Zusätzliche Altersvorsorge

Vorsicht bei der Auszahlung: Was bei der Riester-Rente wirklich auf dem Konto ankommt

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Riester-Anleger sollten genau hinschauen: Was letztendlich ausgezahlt wird, liegt häufig weit unter der Erwartung. Steuern und Gebühren drücken den Betrag.

Hamm – Die Riester-Rente sollte einst die Rentenlücke schließen. Doch viele Sparer erleben beim Renteneintritt eine böse Überraschung: Die tatsächliche Auszahlung fällt oft deutlich niedriger aus als gedacht. Besonders Steuern, hohe Kosten und optimistische Annahmen über Renditen schmälern das Ergebnis bei der Alternativ-Rente.

In der Ansparphase zahlen Versicherte Eigenbeiträge ein und erhalten staatliche Zulagen sowie mögliche Steuervergünstigungen. Voraussetzung: Mindestens vier Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres müssen eingezahlt werden, maximal 2.100 Euro jährlich. Ohne Mindestbeitrag von 60 Euro gibt es keine Förderung.

Auszahlung bei der Riester-Rente: Große Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität

Beim Eintritt in die Rentenphase – meist zwischen dem 65. und 67. Lebensjahr – wird die Riester-Rente als lebenslange monatliche Zahlung ausgezahlt. Alternativ können Riester-Sparer laut Deutscher Rentenversicherung (DRV) bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals zu Beginn der Auszahlungsphase auf einmal entnehmen.

Doch Achtung: Laut Verbraucherzentrale muss auch die Teilentnahme voll versteuert werden. Zudem sinkt durch die Teilauszahlung die spätere monatliche Rente deutlich. Wer das gesamte Kapital auf einmal haben möchte, riskiert eine schädliche Verwendung: Die komplette staatliche Förderung muss zurückgezahlt werden. Auch die erwirtschafteten Erträge sind zu versteuern. Die DRV stellt dazu ein Infoblatt zur Verfügung.

Die Riester-Rente – ein Überblick

Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt, um die gesetzliche Rente zu ergänzen und das sinkende Rentenniveau abzufedern. Benannt ist sie nach dem damaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester. Sie gehört zu den staatlich geförderten privaten Altersvorsorgeformen, ebenso wie die Rürup-Rente und die betriebliche Altersvorsorge (bAV).

(Quelle: Verbraucherzentrale)

Die Bundesregierung rechnete in ihrem Rentenversicherungsbericht vor, dass Sparer, die seit 2002 einzahlen und 2023 in Rente gehen, durchschnittlich 141 Euro Riester-Rente pro Monat erhalten. Bis 2035 sollen es laut Prognosen 357 Euro sein. Doch diese Zahlen sind in der Praxis oft unrealistisch.

Der Sozialbeirat der Bundesregierung kritisierte bereits in ihrem Jahresgutachten 2023, dass die Modellrechnungen „kein realistisches Bild über die tatsächliche Altersversorgung“ böten. Tatsächlich zeigt die aktuellste Analyse des Bundesfinanzministeriums vom April 2024, dass die gezahlten Riester-Renten, die bereits 2022 an rund eine Million Riester-Sparer ausgeschüttet wurden, bei durchschnittlich 1581 Euro lagen – pro Jahr. Das ergibt eine monatliche Zusatzrente von 132 Euro. Dieser Betrag unterliegt allerdings noch der Einkommenssteuer.

Die Riester-Rente erfüllt nicht immer die Erwartungen von Senioren, wenn die Altersvorsorge ausgezahlt wird.

Riester-Rente ein überholtes Produkt? Diese Einflussfaktoren auf die Höhe der Auszahlung gibt es

Ein weiterer Fallstrick: Die Riester-Rente unterliegt der nachgelagerten Besteuerung. Das heißt, die gesamten Auszahlungen müssen im Rentenalter versteuert werden. Zwar fallen laut Stiftung Warentest keine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an, doch die Steuerlast kann die Auszahlung erheblich schmälern. Besonders bei einer einmaligen Auszahlung von bis zu 30 Prozent Kapital kann sich der persönliche Steuersatz im Jahr der Auszahlung deutlich erhöhen. Die tatsächliche Höhe der Riester-Auszahlung hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Dauer und Höhe der Einzahlungen
  • Anzahl der erhaltenen Zulagen
  • Verwaltungskosten des Anbieters
  • Renditeentwicklung der gewählten Anlageform

Ein wichtiger Hinweis: Die Anbieter verwenden Rentenfaktoren, um zu berechnen, welche monatliche Rente für ein bestimmtes Kapital gezahlt wird. Ein Beispiel der Verbraucherzentrale Niedersachsen: Bei einem Rentenfaktor von 25 und einem Kapital von 42.000 Euro beträgt die monatliche Rente 105 Euro. Um die Einzahlungen zurückzuerhalten, müsste die Rente 33 Jahre und vier Monate gezahlt werden.

