VonMaximilian Hertelschließen
Das Bundesamt warnt vor einem bei jungen Menschen beliebten Trend-Produkt: Der Verzehr birgt ein gesundheitliches Risiko.
München – Trends auf TikTok rund um Lebensmittel sind nichts Neues: Ein Video zeigt beispielsweise, wie die Deutschen am liebsten Ihr Ei essen. Während es hier höchstens scharfe Kritik am kulinarischen Geschmack der Userin gab, ruft die Schärfe eines neuen Trends das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf den Plan.
Gemeint ist die sogenannte „Hot Chip Challenge“. Die Lebensmittelüberwachungsbehörden haben nun das Produkt unter die Lupe genommen und sind zu einem klaren Ergebnis gelangt. Zuletzt haben die Behörden über einen Rückruf eines Fisch-Produkts bei Edeka und Kaufland informiert.
Rückruf für beliebtes Trend-Produkt bei Jugendlichen – Übelkeit, Erbrechen und Reizungen
Die „Hot Chip Challenge“ ist ein neuer Trend auf TikTok, bei dem meist Jugendliche und junge Erwachsene das gleichnamige Produkt essen. Dabei handelt es sich um extrem scharfe Tortillachips, die nach eigener Aussage die schärfsten Gewürze der Welt enthalten. Auf hot-chip.de wird die Challenge als „ein einzigartiges Erlebnis, an das sich die meisten Menschen ein Leben lang erinnern werden“ beschrieben. Das Produkt eigne sich bestens für Herausforderung zwischen Freunden, Partnern oder als Geschenk. Erst kürzlich musste ein elfjähriger Junge aus Mittelhessen nach der Mutprobe ins Krankenhaus.
Laut den Behörden des Verbraucherschutzes kann das „einzigartige Erlebnis“ allerdings schnell mit Übelkeit, Erbrechen, Bluthochdruck, brennenden Augen und gereizten Schleimhäuten enden. Die Experten reagieren mit einem Rückruf, in dem vor dem Verzehr des Produkts gewarnt wird: „Da es sich nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen wahrscheinlich um eine chargenübergreifende Problematik handelt, wird dringend empfohlen, auf jeglichen Verzehr des Produktes zu verzichten.“ Auf der Website des Herstellers heißt es momentan hingegen: „Die Hot Chip Challenge wird Sie nicht verletzen.“
Rückrufaktion in Deutschland – Kunden können das Produkt zurückgeben
Insgesamt haben zwei Firmen mit Sitz in Frankfurt und Gießen das Produkt zurückgerufen. Es wurde in einen Großteil der Bundesländer geliefert: Betroffen sind neben Hessen auch Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Kunden, die das Hot Chip-Produkt gekauft haben, können dieses gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben, heißt es in der Kundeninformation auf lebensmittelwarnung.de. Außerdem fordert der Verbraucherschutz auf, Kinder und Jugendliche aus der Umgebung über die Risiken zu informieren. Eine Anfrage dazu an HOT-CHIP s.r.o. blieb bislang unbeantwortet.
„Hot Chip Challenge“ – Darum sind die beliebten Tortilla-Chips so gefährlich
Die „chargenübergreifende Problematik“ bezieht sich auf die Inhaltsstoffe der Chips. Denn als Grund der Warnung wird der „stark schwankende und teilweise extrem hohe Gehalte an Capsaicin“ aufgeführt. Capsaicin ist der Wirkstoff, welcher für die Schärfe des Produkts verantwortlich ist. Gewonnen wird das Alkaloid aus verschiedenen Paprikasorten, im Fall der „Hot Chip Challange“ von der Carolina Reaper (bekannt als schärfste Chili-Sorte der Welt). Weitere Inhaltsstoffe sind:
- Maismehl (79 %)
- Sonnenblumenöl
- Trinidad Scorpion Moruga-Gewürz
- Salz (0,9 %)
- Aktivkohle
Auf der Internetseite des Anbieters der scharfen Tortilla-Chips heißt es, auf der Scoville-Skala erreiche die Chilischote und damit das Produkt eine Schärfe von bis zu 2,2 Millionen SHU. Zum Vergleich: Ein Jalapeño-Chili erreicht gerade mal einen Scoville-Grad von 2.500 bis 8.000 SHU. Das Bundesamt stuft den Capsaicingehalt nicht nur als zu hoch, sondern auch eindeutig als gesundheitsgefährdend ein.
Welche Folgen der Verzehr der berüchtigten Carolina Reaper haben kann, hat ein Vorfall in den USA gezeigt. Auch hier haben Experten bereits vor ernsthaften, gesundheitlichen Risiken gewarnt. Und für diejenigen, die auf extreme Schärfe verzichten können, gibt es einen Tipp, wie man den schärfsten Teil einer Chilischote vermeiden kann. (mh/dpa)
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