Elektroautos im Fokus

Warum gebrauchte E-Autos trotz schlechtem Ruf eine echte Alternative sind

E-Autos aus zweiter Hand kämpfen mit Vorurteilen. Doch Experten zeigen, warum sie eine echte Alternative zum Neuwagen sein können.

Gebrauchte Elektroautos haben es schwer: Hohe Restwertverluste und Vorurteile über die Batteriequalität schrecken viele Käufer ab. Dabei bietet der Markt 2025 zahlreiche Chancen, die oft übersehen werden. Experten weisen darauf hin, dass gerade bei Reichweite und Akkuzustand die Skepsis unbegründet ist. Welche Argumente sprechen für gebrauchte Elektroautos – und warum tun sich Händler trotzdem schwer?

Immer mehr gebrauchte Elektroautos kommen als Leasing-Rückläufer auf den Markt – oft mit überraschend guter Batterieleistung.

Immer mehr gebrauchte Elektroautos kommen als Leasing-Rückläufer auf den Markt, oft mit stark gesunkenen Preisen. Für Käufer eröffnet das neue Chancen: Fahrzeuge, die vor wenigen Jahren noch teuer waren, sind plötzlich erschwinglich. Autoexperte Stefan Bratzel, Direktor des unabhängigen Centers of Automotive Management (CAM), eines führenden Forschungsinstituts für Mobilität und Automobilwirtschaft, sagte dem ZDF, dass die Batterieleistung gebrauchter E-Autos oft noch 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität erreiche. Dies mache sie zu einer lohnenswerten Alternative, gerade bei aktuellen Marktbedingungen.

Welche Probleme haben gebrauchte Elektroautos?

Trotz der Vorteile gibt es Hürden: Der Wertverlust gebrauchter Elektroautos ist deutlich höher als bei Verbrennern. Eine Analyse der Automobilberatung Berylls zeigt, dass ein drei Jahre altes E-Auto im Schnitt 6.400 Euro mehr an Wert verliert als ein Benziner. Für Händler bedeutet das längere Standzeiten und finanzielle Einbußen. Unverkaufte Fahrzeuge kosten durchschnittlich 1.500 Euro pro Monat – eine Belastung, die Druck auf die Preise ausübt, so Mario Sarac, Filialleiter bei BMW Weller in Kronberg bei ZDFheute.,

Eine häufige Sorge bei gebrauchten E-Autos betrifft die Reichweite. Doch genau hier räumen Experten mit Vorurteilen auf: Moderne Batteriegutachten ermöglichen eine präzise Einschätzung des Akkuzustands. Die technische Entwicklung sorgt außerdem dafür, dass Ladezeiten kürzer und Batterien langlebiger werden. Für den Alltag sind gebrauchte Stromer damit oft völlig ausreichend.