Schlager- und TV-Stars packen über Höhe ihrer Rente aus: Einer kriegt nur 41 Euro im Monat

Rentenbescheid
Beim Blick auf den Rentenbescheid oder den entsprechenden Kontoauszug reagieren manche glücklicher, manche weniger. Und man vergleicht sich natürlich gerne. Da ist es durchaus spannend: Wie viel Rente kassieren eigentlich die Promis? © Lobeca/IMAGO
Rente
In Interviews haben sich immer wieder Stars geäußert. Die Beträge beziehen sich natürlich auf den damaligen Zeitpunkt, könnten sich längst geändert haben. Mancher Promi hat nicht viel eingezahlt – entsprechend unterschiedlich sind die Rentenbeträge. © Lobeca/Imago
Thomas Gottschalk
Thomas Gottschalk legte einst kurz vor seinem 70. Geburtstag seine Rente auf den Cent genau offen. © IMAGO/imageBROKER/Arnulf Hettrich
Thomas Gottschalk
2020 war das. Er nannte dem „Handelsblatt“ damals den Betrag von 915,79 Euro im Monat und sagte: „Das verdanke ich meiner Festanstellung beim Bayerischen Rundfunk in den achtziger Jahren.“  © POP-EYE/H.Urs via www.imago-images.de
Dagmar Frederic
Schlager- und Moderationslegende Dagmar Frederic war vor allem in der DDR ein Topstar. Am 15.4.2025 feierte sie ihren 80. Geburtstag. © IMAGO/Brigitte Dummer
Dagmar Frederic
Sie tritt immer noch sehr regelmäßig als Sängerin auf, das Foto entstand im März 2025. Auch, um ihre Rente damit aufzubessern. 2017 sagte sie der „Superillu“: „Ich bekomme 720 Euro Rente, und es wäre dramatisch, wenn ich nur damit auskommen müsste. Aber ich bin in der glücklichen Lage, dass ich mir durch mein Talent auch immer was dazuverdienen kann.“  © IMAGO/Matthias Wehnert
Dagmar Frederic
Auch ein Jahr später nannte Dagmar Frederic noch mal eine konkrete Zahl zu ihrer Rente. „750 Euro im Monat“ waren es 2018, erzählte sie der „Bild“. „Aber davon könnte ich nicht leben.“  © IMAGO/Matthias Wehnert
Kader Loth
Kader Loth sprach 2025, mit 52 Jahren, mit der „Bild“ über die aktuelle Zahl auf ihrem Rentenbescheid. Der Reality-Star: „Nach meinem aktuellen Bescheid werde ich nur 400 Euro im Monat im Alter bekommen. Natürlich habe ich jetzt große Angst vor Altersarmut. Alleine der Gedanke ans Alter macht mich jetzt schon unruhig“ © Breuel-Bild/IMAGO
Kader Loth Circus
Kader Loth zeigte sich schockiert: „Ich war fast mein ganzes Leben lang selbstständig. Da wusste ich, dass ich keine hohe Rente erwarten durfte. Aber dass sie so gering werden könnte, ist schon heftig.“ © POP-EYE / Ben Kriemann
Heino
Schlager-Legende Heino sprach 2012 mit Bunte.de über die Höhe seiner Rente. Das ist lange her, aber er kassierte damals schon einiges. „Ich bekomme 1635 Euro Rente“, meinte er damals. © IMAGO
Heino
Woher kommt der stattliche Betrag? Heino 2012 weiter: „Ich habe als Bäcker und Konditor gearbeitet.“ Er weiß auch: „Viele meiner Künstlerkollegen können nicht auf eine Rente zurückgreifen. Teilweise lebe ich auch davon.“ © Kerstin Kokoska / Imago
Mary Roos
Für Schlager-Legende Mary Roos war der Rentenbescheid ein Schock. Sie sagte 2022 der „Bild am Sonntag“: „Als mein Rentenbescheid kam, erfuhr ich, dass mir monatlich 350 Euro zustehen. Mit so wenig Geld hatte ich nicht gerechnet.“ © IMAGO/Stephan Wallocha
Mary Roos
Mary Roos überlegte damals, auf ihre Rente zu verzichten, dachte dann um: „Da ich damals nicht wusste, dass das Geld nicht automatisch gespendet wird, werde ich mir die Rente jetzt direkt auszahlen lassen“, sagte sie zur „Bild am Sonntag“. „Sobald die Zahlung bei mir ankommt, werde ich das Geld dann selbst für einen guten Zweck weitergeben.“ © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON
G.G. Anderson
Minusrekordverdächtig: der Betrag von G.G. Anderson, über den er 2023 mit T-Online sprach. 36 Euro! „Ich habe vier Jahre als Elektriker gearbeitet, deswegen bekomme ich eine Rente von 36 Euro pro Monat. Jedes Mal, wenn mir der Betrag überwiesen wird, gehe ich ein Bier trinken“, so der Schlager-Star lachend. © IMAGO/mix1 - Matthias Baran
G.G. Anderson
Am Hungertuch nagt G.G. Anderson trotzdem nicht. Er hat mehr als 1.000 Songs geschrieben und erklärte bei T-Online: „Wenn du einige Songs geschrieben hast, kannst du von der Gema wirklich gut leben. Zu D-Mark-Zeiten lag meine Ausschüttung bei knapp eine Million pro Jahr. Ab meinem 30. Lebensjahr bis zum heutigen Tag habe ich 40 Jahre lang ein Schweinegeld verdient.“  © Horst Galuschka / Imago
G.G. Anderson
Ende 2024 sprach G.G. Anderson mit T-Online erneut über seine Rente. Bis dahin durfte er sich über eine „satte“ Erhöhung freuen. Den alten Betrag stellte er wie folgt richtig: „Das stimmt nicht mehr, weil die 36 Euro auf 41 Euro erhöht wurden. Immerhin.“ © POP-EYE/Scherf / Imago
