Vorsicht bei der Auszahlung: Was bei der Riester-Rente wirklich auf dem Konto ankommt
VonLennart Schwenck
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Riester-Anleger sollten genau hinschauen: Was letztendlich ausgezahlt wird, liegt häufig weit unter der Erwartung. Steuern und Gebühren drücken den Betrag.
Hamm – Die Riester-Rente sollte einst die Rentenlücke schließen. Doch viele Sparer erleben beim Renteneintritt eine böse Überraschung: Die tatsächliche Auszahlung fällt oft deutlich niedriger aus als gedacht. Besonders Steuern, hohe Kosten und optimistische Annahmen über Renditen schmälern das Ergebnis bei der Alternativ-Rente.
In der Ansparphase zahlen Versicherte Eigenbeiträge ein und erhalten staatliche Zulagen sowie mögliche Steuervergünstigungen. Voraussetzung: Mindestens vier Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres müssen eingezahlt werden, maximal 2.100 Euro jährlich. Ohne Mindestbeitrag von 60 Euro gibt es keine Förderung.
Auszahlung bei der Riester-Rente: Große Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität
Doch Achtung: Laut Verbraucherzentrale muss auch die Teilentnahme voll versteuert werden. Zudem sinkt durch die Teilauszahlung die spätere monatliche Rente deutlich. Wer das gesamte Kapital auf einmal haben möchte, riskiert eine schädliche Verwendung: Die komplette staatliche Förderung muss zurückgezahlt werden. Auch die erwirtschafteten Erträge sind zu versteuern. Die DRV stellt dazu ein Infoblatt zur Verfügung.
Die Riester-Rente – ein Überblick
Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt, um die gesetzliche Rente zu ergänzen und das sinkende Rentenniveau abzufedern. Benannt ist sie nach dem damaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester. Sie gehört zu den staatlich geförderten privaten Altersvorsorgeformen, ebenso wie die Rürup-Rente und die betriebliche Altersvorsorge (bAV).
Die Bundesregierung rechnete in ihrem Rentenversicherungsbericht vor, dass Sparer, die seit 2002 einzahlen und 2023 in Rente gehen, durchschnittlich 141 Euro Riester-Rente pro Monat erhalten. Bis 2035 sollen es laut Prognosen 357 Euro sein. Doch diese Zahlen sind in der Praxis oft unrealistisch.
Der Sozialbeirat der Bundesregierung kritisierte bereits in ihrem Jahresgutachten 2023, dass die Modellrechnungen „kein realistisches Bild über die tatsächliche Altersversorgung“ böten. Tatsächlich zeigt die aktuellste Analyse des Bundesfinanzministeriums vom April 2024, dass die gezahlten Riester-Renten, die bereits 2022 an rund eine Million Riester-Sparer ausgeschüttet wurden, bei durchschnittlich 1581 Euro lagen – pro Jahr. Das ergibt eine monatliche Zusatzrente von 132 Euro. Dieser Betrag unterliegt allerdings noch der Einkommenssteuer.
Riester-Rente ein überholtes Produkt? Diese Einflussfaktoren auf die Höhe der Auszahlung gibt es
Ein weiterer Fallstrick: Die Riester-Rente unterliegt der nachgelagerten Besteuerung. Das heißt, die gesamten Auszahlungen müssen im Rentenalter versteuert werden. Zwar fallen laut Stiftung Warentest keine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an, doch die Steuerlast kann die Auszahlung erheblich schmälern. Besonders bei einer einmaligen Auszahlung von bis zu 30 Prozent Kapital kann sich der persönliche Steuersatz im Jahr der Auszahlung deutlich erhöhen. Die tatsächliche Höhe der Riester-Auszahlung hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Dauer und Höhe der Einzahlungen
Anzahl der erhaltenen Zulagen
Verwaltungskosten des Anbieters
Renditeentwicklung der gewählten Anlageform
Ein wichtiger Hinweis: Die Anbieter verwenden Rentenfaktoren, um zu berechnen, welche monatliche Rente für ein bestimmtes Kapital gezahlt wird. Ein Beispiel der Verbraucherzentrale Niedersachsen: Bei einem Rentenfaktor von 25 und einem Kapital von 42.000 Euro beträgt die monatliche Rente 105 Euro. Um die Einzahlungen zurückzuerhalten, müsste die Rente 33 Jahre und vier Monate gezahlt werden.
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Optionen bei niedriger Rentenauszahlung: Wann sich welche Option lohnt
Ist das angesparte Kapital gering, kann es als Kleinstbetragsrente in einer Summe ausgezahlt werden, ohne dass die Förderung zurückgezahlt werden muss. Die Grenze hierfür liegt laut Union Investment 2025 bei rund 37,45 Euro Monatsrente. Auch hier ist die Einmalauszahlung zu versteuern, wobei die sogenannte Fünftelregelung angewendet wird, die den Steuerbetrag reduziert.
Eine klassische lebenslange Rente lohnt sich vor allem also dann, wenn die Monatsrente hoch genug ist, um die eigenen Einzahlungen in einer realistischen Lebenszeit wieder hereinzuholen. Laut Verbraucherzentrale dauert das bei vielen Verträgen aber bis ins hohe Alter von 90 oder mehr Jahren. Eine Teilauszahlung lohnt sich, wenn kurzfristig Liquidität benötigt wird oder gesundheitliche Gründe bestehen. Auch eine vollständige Kündigung kann in Ausnahmefällen sinnvoll sein, etwa wenn der Eigenbeitrag sehr hoch war und die Zulagen im Verhältnis gering sind. In diesem Fall ist laut Stiftung Warentest oft nur der verbleibende Ertrag steuerpflichtig. (ls)