VonNoah Forouzanschließen
Der Plan, Elektroautos in die Stromversorgung einzubinden, findet zunehmend Gehör. Netzbetreiber verzeichnen Fortschritte, doch der ADAC bleibt skeptisch.
Die Energiewende stellt Netzbetreiber vor große Herausforderungen: Strom aus erneuerbaren Energien ist wetterabhängig, und Dunkelflauten, in denen Wind und Sonne fehlen, belasten die Netze. Eine innovative Lösung könnte der Einsatz von Elektroautos als Stromspeicher sein. Die Idee: Die Batterien der Fahrzeuge speichern überschüssige Energie und geben sie später bei Bedarf ins Netz zurück. Doch wie realistisch ist diese Vision?
Elektroautos als Stromspeicher stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung. Der ADAC hält den großflächigen Einsatz dieser Technologie in naher Zukunft für unwahrscheinlich. Fabian Fährmann vom ADAC erklärt, dass die Technik noch in der Erprobungsphase steckt und erste Anwendungen frühestens in fünf Jahren zu erwarten seien. Netzbetreiber wie Mitnetz und der Energiekonzern E.ON testeten jedoch bereits den Einsatz von E-Autos als Speicher. Trotz vielversprechender Ansätze bremsten hohe Kosten, fehlende gesetzliche Regelungen und technische Fragen die Entwicklung.
Bidirektionales Laden: Chancen, Herausforderungen und erste Tests mit E-Autos
Das sogenannte bidirektionale Laden ist die technische Grundlage, um Elektroautos als Stromspeicher zu nutzen. Dabei kann die Batterie eines E-Autos nicht nur Energie aufnehmen, sondern auch ins Stromnetz zurückspeisen. Immer mehr neue Fahrzeugmodelle unterstützen diese Technik, und auch spezielle Ladeboxen werden entwickelt. Karen Peemöller, Sprecherin von E.ON erklärt, dass allein in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt bereits 15.000 Elektroautos unterwegs seien, die theoretisch Strom zurückgeben könnten. Bei einer freiwilligen Rückspeisung von 60 Prozent ihrer Ladung könnten diese Fahrzeuge bis zu 170.000 Haushalte von 17:30 Uhr bis 5:30 Uhr mit Energie versorgen.
Trotz der vielversprechenden Technik bleibt die Umsetzung komplex. Um Strom ins Netz zurückspeisen zu können, sind teure Ladeboxen und digitale Stromzähler notwendig. Hinzu kommen fehlende gesetzliche Rahmenbedingungen: Es ist noch nicht geregelt, wie der zurückgespeiste Strom vergütet oder besteuert wird. Fabian Fährmann vom ADAC warnt zudem vor möglichen Auswirkungen auf die Batterielebensdauer. Viele Verbraucher seien skeptisch, ob die Garantie ihrer Batterien durch die zusätzliche Nutzung als Stromspeicher beeinträchtigt werde. Diese Unsicherheiten tragen dazu bei, dass die Technologie bislang nur in Testprojekten erprobt wird.
Der Netzbetreiber Mitnetz testet bereits in Cottbus, wie gut sich Elektroautos als Stromspeicher eignen. Die ersten Ergebnisse stimmen optimistisch: Die Rückspeisung von Energie ins Netz beeinträchtigt weder die Funktionalität der Fahrzeuge noch deren Alltagstauglichkeit. Michael Lehmann, Manager bei Mitnetz, betont, dass die Kunden selbst entscheiden sollten, wann und wie viel Energie sie aus ihrem Fahrzeug zurückspeisen möchten. Es gehe nicht darum, Millionen Fahrzeuge zentral zu steuern, sondern flexible Lösungen anzubieten, die sich an den Bedürfnissen der Verbraucher orientieren.
Hürden auf dem Weg zur flächendeckenden Nutzung
Doch bis diese Technologie flächendeckend eingesetzt werden kann, müssen noch zahlreiche Hürden überwunden werden. Neben den technischen Herausforderungen und den hohen Kosten fehlt es vor allem an politischen und rechtlichen Regelungen. Auch die Frage nach einer fairen Vergütung für eingespeisten Strom bleibt offen. Der ADAC rechnet erst ab 2030 mit ersten großflächigen Anwendungen, während Netzbetreiber wie Mitnetz optimistischer sind. Auch interessant: Diese Ladesäulen stellen jetzt günstigeren Strom bereit.
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