G.G. Anderson
Seine Frau Monika (Foto) kümmert sich um seine Finanzen und hält das Geld zusammen, G.G. Anderson selbst hat‘s damit nicht so. © STAR-MEDIA / Imago
Jürgen Drews
Jürgen Drews hat den 80. Geburtstag schon hinter sich. Zum 75. hatte er mit der „Bild am Sonntag“ über die Höhe seiner Rente gesprochen. Und die fiel zu dem Zeitpunkt äußerst kümmerlich aus. © IMAGO/Frederic Kern
Jürgen Drews
Auf die Frage, ob er Rente bekomme, antwortete er damals, 2020: „Eine Mini-Rente, ja. Das sind noch nicht mal 200 Euro. Davon kann ich mit Ramona einmal schön essen gehen. Das war’s.“ © IMAGO/Daniel Lakomski/Jan Huebner
Katrin Sass
Schauspielerin Katrin Sass erklärte 2019 der „Bild“, dass sie nur rund 800 Euro Rente im Monat bekommen werde. „Davon kann ich nicht leben. Ich habe es früher leider versäumt, richtig für mich vorzusorgen.“ © IMAGO/Eibner-Pressefoto
Hansi Kraus
Durch die Verfilmung der Lausbubengeschichten von Ludwig Thoma ist der Münchner Schauspieler Hansi Kraus zum Kinderstar geworden. Auch wenn er seitdem in unzähligen Filmen aufgetreten ist, hat er nur eine schmale Rente von rund 600 Euro, verriet er 2023 der „tz“. © Teutopress/Imago
Hansi Kraus
Hansi Kraus 2023 zur „tz“: „Finanziell ausgesorgt habe ich noch lange nicht.“  © IMAGO/B. Lindenthaler
Eleonore Weisgerber
Eleonore Weisgerber versuchte jahrelang, von der Deutschen Rentenversicherung eine Erhöhung zu erreichen, sagte sie 2023 der „tz“. „Ich habe 45 Jahre gearbeitet und bekam nur 887 Euro. Durch die Erhöhungen der letzten Jahre bekomme ich inzwischen gut über 900 Euro im Monat.“  © IMAGO/Eventpress Fuhr
Hannes Jaenicke
„Ich bekomme, wenn ich das Rentenalter erreiche, 600 Euro, aber da bin ich selbst schuld“, sagte Hannes Jaenicke im Jahr 2020 der „Bunte“. © Malte Ossowski/SVEN SIMON/Imago
Jaenicke
Selbst schuld? Auch da ging Jaenicke 2020 ins Detail. „Ich war nie auf dem Arbeitsamt wie andere Kollegen, wenn ich nicht gedreht habe.“ Offenbar machen das andere Schauspieler. Jaenicke habe dies immer unanständig gefunden, nachdem es habe Zeiten gegeben, in denen er „wirklich gut“ verdient habe. © IMAGO/Eventfoto54/Imago
Angelika Kallwass
Auch Talk-Legende Angelika Kallwass („Zwei bei Kallwass“) sprach einst über die Höhe ihrer Rente, und zwar 2020 bei der „Webtalkshow“. Auf die Frage von Moderator Nico Gutjahr, ob sie denn die Rente nie interessiert habe, antwortete sie: „Ja, leider.“ Offensichtlich hat die eigentlich das Thema schleifen lassen. © Malte Ossowski/SVEN SIMON
Kallwass
Kallwass 2020 weiter: „Also ich habe in meinem Leben berentet gearbeitet als Studentin damals bei Bayer Leverkusen und dann später im Krankenhaus, also in der Uniklinik und auch noch mal zwischendurch in einem Frauenhaus, immer als Psychologin. Ich habe damals für die Rente abgeführt, aber danach als Selbständige gedacht: Brauch ich nicht. Deswegen sage ich: ‚Leider nicht.‘ Ich hätte es mal besser getan.“ Sie bereue das „schon ein bisschen“. © Eventpress MP / Imago
Angelika Kallwass
Jetzt muss Angelika Kallwass mit den Konsequenzen leben, wie sie 2020 ausführte. „Ich kann dir sagen, was ich als Rente bekomme. Davon kann ich nicht leben, nicht sterben. 380 Euro.“ Sie sei auf die Arbeit angewiesen, sagte sie im Juni. Von ihrem verstorbenen Mann bekomme sie eine Rente, „zwar auch keine große, denn er hat genauso bescheuert gehandelt wie ich.“ © Klaus W. Schmidt/Imago
Oliver Pocher
Oliver Pocher verriet beim „Bild“-Talk „Viertel nach acht“ 2021 seine Rentenhöhe. „Aktuell kriege ich 300 bis 400 Euro“, gab der Fernsehstar zu. © IMAGO/Oliver Langel
Jan Böhmermann
Jan Böhmermann plauderte 2021 im Podcast „Fest & flauschig“ mit Olli Schulz über seine Rente. „Hey, ich hab letztens wieder meinen Rentenbescheid gekriegt. Weißt du wieviel ich momentan verdiene?“, stellte er als Frage an Schulz. © IMAGO/Michael Kremer
Jan Böhmermann
Sein Podcast-Kollege fing daraufhin gleich an zu raten: „450 Euro?“ Doch Böhmermann verneinte: „Nein, 170 Euro Rente. 170“. Schulz wiederholte: „170“. © IMAGO/Christoph Hardt
Harald Schmidt
Anlässlich seines 65. Geburtstags sprach auch Harald Schmidt mit der dpa über seine Rente. 2022 war das. © Jens Krick/Imago
Harald Schmidt
Schmidt erklärte 2022 zur Höhe seiner Rente: „Aktueller Stand: 272 Euro. Im Ernst! Die kassiere ich auch knallhart, ich hab ja einbezahlt, das steht mir zu. Das ist ja kein Almosen, das ist ein Deal, den ich mit dem Staat gemacht habe. Her damit!“ © IMAGO/Andreas Weihs

