © IMAGO/G. Lacz
Nur zwei bis drei Kilo bringt diese Katze im ausgewachsenen Zustand auf die Waage.
9. Singapura: Nur zwei bis drei Kilo bringt diese Katze im ausgewachsenen Zustand auf die Waage. Damit ist sie die kleinste Rassekatze der Welt. Hierzulande ist die Singapura-Katze äußerst selten und wird nur vereinzelt gezüchtet.  © IMAGO/P. Wegner
Wie der Name schon sagt, ist das Fell dieser Katze sehr kurz.
10. Orientalisch Kurzhaar: Wie der Name schon sagt, ist das Fell dieser Katze sehr kurz. Ähnlich wie Siamkatzen sind Orientalisch Kurzhaar schlank und elegant gebaut. Sie gelten als aktiv, gesellig und sehr neugierig.  © IMAGO

Verwechslungsgefahr: Junge Wildkatzen sehen Hauskatzen ähnlich

Bei den Jungtieren der Wildkatzen ist die Fellzeichnung hingegen noch deutlich kontrastreich. Dadurch sehen sie wildfarbenen Hauskatzenwelpen sehr ähnlich, was die Unterscheidung erschwert. Halten Spaziergänger die Kätzchen fälschlicherweise für ausgesetzte oder verwaiste Jungtiere, nehmen sie die Kleinen mit und entfernen sie so von ihrer Mutter. Doch die ist meist nur auf Mäusejagd und kehrt bald zurück. Laut BUND gilt daher: Grau getigerte Kätzchen unbedingt im Wald lassen und nicht anfassen.

Vorsicht Verwechslung: Wildkatzenbüros helfen im Notfall

Nur selten sind Wildkatzen tatsächlich in Not. In diesen Fällen lohnt es sich für Spaziergänger, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nach dem Tier zu sehen. Bleibt die Situation unverändert oder ist das Jungtier sogar verletzt, können sich Beobachter zum Beispiel an ein BUND-Wildkatzenbüro im jeweiligen Bundesland wenden.

Rubriklistenbild: © Reiner Bernhardt/Imago

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