Elektroauto laden: Diese zehn kommen nach 20 Minuten am weitesten

Kia EV6
Kia EV6: 309 Kilometer. Dank moderner 800-Volt-Ladetechnik fährt das Mittelklasse-SUV aus Südkorea klar an die Spitze. Die Version mit Heckantrieb und 77,4-kWh-Akku war das einziges Modell des Testfeldes, das die 300-Kilometer-Marke knackte. Basispreis: 46.990 Euro. © weigl.biz
Mercedes-Benz EQS 450+
Mercedes-Benz EQS 450+: 275 Kilometer. Die Luxuslimousine für mindestens 107.326 Euro holt aus der verwendeten 400-Volt-Technik dank präzisem Lade- und Temperatur-Management das Optimum heraus. Getestet wurde die Long-Range-Version mit 108-kWh-Akku und Heckantrieb. © Deniz Calagan/Mercedes-Benz AG
BMW iX
BMW iX: 273 Kilometer. Das große Elektro-SUV trat als xDrive50 mit serienmäßigem Allradantrieb zum Test in der Oberklasse-Kategorie an – und mit mächtigem 105,2-kWh-Akku. Der Basispreis des mächtigem Stromers liegt bei 84.600 Euro. © Uwe Fischer/BMW
Hyundai Ioniq 5
Hyundai Ioniq 5: 272 Kilometer. Das südkoreanische SUV ist technisch mit dem Testsieger Kia EV6 verwandt, und nutzt dieselbe schnelle 800-Volt-Technik. Die sparsamere Heckantriebsversion kostet ab 43.900 Euro, getestet wurde die Ausführung mit 72,6-kW-Akku für 4.000 Euro Aufpreis. © Dino Eisele/Hyundai
Porsche Taycan GTS
Porsche Taycan: 271 Kilometer. In der Oberklasse lagen die Testwerte relativ dicht beieinander. In der Version GTS fährt der Elektro-Porsche (Basispreis 86.733 Euro) mit 93,4-kWh-Akku nur knapp hinter den Klassenbesten her, er kann ebenfalls mit 800 Volt laden. © Porsche AG
Audi e-tron GT quattro
Audi e-tron GT quattro: 237 Kilometer. Der viertürige, Elektrosportler mit Allradantrieb basiert auf dem Porsche Taycan und verfügt daher ebenfalls über schnelle 800-Volt-Technik und einen 93,4-kWh-Akku, ist aber etwas größer und geräumiger. Preis: ab 104.000 Euro. © Audi
BMW i4 eDrive40
BMW i4: 235 Kilometer. Die Elektroversion der konventionell angetriebenen 4er-Reihe ist das sportlichste Modell der Mittelklasse-Wertung. Als eDrive40 kostet er ab 59.200 Euro und verfügt über einen Akku mit 83.9 kWh Kapazität. © BMW
Tesla Model 3
Tesla Model 3: 221 Kilometer. Der Elektroauto-Pionier legt seit jeher mehr Wert auf Reichweite als auf schnelles Laden, was bei der Akku-Auslegung ein Zielkonflikt ist. Der Test der Long-Range-Version mit 82,1-kWh-Akku erfolgte an markeneigenen Superchargern. Basispreis des Model 3: 52.965 Euro. © Tesla
Polestar 2
Polestar 2: 218 Kilometer. Die noch junge Marke gehört zum chinesischen Geely-Konzern, die Autos werden von dessen Tochter Volvo entwickelt und in China produziert. Den Polestar gibt es ab 46.495 Euro, gemessen wurde die heckgetriebene Long-Range-Version mit 78-kWh-Akku. © Polestar
BMW iX3
BMW iX3: 201 Kilometer. Ein weiterer BMW nach dem bewährten Muster, ein Verbrennermodell zum Stromer umzurüsten. Das Mittelklasse-SUV kostet ab 67.300 Euro und verfügt über einen Akku mit 80 kWh Kapazität. © BMW

Während Käufer derzeit von günstigen Preisen profitieren, stehen Händler und Hersteller vor Herausforderungen. Burkhard Weller, Geschäftsführer einer großen Automobilhandelsgruppe, betont, dass Leasingmodelle den Käufern das Restwertrisiko abnehmen. Dennoch bleibt es schwierig, gebrauchte Elektroautos schnell zu verkaufen. Häufig sind zusätzliche Anreize nötig, wie gezielte Ansprache von Bestandskunden oder Preisanpassungen. Die verlängerte Steuerbefreiung könnte zudem neue Käufer locken.

Gebrauchte Elektroautos sind besser als ihr Ruf: Mit hoher Batteriequalität, attraktiven Preisen und guter Alltagstauglichkeit bieten sie eine echte Alternative zum Neuwagen. Käufer profitieren von einem Markt, der durch Restwertverluste und technische Fortschritte besonders zugänglich ist. Wer sich über Batteriezustand und Reichweite informiert, kann ein Schnäppchen machen. Für Händler bleibt es eine Herausforderung, doch Steuervergünstigungen und kluge Verkaufsstrategien könnten den Markt weiter beleben. Hier finden Sie 5 günstige E-Autos, die 250 km schaffen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Christoph Hardt

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