Optionen bei niedriger Rentenauszahlung: Wann sich welche Option lohnt

Ist das angesparte Kapital gering, kann es als Kleinstbetragsrente in einer Summe ausgezahlt werden, ohne dass die Förderung zurückgezahlt werden muss. Die Grenze hierfür liegt laut Union Investment 2025 bei rund 37,45 Euro Monatsrente. Auch hier ist die Einmalauszahlung zu versteuern, wobei die sogenannte Fünftelregelung angewendet wird, die den Steuerbetrag reduziert.

Eine klassische lebenslange Rente lohnt sich vor allem also dann, wenn die Monatsrente hoch genug ist, um die eigenen Einzahlungen in einer realistischen Lebenszeit wieder hereinzuholen. Laut Verbraucherzentrale dauert das bei vielen Verträgen aber bis ins hohe Alter von 90 oder mehr Jahren. Eine Teilauszahlung lohnt sich, wenn kurzfristig Liquidität benötigt wird oder gesundheitliche Gründe bestehen. Auch eine vollständige Kündigung kann in Ausnahmefällen sinnvoll sein, etwa wenn der Eigenbeitrag sehr hoch war und die Zulagen im Verhältnis gering sind. In diesem Fall ist laut Stiftung Warentest oft nur der verbleibende Ertrag steuerpflichtig. (ls)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ Hanno Bode

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