Falsche Polizei-Anzeige

Warnung vor neuer Betrugsmasche: Angebliche Europol-SMS kann fatale Folgen haben

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Derzeit sind betrügerische SMS im Umlauf. Was dahintersteckt und wie Sie richtig auf die kriminelle Fake-SMS reagieren sollten.

Kassel – Wann wird man als Verbraucherin oder Verbraucher schon von Europol, der europäischen Polizei, angeschrieben? Vermutlich nur, wenn es um erhebliche Vorfälle rund um Terrorismusbekämpfung, Drogenhandel, Zigarettenschmuggel, organisiertes Verbrechen oder Menschenhandel geht. Doch aktuell sind gefälschte SMS im Umlauf, die angeblich von Europol stammen.

Behörden warnen eindringlich: Finger weg! Denn dahinter steckt eine neue Betrugsmasche. Mit ihren betrügerischen Aktivitäten werden Kriminelle immer dreister.

Angebliche SMS von Europol: Sie drohen mit einer Hausdurchsuchung

In der Fake-SMS steht nebulös: „Sie sind Beteiligter im Fall A1946E729. Erheben Sie Einspruch unter: report-eu.com um eine Hausdurchsuchung zu vermeiden.“ Das berichtet das Portal watchlist-internet.at, eine Informationsplattform aus Österreich zu Internet-Betrug und betrugsähnlichen Online-Fallen.

Wer ist Europol?

Die Organisation bekämpft als Europa-Polizei mit Sitz im niederländischen Den Haag alle Formen von schwerer internationaler und organisierter Kriminalität, Cyberkriminalität und Terrorismus. Für Europol arbeiten mehr als 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insgesamt hat die Behörde nach eigenen Angaben 264 Europol-Verbindungsbeamtinnen und -beamte. Sie wurde am 1. Januar 2010 in eine EU-Agentur umgewandelt
Quelle: europol.europa.eu

Wer auf den Link in der SMS klickt, landet dem Bericht zufolge auf einer Phishing-Seite, die das Europol-Logo zeigt. Dort ist dann in großen Lettern zu lesen: „SIE WURDEN WEGEN ILLEGALER AKTIVITÄTEN ANGEZEIGT“. Darunter in kleinerer Schrift: „Nutzen Sie die Europol-Report-App, um Einspruch einzulegen.“ Doch Vorsicht: Bei der Software handelt es sich um Schadsoftware.

Wie bei Betrugsmaschen üblich, wird der Empfänger der Fake-Nachricht unter Druck gesetzt, schnell zu reagieren. Da angeblich „eine Frist gesetzt ist“ und bei Missachtung die „Möglichkeit einer Hausdurchsuchung“ bestehe, solle man schnell reagieren. Und eine App installieren, um Einspruch einzulegen.

Hinter der „Europol-Report-App“, die von Betrügern via SMS lanciert wird, verbirgt sich Android-Schadsoftware.

Gefälschte Nachrichten im Auftrag von der europäischen Polizei im Umlauf - Anschuldigungen frei erfunden

Im Namen von Europol landet die gefälschte Kurznachricht derzeit massenhaft auf Smartphones. Die Anschuldigungen seien jedoch frei erfunden. Wer sich schützen möchte, sollte nicht auf den Link tippen und die betrügerische SMS direkt löschen, raten die Verbraucherschützer von Watchlist Internet.

Denn auf der ebenfalls gefälschten Europol-Seite, die sich nach einem Tippen auf den Link öffnet, erhöhen die Kriminellen den Druck noch einmal. Wer den dortigen Anweisungen folgt, die APP-Anwendung installiert und das Erklärvideo abspielt, erteilt den Schnüfflern alle geforderten Berechtigungen und öffnet den kriminellen Angreifern vollständig sein Gerät mit allen Daten darauf. Auch eine Fake-E-Mail des Bundeskriminalamtes sorgte jüngst für Aufregung.

Gefälschte Europol-SMS: App ist ein Wanze – diese sollten Betroffene sofort deinstallieren

Falls die App aber bereits auf dem Smartphone installiert wurde, sollte sie direkt wieder deinstalliert werden. Ist dies nicht möglich, kann es helfen, das Gerät im abgesicherten Modus neu zu starten. Wer dazu Hilfe benötigt, sollte in die Anleitung seines Smartphone-Herstellers schauen. Denn die Durchführung dieser Maßnahme kann von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sein. Generell sollte im abgesicherten Modus die Schadsoftware unter „Einstellungen/Apps“ deinstalliert werden können.

Das sollten Sie anschließend noch tun (Quelle: watchlist-internet.at):

  • Ändern Sie sämtliche Passwörter, die die Schadsoftware möglicherweise auslesen konnte
  • Installieren Sie zusätzlich ein Antivirus-Programm und scannen Sie ihr Handy neu
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei

Die Betrugsmasche wird im Fachjargon als Authority Scam bezeichnet, weil Kriminelle den Namen von Behörden missbrauchen, um Menschen unter Druck zu setzen und zu betrügen. Grundsätzlich gilt: Behörden stellen keinen Kontakt per SMS her und auch ein Erstkontakt per E-Mail ist nicht üblich. Geht es etwa um Anhörungen, laden Polizeibehörden dazu postalisch oder persönlich vor. (sthe/mit Material von dpa)

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa

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